Ratgeber

Kunden rechnen nicht nach: SMS-Nachrichten völlig überteuert

von Alexander Klement

Jede Minute verschicken die Deutschen über 80.000 Kurznachrichten über das Handy. Eigentlich war der SMS-Dienst ein kostenloses Abfallprodukt, dem man keinen kommerziellen Nutzen zusprach. Inzwischen verdienen sich die Mobilfunkanbieter mit teils völlig überhöhten Preisen eine goldene Nase.

Mini-Daten zum hohen Preis: Die Deutschen simsen immer mehr - und zahlen dafür ordentlich.
Mini-Daten zum hohen Preis: Die Deutschen simsen immer mehr - und zahlen dafür ordentlich.(Foto: erysipel/pixelio.de)

Manche knüpfen mit ihrer Hilfe Freundschaften, andere beenden Beziehungen, viele verabreden sich oder schreiben einfach nur kurze Grüße. Die Rede ist vom Short Message Service – kurz SMS. Eigentlich war die SMS ein Nebenprodukt der Mobiltelefonie ohne kommerzielle Nutzungsgedanken und wurde überwiegend kostenlos eingesetzt. Sie sollte den Kunden über eventuelle Netzstörungen informieren.

Heute sieht das ganz anders aus. Die SMS ist in aller Munde und bei den Deutschen sehr beliebt. Trotz viel einfacherer und günstigerer Kommunikationswege simsen die Handybesitzer immer mehr. Im vergangenen Jahr wurden 41,3 Milliarden Kurznachrichten verschickt - das sind über 80.000 Nachrichten pro Minute. Die Wachstumsrate beträgt dabei noch über 20 Prozent, denn 2009 wurden 34 Milliarden SMSen verschickt. Der Branchenverband Bitkom rechnet auf Basis der aktuellen Daten der Bundesnetzagentur mit 46 Milliarden Kurznachrichten in diesem Jahr, was nochmal einer Steigerung von über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde.

Mini-Datenmenge zum hohen Preis

Für die Mobilfunkanbieter ist dies ein lukratives Geschäft. Eine SMS kostet bei vielen Anbietern das Gleiche wie eine Gesprächsminute oder ist sogar noch teurer. Allerdings braucht die Kurzmitteilung, in die höchstens 160 Zeichen passen, nur etwa ein Tausendstel der Datenmenge, die für die Übertragung einer Gesprächsminute benötigt wird.

Das Vergleichsportal Check24 erhebt daher den Vorwurf, dass die Anbieter die Kunden mit astronomischen Preisen über den Tisch ziehen. Selbst wenn man nur die Preisunterschiede einer SMS der diversen Anbieter als Grundlage nimmt, ergeben sich Preisdifferenzen von bis zu 217 Prozent. Die vier deutschen Netzbetreiber (BASE, o2, Telekom und Vodafone) verlangen für den Versand einer Kurzmitteilung innerhalb Deutschlands laut Check24 bis zu 19 Cent. Dies gelte für Prepaid- und Vertragstarife gleichermaßen. Mit dem günstigsten Prepaid-Tarif zahlten Verbraucher nur sechs Cent pro SMS, mit dem günstigsten Vertragstarif 7,5 Cent.

SMS-Flatrates für Viel-SMSer

Auf Grundlage dieser Kosten hat Check24 errechnet, wann sich eine SMS-Flatrate lohnen kann. Bei Vertragstarifen rechnet sich ein SMS-Flatrate-Abschluss demnach ab monatlich 132, bei Prepaid-Tarifen ab 160 Nachrichten.

Geradezu absurd ist, dass ein deutscher Urlauber, der aus dem europäischen Ausland eine SMS verschickt, dafür nicht mehr als 13 Cent bezahlt. Die Europäische Union hat diese Höchstgrenze für den grenzüberschreitenden SMS-Versand festgelegt. Innerdeutsch gilt diese Regel nicht und Verbraucher zahlen für eine Kurznachricht bis zu 46 Prozent mehr.

Günstige Alternative zur SMS

Den Mobilfunkanbietern kann man da leicht Abzocke vorwerfen. Allerdings muss man den Verbrauchern auch jegliches logisches Handeln absprechen, die für einen spartanischen Dienst so viel Geld bezahlen. Gerade für Smartphone-Besitzer, deren Anteil im Mobilfunkmarkt stark steigt, ist die SMS-Nutzung völlig überholt. Datenflatrates gibt es ab monatlich 4,99 Euro. Mithilfe von Instant Messaging (IM) oder anderen Apps lässt sich die SMS problemlos ersetzen – und das zu einem viel günstigeren Preis, der zudem noch die Welt des mobilen Internets beinhaltet.

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Quelle: n-tv.de

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