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Hartz-IV-Empfänger unter Druck: Stromkosten sprengen den Regelsatz

Die Miete wird übernommen, doch ihre Stromkosten müssen Hartz-IV-Empfänger selbst überweisen. Der Anteil, der dafür im Regelsatz vorgesehen ist, ist teilweise viel zu niedrig. Die Betroffenen müssen an anderer Stelle Abstriche machen.

Knapp 34 Euro des Regelsatzes soll für Strom und andere Wohnkosten verwendet werden.
Knapp 34 Euro des Regelsatzes soll für Strom und andere Wohnkosten verwendet werden.(Foto: imago/Westend61)

Der Hartz-IV-Regelsatz umfasst auch die Stromkosten. Doch die Grundversorgung ist zu knapp kalkuliert, im Schnitt müssen die Betroffenen gut ein Viertel mehr für Strom ausgeben, als durch den Staat abgegolten wird. Das zumindest legen Zahlen des Vergleichsportals Check24 nahe. In Thüringen und Mecklenburg Vorpommern ist die Lücke zwischen den geplanten und den tatsächlichen Kosten demnach am größten.

Während Miete, Heiz- und Betriebskosten gesondert vom Staat übernommen werden, müssen Empfänger von Alg II die Stromkosten aus ihrem Regelsatz decken. 404 Euro bekommen Alleinstehende seit diesem Jahr, 33,77 Euro davon sind für den Ausgabeposten Wohnen, Energie und Wohninstandhaltung vorgesehen. Doch allein für Strom geben die Haushalte laut Check24 schon deutlich mehr aus, im Schnitt nämlich genau 42,74 Euro. Die rund neun Euro Unterschied müssten folglich an anderer Stelle eingespart werden, etwa bei Telekommunikation, Kleidung oder Nahrung.

Die individuellen Stromkosten können natürlich geringer ausfallen – aber auch höher. Als Basis der Berechnung dienten dem Vergleichsportal die Preise der Grundversorger plus die der zehn günstigsten Alternativanbieter im jeweiligen Gebiet. Neukundenboni blieben dabei außen vor. Wer noch nie den Stromanbieter gewechselt hat, zahlt also wahrscheinlich noch deutlich mehr, denn die Grundversorgungstarife sind vergleichsweise teuer.

Entwicklung uneinheitlich

Im Vergleich zum letzten Jahr sieht es in vielen Gebieten etwas besser aus als im Vorjahr. Zum einen wurde der Regelbedarf inzwischen im fünf Euro angehoben. Zum anderen sind die durchschnittlichen Stromkosten teils deutlich gesunken. Am stärksten war der Rückgang in Sachsen-Anhalt, hier sind inzwischen rund 17 Prozent Ersparnis drin. In Bremen dagegen gab es zuletzt ein deutliches Plus von fast 30 Prozent. Dennoch kommen die Stromkunden hier im Gesamtvergleich mit am günstigsten weg. Auch in Hamburg und Niedersachsen fällt der Aufschlag auf die Regelversorgung vergleichsweise überschaubar aus.   

Am meisten müssen Hartz-IV-Empfänger in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen draufzahlen, hier sind die Durchschnittspreise am höchsten. Fast 45 Euro im Monat müssen hier kalkuliert werden, das macht übers Jahr 130 Euro mehr als im Regelsatz vorgesehen. Ähnlich sieht es in Rheinland-Pfalz aus. Im Schnitt liegt die Differenz bei 108 Euro im Jahr.

Doch auch in den vergleichsweise teuren Bundesländern haben die Kunden große Spielräume, um ihre Energiekosten zu drücken. In Thüringen und Sachsen etwa zahlt man beim günstigsten Anbieter rund 36 Euro für 1500 Kilowattstunden, in Rheinland-Pfalz reichen 34 Euro. Auch in den günstigsten Ländern, den Stadtstaaten Bremen und Berlin, liegen die sparsamsten Tarife ein paar Cent über dem Betrag, der im Regelsatz kalkuliert ist. Wer mit dem vorgegebenen Satz auskommen will, dem bleibt nur eine Möglichkeit: Den Stromverbrauch senken.

Strompreisvergleich: Zahlen Sie zu viel?

Quelle: n-tv.de

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