Ratgeber
Donnerstag, 28. Mai 2015

Banken heben Preise an: War es das mit kostenlosen Girokonten?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Jeder EU-Bürger hat ein gesetzlich verbrieftes Recht auf ein Girokonto. Was dieses Konto kosten darf, ist hingegen nicht definiert. Kunden müssen daher selbst nach dem passenden Produkt suchen. Was beim Vergleich zu beachten ist.

Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen.
Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen.(Foto: dpa)

Die Suche nach dem perfekten Girokonto erinnert ein bisschen an die Suche nach dem perfekten Partner. Sie ist aussichtslos, wenn man das optimale Produkt für jedermann finden möchte – aber durchaus erfolgversprechend, wenn man weiß, was man will, einen gewissen Aufwand nicht scheut und zu Kompromissen bereit ist.

Sinnvoll ist es auch, die eigenen Vorlieben und Präferenzen von Anfang an klarzumachen. Zudem sollte sich niemand von wohlklingenden Werbeversprechen blenden – oder, wenn es ums Konto geht – von Prämien der Banken beeinflussen lassen. Diese sollten das i-Tüpfelchen auf der Entscheidung sein. Im Girokontovergleich der FMH-Finanzberatung sind sie natürlich trotzdem enthalten.  Insgesamt aber empfiehlt es sich, die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten auf Basis belastbarer Fakten zu fällen. Schließlich soll die (Konto)-Verbindung möglichst lange halten. Einige Banken bieten inzwischen zwar wirklich gute Kontoumzugsservices an – gewisse Reibungsverluste bei einem Wechsel sind in der Regel aber nicht zu vermeiden.

Die eigenen Wünsche definieren

Bevor sie sich für den einen oder anderen Anbieter entscheiden, sollten Kunden ihre Bedürfnisse kurz analysieren und sich ihr Verhalten in der Vergangenheit bewusst machen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Sind Sie Traditionalist und wickeln Geldgeschäfte gerne direkt in der Filiale ab? Verwenden Sie lieber klassische Überweisungsträger und lassen sich Bargeld vom Schalter-Angestellten gleich in der gewünschten Stückelung auszahlen? Dann brauchen Sie ein anderes Konto als Kunden, die ihre Bankgeschäfte am liebsten vom PC, Tablet oder Smartphone aus erledigen.

Vielleicht ist es Ihnen auch besonders wichtig, die Kosten gering zu halten – auch und gerade, wenn es auf dem Konto mal nicht so gut aussieht? Dann sollten Sie sich um ein kostenloses Girokonto mit möglichst niedrigen Dispozinsen bemühen. Oder versorgen Sie sich gerne und oft am nächstbesten Geldautomaten mit Bargeld? Und das sogar weltweit? Dann sollten Sie bei der Wahl der Bank auch auf ein großes Verbundnetz oder die Möglichkeit zum kostenlosen Abheben achten.

Eine nennenswerte Guthabenverzinsung dürfte in nächster Zeit hingegen weniger ausschlaggebend sein, weil es nicht selten attraktivere Tagesgeldangebote geben wird.

Banken heben die Preise an

Kostenlose Angebote werden jedoch immer seltener. Banken gehen zunehmend dazu über, sich ihre Dienstleistungen vergüten zu lassen. Besonders beliebt: Gebühren für "beleghafte Überweisungen" per klassischem Überweisungsträger.

Die Postbank wurde vor einigen Wochen noch an den Pranger gestellt, weil sie 1,90 Euro dafür haben will. Inzwischen scheint es, als hätten sich Kunden und Verbraucherschützer an diese Praxis gewöhnt. Dass die comdirect bank inzwischen die gleiche Summe verlangt, ist keine Meldung mehr wert. Und selbst die Tatsache, dass die Wüstenrotbank ab Juni satte drei Euro für eine einfache Überweisung fordert, interessiert nur noch am Rande.

Potenzielle Aufreger gibt es trotzdem genug und sind oft auch sehr augenscheinlich und leicht vergleichbar. Kontoführungsgebühren etwa. Oder die Dispozinsen. Sie sind vielfach unerfreulich hoch. Vergleichen lohnt sich hier zumindest für all jene, denen ab und zu die nötigen Barmittel fehlen: Nach einer Erhebung der FMH-Finanzberatung nimmt zwar nur jeder 6.Kontoinhaber gelegentlich einen Dispo in Anspruch. Der durchschnittliche Dispobetrag liegt bei gerade einmal 1.100 Euro. Wer, wie das Gros der Kunden, nur selten oder nie in den Dispo rutscht, kann die Dispozinsen daher erst einmal vernachlässigen.

Systematischer Vergleich

Kunden, die das perfekte Girokonto- für sich finden wollen, können dazu den Giro-Konto-Vergleich der FMH-Finanzberatung nutzen. Er fußt auf einer Datenbank, die alle wichtigen Kosten und Bedingungen berücksichtigt, um einen möglichst umfassenden Vergleich abzubilden und die Unterschiede in Eurobeträge umzurechnen.

Kunden, die ihre eigenen Bedürfnisse kennen, erhalten so eine gute Orientierung für die Wahl der passenden Konto-Verbindung. Wichtig: Der Vergleich schließt keinen Anbieter aus, sondern errechnet anhand des angegebenen Nutzungsverhaltens das am besten geeignete Girokonto. Wer etwa weiß, dass er keine beleghaften Überweisungen vornehmen wird, sondern ausschließlich Online-Banking betreibt, für den wären selbst die drei Euro Bearbeitungsgebühr der Wüstenrot kein Problem.

Quelle: n-tv.de

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