Ratgeber

Hilfe, der Neubau schimmelt!: Was Bauherren tun können

Früher gab es für Baustellen Winterpause. Heute wird gemauert und gespachtelt, so lange es geht, kältetaugliche Baumaterialien machen's möglich. Bauherren, die sich darauf einlassen, gehen allerdings ein Risiko ein: Im Winter hat es der Schimmel besonders leicht.

Großflächiger Schimmel ist ein Fall für Fachleute. Bei weniger als 50 Zentimeter Durchmesser kann man ihm oft auch selbst zu Leibe rücken.
Großflächiger Schimmel ist ein Fall für Fachleute. Bei weniger als 50 Zentimeter Durchmesser kann man ihm oft auch selbst zu Leibe rücken.(Foto: VPB)

Die Freude am neuen Eigenheim währt manchmal nur kurz: Rund jeder zweite Neubau bekommt nach Informationen des Verbands privater Bauherren (VPB) nachträglich Schimmelprobleme. Ein Grund für diese Entwicklung: Anders als früher wird heute auch im Winter gebaut, obwohl das nicht unbedingt vernünftig ist.

"Schlüsselfertiganbieter müssen Zeitpläne erfüllen, Bauherren drängen beim Architekten auf schnellen Einzug, egal, wie das Wetter ist", so die Erfahrung des VPB. Noch vor einigen Jahren war Winterschlaf für Baustellen Pflicht, denn die Baumaterialien ließen sich bei Kälte nicht verarbeiten. Bei modernen Baustoffen ist das anders, sie funktionieren auch bei Temperaturen um die fünf Grad noch, kritisch kann es dann aber bei nächtlichem Frost werden.  

Das Hauptproblem auf Winterbaustellen ist die Feuchtigkeit. Die entsteht zwangsläufig beim Aufmauern und Verputzen der Innenwände und wenn Estrich aufgebracht wird. Los wird man sie nur mit konsequentem Heizen und Lüften. Kritisch wird es, wenn das Dach noch unausgebaut und nicht gedämmt ist. "Das Problem beobachten wir fast überall im Winter", schildert VPB-Präsident Thomas Penningh. Im Erdgeschoss und im ersten Stock werde geheizt, während die Dampfbremse im Bereich der Bodeneinschubtreppe und an Öffnungen für Installationen zum Dachgeschoss sperrangelweit offen stehe. "Das ist bauphysikalisch fatal, denn die Feuchtigkeit aus dem unteren Bereich zieht wie in einem Kamin nach oben und schlägt sich dort an den kühlen Bauteilen wie zum Beispiel Dachsparren nieder", so Penningh.

Baufirma muss haften

Schimmel ist da fast vorprogrammiert und wenn es ganz schlimm kommt, müssen am Ende sogar Balken ausgetauscht werden. Solcher  Ärger lässt sich recht einfach vermeiden, wenn alle Öffnungen zum unausgebauten Dach vor dem Ausbau luftdicht geschlossen werden. Die Feuchte aus Putz und Estrich kann dann nicht ins Dach ziehen, sondern müsste über die Fenster entweichen - vorausgesetzt, diese stehen ausreichend offen. Doch auch das ist auf Baustellen nicht immer gewährleistet.

Kommt der Schimmel dann doch, muss der Bauunternehmer haften. Manche Firmen versuchen allerdings, die Verantwortung für die Trocknung der Baustelle auf den Bauherrn abzuwälzen, moniert Penningh. Bei einigen Schlüsselfertiganbietern steht das so in den der Allgemeinen Geschäftsbedingungen.  Die Bauherren-Vertreter halten derlei Klauseln aber für ungültig, schließlich liefen sie auf einen Haftungsausschluss für Mängel hinaus, wie Penningh betont: "Der Bauunternehmer muss ein mängelfreies Haus erstellen. Und wenn bei der Bauabnahme bereits zu viel Feuchte im Bau ist und sich daraus Schimmel bilden kann, dann ist das ein Mangel, den der Käufer nicht akzeptieren muss."

Sachverständiger hilft

Damit es gar nicht zu solchen Streitigkeiten kommt, sollten Häuslebauer der Bauvertrag möglichst von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen lassen, um problematische Vertragspassagen aufzuspüren. Darüber hinaus kann der Sachverständige auch den Baufortschritt kontrollieren, damit beispielsweise die fehlende Luke zum Dachboden rechtzeitig geschlossen und das Haus gründlich trocken geheizt wird.

Wenn es dafür schon zu spät ist und der Schimmel im Haus wütet, sollte man ihm so schnell wie möglich den Garaus machen. Sofern der Schimmel nur oberflächlich ist, lässt er sich oft mit hochprozentigem Alkohol abwischen, manchmal sind aber auch umfangreichere Sanierungsarbeiten nötig. Um dem Schimmel künftig den Nährboden zu entziehen, muss das Haus gründlich getrocknet werden. Weil die Feuchtigkeit nur von der Wärme in die Kälte transportiert wird, muss das Haus zunächst beheizt werden, dann wird durchgelüftet. Je größer der Temperaturunterschied zwischen innen und außen ist, desto besser funktioniert die Trocknung. Das Ganze ist allerdings nicht mit einem Mal Durchlüften erledigt. Ein ganzes Haus zu trocknen, kann ein paar Wochen dauern.      

Quelle: n-tv.de

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