Ratgeber

Betriebsrenten-Tarife im Vergleich : Unisex-Vorteil wird vergeigt

Betriebsrenten werden öfter von Männern als von Frauen abgeschlossen. Die Versicherer könnten das nutzen und in den neuen Unisex-Tarifen bessere Rentenleistungen anbieten. Stattdessen müssen Männer nun mehr Einschnitte hinnehmen, als Frauen dazugewinnen.

Bei alten Tarifen mit Beitragsdynamik sollten Versicherte nachfragen, ob die Renten nach altem Recht oder nach dem Unisex-Modell angepasst werden.
Bei alten Tarifen mit Beitragsdynamik sollten Versicherte nachfragen, ob die Renten nach altem Recht oder nach dem Unisex-Modell angepasst werden.

Seit Ende des letzten Jahres müssen Versicherungen Frauen und Männer gleich behandeln: In neuen Tarifen darf es keine Geschlechtsunterschiede in Preisen und Leistungen mehr geben. Verbraucherschützer sorgten sich im Vorfeld, die Versicherer würden Beiträge zwar anheben, aber nicht an anderer Stelle senken. Nun hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) eine Studie zur betrieblichen Altersvorsorge veröffentlicht, die diese Befürchtungen zumindest zum Teil bestätigt. In der Untersuchung von über 100 Direktversicherungstarifen sind die garantierten Renten der Männer im Durchschnitt um 6,23 Prozent gesunken, während die Frauen nur 3,44 Prozent mehr herausbekamen als in den alten Tarifen.

Wurden einem männlichen Versicherten beispielsweise vorher rund 320 Euro zugesagt und einer Frau 290 Euro, so bekommen beide heute 300 Euro heraus. Diese Zahlen gelten für die Garantieleistungen von klassischen Rentenversicherungen. Die Anpassung hätte womöglich anders verlaufen können, wenn die Versicherer bei der Kalkulation eine realistischere Verteilung von Männern und Frauen im Versicherungspool zugrunde gelegt hätten. Nach Berechnungen des IVFP gehen die Unternehmen im Schnitt von einem Mann-Frau-Verhältnis von 33:67 aus, so wie in der privaten Rentenversicherung. De facto haben aber mehr Männer als Frauen eine betriebliche Altersvorsorge, das Verhältnis liegt der Studie zufolge derzeit bei 54:46. Für die Versicherer ist das von Vorteil, schließlich leben Männer im Schnitt kürzer und kosten daher weniger.

Mit einer entsprechenden Tarifkalkulation könnten die Institute also höhere Betriebsrenten anbieten, so das IVFP. Dass das möglich ist, zeigen einige Versicherer, die die Umstellung auf Unisex dazu genutzt haben, die Verteilung zu optimieren. So hätten sich etwa die Continentale, HDI und die Stuttgarter verbessert. In der Gesamtwertung des Direktversicherungsvergleichs kam es allerdings nicht nur auf die Rendite an. Auch Flexibilität, Transparenz und Unternehmenssicherheit wurden bewertet. Hier landete die Europa auf dem ersten Platz, gefolgt von Allianz, Debeka, Hannoverscher und HUK-Coburg. Für Arbeitnehmer spielt das aber keine allzu große Rolle: Sie haben bei der Direktversicherung ohnehin kaum Wahlfreiheit, sondern können nur die Police wählen, die ihnen die Firma anbietet.

Quelle: n-tv.de

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