Ratgeber

Überschussbeteiligungen purzeln: War's das, Lebensversicherung?

Von Axel Witte

Sinkende Überschussbeteiligungen, fallende Garantie- und Gesamtverzinsung - miese Nachrichten für die Altersvorsorge von Millionen Menschen. Und es wird nicht besser. Es sei denn, die Versicherer ändern ihre Anlagepolitik.

Verbraucherschützer mahnen seit Langem. Sie halten die klassische Form der kapitalbildenden Lebensversicherung als reine Sparanlage für ungeeignet. Zum einem, da nicht der volle Anteil der Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern eben auch in den Hinterbliebenenschutz. Zum anderem, weil hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen die Rendite schmälern. Nach Zahlen der Ratingagentur Assekurata wirft eine Lebensversicherung im Schnitt 0,92 Prozent garantierte Rendite ab. Bei jedem sechsten Versicherer sind es sogar nur 0,47 Prozent. Etwaige erwirtschaftete Überschüsse, die zu einer deutlich höheren Gesamtverzinsung der Policen führen können, sind natürlich weiterhin möglich, aber eben nicht garantiert.

Die Versicher verweisen an dieser Stelle reflexartig auf die vergleichsweise hohen Renditen, die sie in den vergangenen Jahrzehnten für ihre Kunden erwirtschaften konnten. Aber das ist relativ. Erzielten doch schon Anlagen im sicheren festverzinslichen Bereich in den letzten 40 Jahren eine jährliche Wertentwicklung von rund 5,5 Prozent. Die Konzerne konnten durch Anlage in solche Papiere ohne viel Zutun ihren Verpflichtungen nachkommen und nebenbei an den Verträgen prächtig verdienen.

Doch nun ächzt die Branche unter den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Und beklagt, nicht zu wissen, wie sie die einst gegebenen Garantie über die versprochene Leistung erbringen soll. Doch der Hilferuf der Branche wurde erhört.

Stabilisierung zulasten der Kunden

Mit Inkrafttreten des Reformpakets zur Stabilisierung der Lebensversicherer wurde nicht nur die Garantieverzinsung zum Jahresbeginn erneut gesenkt (von 1,75 auf 1,25 Prozent), sondern auch die Beteiligung an den Bewertungsreserven geändert. Diese entstehen, wenn der Wert einer Anlage des Versicherers, die dieser mit Kundengeldern erworben hat, über den Anschaffungspreis hinaus steigt. Bislang mussten Versicherungskonzerne ihre Kunden mit 50 Prozent an diesen Buchwertgewinnen beteiligen. Um die Lebensversicherer in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu entlasten, müssen die Reserven aus festverzinslichen Anlagen seit Inkrafttreten der Reform – dem 7. August 2014 – nicht berücksichtigt werden.

Kunden, deren Police nun ausgezahlt wird, bekommen von den Reserven kaum noch etwas ab. Dies kann leicht einige Tausend Euro pro Vertrag ausmachen, denn die Konzerne haben in den letzten Jahren ihre Kundengelder vor allem in festverzinsliche Papiere angelegt. Und dies ohne Not. Dürfen sie doch bis zu 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anlegen. Dazu gehören Aktien und Immobilien. Hier sind die Gesellschaften nach aktuellen Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft jedoch nur zu 3,4 bzw. 3,9 Prozent investiert. Bekanntermaßen konnten Anleger besonders mit diesen beiden Anlageformen in den letzten Jahren punkten. So aber wurden auf Kosten der Kunden die Versicherer entlastet und die Versäumnisse der Konzerne verschleiert. Bei einer geeigneten Diversifikation der Kundengelder wäre der Blick auf die Abrechnung der privaten Altersvorsorge weniger sorgenvoll.

Denn auch in diesem Jahr werfen Kapitallebensversicherungen weniger Rendite ab. Aus den genannten Gründen sinken die Überschussbeteiligungen, welche die Versicherer neben der Garantieverzinsung an ihre Versicherten ausschütten. So beträgt die laufende Verzinsung für das Jahr 2015 im Schnitt nur noch 3,2 Prozent. Was auf den ersten Blick  auf das aktuelle Zinsniveau als gute Rendite erscheint, ist für eine langfristige Geldanlage viel zu wenig. Ungeachtet dessen behalten höhere Garantieversprechen aus Alt-Verträgen ihre Gültigkeit. Sparer sind denn auch gut beraten, an diesen steuerbegünstigten Verträgen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent festhalten.

Für die Versicherungsbranche ist allerdings ein Umdenken erforderlich. Denn auch wenn das Geschäftsmodell ohne viel Zutun jahrzehntelang hervorragend funktionierte hat, hat sich das Umfeld für die Anlagepolitik der Konzerne deutlich geändert. Es ist an den Versicherern, ihr teuer bezahltes Finanz-Know-How in dem vorgegebenen gesetzlichen Rahmen zu nutzen und das ihnen zur Verfügung gestellte Kapital für ihre Kunden chancenträchtiger anzulegen.

Laufende Verzinsung für das Jahr 2015

GesellschaftLaufende Verzinsung 2015 in ProzentVerzinsung 2014 in ProzentVeränderung in Prozent-Punkten
Allianz3,403,60- 0,20
AachenMünchener3,253,50- 0,25
Alte Leipziger3,053,35- 0,30
Axa3,403,40  0,00
Debeka3,403,60- 0,20
Ergo2,703,20- 0,50
HUK-Coburg3,253,50- 0,25
Nürnberger3,503,75- 0,25
Württembergische3,003,25- 0,00
R+V3,203,40 -0,20
Zurich Deutscher Herold2,803,00- 0,20

Quelle: n-tv.de

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