Ratgeber
Video
Donnerstag, 22. Oktober 2015

Schäden in Milliardenhöhe: Tachobetrug bei Drittel der Gebrauchtwagen?

Mogeleien überall, möchte man meinen. Auch beim Tachostand von Gebrauchtwagen wird massiv manipuliert, wie der Tüv Rheinland berichtet. Demnach hat die Trickserei weitreichende Konsequenzen. Denn es geht nicht nur um den wirtschaftlichen Wert der Fahrzeuge.

Tachobetrug entlarven: Den Kilometerstand können Kunden etwa über den Vorbesitzer überprüfen.
Tachobetrug entlarven: Den Kilometerstand können Kunden etwa über den Vorbesitzer überprüfen.

Nach Berechnungen von Polizei und Automobilclubs müssen private Käufer und Verkäufer davon ausgehen, dass bei knapp einem Drittel aller Gebrauchtfahrzeuge der Kilometerstand zurückgedreht wurde. Hersteller und Händlerverbände halten diese Zahl für zu hoch gegriffen. Und auch die Polizei räumt ein, dass es ein riesiges Dunkelfeld gibt und es schwierig sei, den Betrug nachzuweisen.

Ziel der illegalen Manipulation ist es, einen höheren Verkaufspreis für das Auto zu erzielen, wie Prof. Jürgen Brauckmann, Bereichsvorstand Tüv Rheinland, im Rahmen der Präsentation der Studie "Das Problem Tachomanipulation" feststellte. Demnach schätzten mehr als 40 Prozent der in der Studie befragten Gebrauchtwageninteressenten die Wahrscheinlichkeit einer Manipulation als groß bis sehr groß ein. Sie gehen davon aus, dass bei knapp einem Drittel aller gebrauchten Autos der Kilometerstand heimlich zurückgedreht wurde.

Haft für Tacho-Betrug

Reduzieren Betrüger bei einer Mercedes-Benz E-Klasse, Baujahr 2011, die Laufleistung um 66.000 Kilometer von 114.000 auf 48.000, bedeutet das demnach einen höheren Erlös von 5.400 Euro. Bei einem VW Polo, Baujahr 2014, schlägt eine um 36.000 Kilometer verringerte Laufleistung mit 1200 Euro Mehrgewinn zu Buche. Den jährlichen Schaden in Deutschland beziffert die Polizei auf fast sechs Milliarden Euro. Geräte zum Manipulieren des Tachostandes sind im Internet freiverkäuflich. Tacho-Betrug wird derzeit mit höchstens einem Jahr Haft bestraft.

Doch neben dem wirtschaftlichen Schaden spielen bei Tachomanipulation auch Aspekte der Verkehrssicherheit eine Rolle, wie Prof. Brauckmann betonte: "Geht ein Käufer von einem erheblich geringeren Kilometerstand des Fahrzeugs aus, fährt er möglicherweise zu spät zur Inspektion. So können Defekte oder Verschleiß etwa an Bremse und Fahrwerkskomponenten unentdeckt bleiben." Bei dem Verdacht auf Tachomanipulation, sollten sich Betroffene an einen Kfz-Sachverständigen wenden.

Automobilverbände und mit der Problematik vertraute Politiker fordern indes technische Lösungen. Etwa einen schon im Neuwagen eingebauten Chip oder eine freiwillige Datenerfassung der gesammelten Kilometerstände bei Hauptuntersuchungen, Reifenwechseln oder Pannen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen