Ratgeber
Dienstag, 15. April 2014

Bequem, aber verboten: Schnelle Wege zum Doktortitel

Von Isabell Noé

Der Doktortitel gilt als Karrierebeschleuniger, er bringt nicht nur Ansehen, sondern oft auch ein Gehaltsplus. Nur leider ist Promovieren ziemlich aufwendig. Geht das nicht einfacher?

Der Doktor lohnt sich: Fünf Jahre nach dem Uniabschluss liegen die Einkommen von Arbeitnehmern mit Doktortitel bis zu einem Drittel über denen von Absolventen mit Diplom oder Master.
Der Doktor lohnt sich: Fünf Jahre nach dem Uniabschluss liegen die Einkommen von Arbeitnehmern mit Doktortitel bis zu einem Drittel über denen von Absolventen mit Diplom oder Master.(Foto: dpa)

Der Weg zum Doktortitel ist mühsam und vor allem lang: Je nach Fachrichtung und Thema sind Akademiker gut und gerne zwei bis über fünf Jahre mit der Dissertation beschäftigt. Das liegt auch daran, dass die Doktorarbeit nur selten eine Vollzeitbeschäftigung ist: Auf Promotionsstellen sitzt man nicht nur am eigenen Projekt und etwa jeder fünfte Doktorand steht schon voll im Berufsleben und muss die Doktorarbeit quasi nach Feierabend schreiben. Doch Durchhalten zahlt sich aus: Fünf Jahre nach dem Studienabschluss bringt der Doktortitel auf der Visitenkarte im Schnitt fast acht Prozent mehr Gehalt, so das Ergebnis einer Studie des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF). Besonders in der Privatwirtschaft lässt sich der akademische Titel demnach in bare Münze verwandeln. Die gute Nachricht: Es gibt auch bequemere Wege zum Doktortitel. Die schlechte: Die meisten sind illegal.

Arbeit zusammenkopieren

Ganz unabhängig von der Fachrichtung soll eine Doktorarbeit vor allem eins zeigen: dass der Doktorand zu eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten fähig ist und neue Erkenntnisse zum gewählten Thema liefern kann. Natürlich kann und soll man sich dabei auf andere Arbeiten beziehen. Heikel wird es aber dann, wenn man fremde Formulierungen oder Gedankengänge als die eigenen ausgibt. Die Verlockung, Anführungsstriche oder Fußnoten zu "vergessen", ist für manch einen groß, denn so lässt sich eine Arbeit mit deutlich weniger Aufwand zusammenflicken.

Im vordigitalen Zeitalter war diese Taktik auch durchaus erfolgversprechend, schließlich mussten die Korrektoren sich schon sehr genau in der Literatur auskennen, um ein Plagiat als solches zu erkennen. Heute hilft dabei spezielle Software oder auch Google. Dass man ein Buch nicht im Netz lesen kann, bedeutet nicht, dass es dort nicht veröffentlicht ist. Der größte Teil der neueren Literatur liegt digitalisiert vor und lässt sich über die Suchmaschine finden. Wer sich die Mühe macht, übernommene Stellen umzuschreiben oder aus anderen Sprachen zu übersetzen, könnte damit aber immer noch durchkommen. Auch wenn man aus Publikationen abschreibt, die tatsächlich nicht digital verfügbar sind, ist eine Enttarnung eher unwahrscheinlich.

Wer allerdings irgendwann auf einen exponierten Posten kommt, muss damit rechnen, dass selbsternannte Plagiatsjäger die Doktorarbeit zerpflücken werden. Fälschungen in der Dissertation verjähren nämlich nicht. Wer ertappt wird, muss nicht nur um den akademischen Grad bangen, sondern könnte unter Umständen sogar urheberrechtlich belangt werden. Dass das Ganze auch verheerende Auswirkungen auf die Karriere haben kann, werden nicht nur Karl-Theodor zu Guttenberg und Anette Schavan bestätigen.

Andere schreiben lassen

Ohne Ghostwriter müssten Politiker ihre Reden selber schreiben und so manche Promi-Autobiografie käme sprachlich wohl nicht über das Niveau eines Siebtklässler-Aufsatzes hinaus. Warum also nicht auch die eigene Dissertation in die Hände erfahrener Schreiberlinge legen? Sucht man im Internet nach dem Begriff "wissenschaftliches Ghostwriting", findet man diverse Anbieter, die ihre ganz unverhohlen Dienste beim Abfassen wissenschaftlicher Texte anbieten. Verboten ist das nicht, es handelt sich schließlich nur um "Vorlagen" oder  Texte "im Stil" von Abschlussarbeiten oder Dissertationen.

