Ratgeber
Dienstag, 13. Dezember 2011

Rechtsschutzpolicen im Vergleich : Versicherer erhöhen Schutz

Hier kommt der Autor hin

Egal ob man eine Klage vorm Bundesgerichtshof anstrebt oder nur ein wenig mehr Schmerzensgeld nach einem Unfall herausholen möchte - mit einer Rechtsschutzversicherung im Rücken geht es leichter. Die Stiftung Warentest hat über 50 Tarife verglichen und stellt fest: Viele Versicherer haben ihre Leistungen aufgestockt.

Ob Miet-, Familien- oder Verkehrsrechtsschutz - die meisten Policen kann man auch einzeln abschließen
Ob Miet-, Familien- oder Verkehrsrechtsschutz - die meisten Policen kann man auch einzeln abschließen(Foto: Susann von Wolffersdorff, pixelio.de)

Ob die Deutschen ein Volk von Prozesshanseln sind, sei dahingestellt. Fakt ist: Sie sind auf jeden Fall gut vorbereitet: Fast 21 Millionen Rechtsschutzpolicen gab es 2010 in Deutschland, jährlich werden es mehr. In ihre Policen haben die Versicherten rund 3 Milliarden Euro investiert. Manchmal allerdings umsonst, denn nicht immer zahlt die Versicherung, wenn man es von ihr erwarten würde. Manche Fälle sind von Vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Immerhin gibt es inzwischen mehr Tarife mit umfassendem Schutz als früher. Das hat die Zeitschrift "Finanztest" festgestellt, in deren Januarausgabe 54 Angebote von Rechtsschutzversicherern verglichen werden. 25 Versicherungspakete waren im Test "gut", das sind deutlich mehr als im letzten Test vor zwei Jahren. Angeführt wird die Liste von einem Trio aus DAS (Tarif Premium), HDI Direkt und HDI-Gerling (jeweils Tarif Rundum Sorglos), die allesamt die Note 1,8 bekamen.

Oft tun's auch günstige Tarife

Leider ist Spitzenqualität auch ziemlich teuer, für das Paket mit Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz werden in Tarifen mit 150 Euro Selbstbeteiligung zwischen 277 Euro und 326 Euro fällig. Gerade mal 151 Euro sind es bei der Stuttgarter WGV, deren Basis-Tarif bei etwas reduziertem Leistungsumfang deutlich günstiger ist als viele Konkurrenzangebote.  

Die Unterschiede zwischen "guten" und "befriedigenden" Tarifen liegen im Detail. Sie werden etwa dann spürbar, wenn man der Entscheidung einer Finanz- oder Sozialbehörde widersprechen will. Wer beispielsweise Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen möchte und dafür die Hilfe eines Anwalts oder Steuerberater braucht, bekommt dies in den Premium-Tarifen von der Versicherung bezahlt. Standardmäßig kommt die Versicherung dagegen erst dann ins Spiel, wenn der Fall vor Gericht geht.   

Vermitteln statt klagen

Neu ist die Entwicklung, dass Versicherer zunehmend auch das Honorar von Mediatoren übernehmen. Mediatoren sollen als neutrale Vermittler eine außergerichtliche Einigung herbeiführen, mit der beide Seiten leben können. Das funktioniert nicht immer, ist aber dort zumindest denkbar, wo die Parteien noch länger miteinander auskommen müssen, etwa bei Sorgerechtsstreitigkeiten. Fast alle getesteten Tarife bieten Möglichkeiten zur Mediation, wenn auch in sehr unterschiedlichem Umfang.

Eine weitere Neuerung betrifft den Bereich der Kapitalanlagen. Streitigkeiten, etwa um Provisionen oder Falschberatung, waren vor zwei Jahren kaum versicherbar. Inzwischen stehen mehrere Anbieter auch in solchen Fällen zur Verfügung, wenn auch nur sehr eingeschränkt bei Anlagebeträgen bis zu 25.000 Euro. Höhere Streitwerte will derzeit aber kein Versicherer riskieren.

Vieles ist ausgeschlossen

Auch in anderen Bereichen halten sich Versicherer zurück, weil es für sie sonst schnell teuer werden könnte. Das gilt insbesondere für den Familienrechtsschutz, etwa Erbfälle und Scheidungen. Hier wird meist nur die Erstberatung beim Anwalt übernommen. Folgekosten zahlt die Versicherung allenfalls begrenzt – wenn überhaupt. Ein Rosenkrieg auf Versicherungsrechnung ist also nicht drin.  

Einen Bogen machen die Versicherer auch um Baustreitigkeiten, die in allen Tarifen ausgeschlossen sind. Schutzlos ist man zudem bei Streit ums Urheberrecht. Wer Ärger hat, etwa weil er Filme oder Musik von Tauschbörsen heruntergeladen hat, kann auch auf die beste Rechtsschutzpolice nicht hoffen. Auch wer mit Hilfe seiner Verkehrsrechtsschutzpolice gegen Falschpark-Knöllchen vorgehen will, hat schlechte Karten. Solche Fälle werden meistens abgelehnt.

Überhaupt machen sich offenbar viele Kunden ein falsches Bild davon, was die Versicherung überhaupt bezahlt. In der Beschwerdestatistik des Versicherungsombudsmanns liegt die Rechtsschutzversicherung auf Platz zwei, gleich hinter der Lebensversicherung. "Jeder Kunde sollte sich deshalb schon vorher schlau machen, ob die gewünschten Fälle tatsächlich versichert sind", empfiehlt Finanztest. Im Zweifel sollte einem der Versicherungsvertreter weiterhelfen können. 

So drückt man die Kosten

Wer nicht das komplette Paket aus Berufs,-, Privat-, Verkehrs- und eventuell noch Mietrechtsschutz braucht, kann auch einzelne Policen abschließen. Die Einzelbausteine sind meist für weniger als 100 Euro im Jahr  zu haben. Berufs- und Privatrechtsschutz gibt es in der Regel aber nur als Doppel. Am besten man zahlt die Beiträge jährlich, Monatsraten sind bis zu 20 Euro im Jahr teurer. Außerdem ist eine Selbstbeteiligung von 150 Euro. Im Finanztest-Vergleich sinken die Prämien dadurch um rund 100 Euro im Jahr. Wenn es nur um die anwaltliche Erstberatung geht, verzichten viele Anbieter auch auf die Selbstbeteiligung.

Apropos Erstberatung: Manchmal kann man sich den Gang zum Anwalt auch komplett sparen. Fast alle Versicherer haben inzwischen Rechtsschutz-Hotlines eingerichtet, über die sich Kunden telefonischen Rat holen können. Die Versicherten schildern ihr Anliegen und werden dann mit einem Partneranwalt der Versicherung verbunden. Das Gute: In der Regel können auch Fragen in Rechtsgebieten gestellt werden, die nicht versichert sind. Die Beratung am Telefon hat natürlich enge Grenzen: Standardfragen lassen sich schnell beantworten, doch in individuellen Fällen ist rechtssicherer Rat erst möglich, wenn der Anwalt auch Unterlagen gesehen hat. Dann führt der Weg doch noch in die Kanzlei. 

Rechtsschutzversicherer im Vergleich

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen