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Die Schulden des anderen: Wann Ehepartner haften

Alexander Klement

Mitgegangen, mitgehangen – das glauben zumindest viele, wenn es um die Schulden in der Ehe geht. Nach der Hochzeit wird alles geteilt. Auch die Schulden. Die Realität könnte jedoch ganz anders aussehen, wenn man nur ein bisschen aufpasst.

Die Ehe bedeutet nicht gleichzeitig die Aufgabe der eigenen Person.
Die Ehe bedeutet nicht gleichzeitig die Aufgabe der eigenen Person.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Schulden gehören erst einmal nur dem, der sie macht. Ehepartner haften nicht zwangsläufig füreinander. Dabei ist es unerheblich, ob man sich in der Ehe für Gütertrennung oder die Zugewinngemeinschaft entschieden hat.

Verschuldet sich ein Ehepartner, muss er auch für seine Schulden alleine grade stehen. Doch in der Realität versuchen die Banken den Ehepartner gleich beim Kreditabschluss mit in die Gefangenschaft zu nehmen. Auf Sätze wie, "da bräuchten wir nur noch die Unterschrift Ihrer Frau" und umgekehrt sollte man gar nicht erst eingehen. Auch eine Bürgschaft ist für die Bank ein Blankoscheck, beim Partner im Ernstfall abzukassieren.

Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn sich einer der beiden Partner selbständig macht und hierfür einen Kredit aufnimmt. Die Unterschrift der besseren Hälfte hat auf diesen Verträgen nichts zu suchen.

Girokontoführung mit Tücken

Etwas anders sieht es aus, wenn man ein gemeinschaftliches Girokonto führt. Sind beide Ehegatten Kontoinhaber, sind auch beide für die sich dort auftürmenden Schulden verantwortlich – unabhängig davon, wer tatsächlich die Schulden verursacht hat. Dies kann man umgehen, indem man für beide Partner ein separates Girokonto führt, und dem jeweils anderen nur eine Vollmacht erteilt. Geht die Ehe in die Brüche, sollte man die Vollmacht allerdings schleunigst zurückziehen, damit sich der Partner auf dem Konto nicht einfach bedienen kann.

Schulden des Partners können allerdings nicht nur zu Lebzeiten für den anderen ein Problem darstellen. Verstirbt der Ehegatte oder die Ehegattin, erbt der Hinterbliebene nicht nur das Guthaben, sondern auch die Schulden. Wenn dem überlebenden Partner schon vorher klar ist, dass die angehäuften Schulden höher sind als das Vermögen, kann er das Erbe ausschlagen. Dazu hat er sechs Wochen ab Kenntnis der Erbschaft Zeit. Allerdings haftet der Hinterbliebene nicht mit dem eigenen Vermögen für die Schulden des Verstorbenen. Die Haftung kann auf den Nachlass beschränkt werden. Das nützt in der Regel wenig, wenn zum Beispiel eine Immobilie auf beide Eheleute im Grundbruch eingetragen ist. Oft reicht dann das Vermögen des Hinterbliebenen nicht aus, um die ideelle Hälfte des Verstorbenen vor der Schuldenverwertung zu bewahren.

Neue Regelung bei Scheidung

Auch im Scheidungsfall spielen Schulden eine Rolle. Allerdings hat der Gesetzgeber hier die Lage seit Herbst des vergangenen Jahres entschärft. Zuvor wurde bei einer Scheidung innerhalb einer Zugewinngemeinschaft das Vermögen geteilt, das während der Ehe zum jeweiligen Anfangsvermögen erwirtschaftet wurde. Hatte ein Partner vor der Eheschließung Schulden, wurde sein Anfangsvermögen mit Null angesetzt. Geld, das während der Ehe in die Schuldentilgung floss, wurde nicht beim Zugewinnausgleich berücksichtigt, was für den nicht verschuldeten Ehepartner einen klaren Nachteil darstellt. Jetzt lässt der Gesetzgeber auch ein negatives Anfangsvermögen zu. Werden also während der Ehe 100.000 Euro erwirtschaftet, werden diese unter beiden Ehepartner im Scheidungsfall gleich aufgeteilt – unabhängig davon, ob sie zur Schuldentilgung eingesetzt wurden oder als Guthaben existieren.

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Quelle: n-tv.de

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