Kritisch wird es dann, wenn diese "Vorlagen" vom Auftraggeber als Doktorarbeit eingereicht werden. Meistens müssen Doktoranden an Eides statt versichern, dass sie ihre Dissertation eigenständig und ohne fremde Hilfe angefertigt haben. Wer hier lügt, macht sich strafbar.

Doktoranden in zeitlichen oder intellektuellen Nöten werden das Risiko möglicherweise dennoch eingehen – vorausgesetzt, sie können es sich leisten. Wer die Arbeit komplett in fremde Hände legt, sollte mit mindestens 20.000 Euro kalkulieren. Der Preis hängt zum einen vom Thema und vom Fachgebiet ab und zum anderen davon, wie eilig die Sache ist. Das Geschäft ist nicht ganz risikolos: Liefert der Ghostwriter stümperhafte Arbeit ab, wird wohl kaum ein Auftraggeber vor Gericht gehen und sich so selbst als potenzieller Betrüger outen.

Fliegt der Schwindel trotz aller Diskretion der Branche irgendwann auf, kommt der "Doktor" in Teufels Küche. Er ist dann nicht nur seinen Titel los, sondern womöglich auch seinen Job. Zumindest dann, wenn der akademische Grad dabei geholfen hat, die Stelle zu bekommen. Außerdem wird eine hohe Geldstrafe fällig.

Titel kaufen

Warum eine Doktorarbeit schreiben, wenn man nur den Titel will? Titelkauf ist die Lösung für Faule. Angebote gibt es reichlich. Sie kommen per Fax oder als E-Mail in den Spamordner und wer gezielt sucht, findet auch im Netz diverse Seiten, die Doktortitel gegen Geld versprechen. Bei Ebay etwa kann man sich schon ab zehn Euro Urkunden der "Hanseuniversität Hamburg", der "Rhein Ruhr Universität" oder der "Kanton Universität Zürich" auf den eigenen Namen ausstellen lassen. Der Haken daran: Diese Universitäten gibt es gar nicht. Mit grundlegenden Photoshop-Kenntnissen und etwas Fantasie kann man sich solche Pseudo-Urkunden genauso gut selbst basteln. Sie taugen allerdings allenfalls als Wandschmuck in Privaträumen, den genannten Titel darf man natürlich nicht führen. Selbst das Aufhängen in den eigenen Geschäftsräumen kann schon strafbar sein.

Davon zu unterscheiden sind kirchliche Doktortitel, die ehrenhalber verliehen werden. Nun wird weder die katholische noch die evangelische Kirche in Deutschland Titel gegen Geld abgeben. Im Ausland, insbesondere in den USA, gibt es aber anerkannte Kirchen, die genau das tun. Für 19,50 Euro kann man etwa bei der "United Global Royal Church" aus Wyoming Ehrendoktortitel in so ansprechenden Fachgebieten wie "Elektrosmogwissenschaft", "Dekorative Künste", "Wünschelrutenkunst" oder  "Golfsport" erwerben. Das Ganze fällt allerdings mehr in die Kategorie "netter Gag". Zwar ist es nicht verboten, solche Titel zu kaufen. Man darf sie aber nicht im Namen führen, weder auf der Visitenkarte noch im Personalausweis. Wer sich dennoch als "Doktor h c. der Geistheilung" oder Ähnliches ausgibt, riskiert unter Umständen mächtig Ärger. So veranlasste etwa die Lübecker Staatsanwaltschaft zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Groupon-Kunden, die sich über das Schnäppchenportal kirchliche Doktortitel zum Billigpreis gesichert hatten.

Titel selber fälschen

Man braucht eine gehörige Portion kriminelle Energie, eine gute Bildbearbeitungssoftware und natürlich gewisse Fälscherkünste – dann kann man sich die Promotionsurkunde auch selber basteln. Solange niemand nach dem Doktorvater oder der Doktorarbeit fragt, mag man damit sogar durchkommen. Dumm nur, wenn die Sache irgendwann auffliegt. Der Arbeitgeber dürfte dann Grund genug für eine fristlose Kündigung haben. Zudem steht auf das unbefugte Führen von Titeln eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Darüber hinaus droht auch eine Anklage wegen Urkundenfälschung. Um die könnte man bei später Entdeckung herumkommen, denn die Straftat ist nach fünf Jahren verjährt. Allerdings beginnt die Frist immer wieder neu, wenn die Urkunde vorgelegt wird.  

Quelle: n-tv.de

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