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Gekappte Solarförderung : Was Hausbesitzer jetzt erwartet

Jahrelang galt die Solaranlage auf dem Dach als lohnende Investition. Damit ist nun Schluss, denn mit der nun beschlossenen Kürzung der Einspeisevergütung dürften die Renditen deutlich sinken. Für alle, die ihre Anlage schon in Auftrag gegeben haben, gibt es aber noch Hoffnung.

Für überhastete Entscheidungen bleibt keine Zeit, eine Solaranlage plant man schließlich nicht in einer Woche.
Für überhastete Entscheidungen bleibt keine Zeit, eine Solaranlage plant man schließlich nicht in einer Woche.(Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de)

Was seit Wochen diskutiert wurde, ist nun Gewissheit: Für Sonnenstrom vom Hausdach gibt es künftig deutlich weniger Geld. Das Bundeskabinett hat eine Kürzung der milliardenschweren Solarförderung um bis zu 30 Prozent beschlossen. Für die meisten Hausbesitzer dürfte es zu spät sein, jetzt noch zu handeln.

Ab wann gilt die Neuregelung?

Um spontane Schlusskäufe zu verhindern, soll die Neuregelung schon zum 9. März greifen. Anlagen, die ab diesem Termin in Betrieb gehen, fallen unter die neuen Förderbedingungen. Das betroffene Handwerk läuft allerdings Sturm gegen diesen abrupten Einschnitt. Auch in den Koalitionsfraktionen wird eine Vertrauensschutzregelung gefordert. Für Vorhaben, die schon länger geplant sind, könnte daher noch eine Übergangsregelung geben kommen. Im Gespräch ist eine Frist bis April oder Mai.

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Entscheidend ist übrigens nur, dass die Anlage zum Stichtag Strom produziert. Unerheblich ist, ob sie schon ans öffentliche Netz angeschlossen ist.

Was genau wurde beschlossen?

Das Ausmaß der Kürzungen steht fest: Die Förderung wird um 20 bis 30 Prozent sinken. Um wieviel genau, hängt von der Größe der Anlage ab. Für die typische Einfamilienhaus-Dachanlage mit bis zu 10 Kilowatt (kW) Spitzenleistung gibt es nur noch 19,5 Cent pro eingespeister Kilowattstunde. Bislang sind es 24,43 Cent. Größere Anlagen mit bis zu 100 Kilowatt trifft es am stärksten. Erhalten die Betreiber bestehender Anlagen bis dato wenigstens 23,32 Cent, gibt es für Neuinvestoren nur noch 16,50 Cent.

So sollte die Einspeisevergütung sinken

Inbetriebnahme

bis 10 kW

bis 100 kW

bis 1000 kW

bis 10 mW

ab 1.1.2012

24,43 Cent

23,32 Cent

21,98 Cent

18,33 Cent

ab 9.3.2012

19,50 Cent

16,50 Cent

16,50 Cent

13,50 Cent

Monatliche Degression um 0,15 Cent

ab 1.5.2012

19,35 Cent

16,35 Cent

16,35 Cent

13,35 Cent

ab 1.1.2013

18,15 Cent

15,15 Cent

15,15 Cent

12,15 Cent

ab 1.1. 2014

16,65 Cent

13,35 Cent

10,35 Cent

10,35 Cent

Ab Mai geht es dann weiter abwärts, denn auch eine Degression wurde beschlossen: In jedem Monat schrumpft die Vergütung für Neuanlagen – egal in welcher Größenklasse – um weitere 0,15 Cent. Für eine 10 kW-Anlage, die im kommenden September in Betrieb geht, gibt es beispielsweise 18,75 Cent pro Kilowattstunde. Ab Januar 2014 sind es nur noch 16,65 Cent.

Was ist mit dem Eigenverbrauch?

Auch für selbstverbrauchten Strom bekommen die Produzenten Geld. Bei Kleinanlagen sind es derzeit 8,05 Cent bis 12,43 Cent pro Kilowattstunde. Diese Förderung soll bei Neuinstallationen komplett wegfallen. Dennoch sollte man so viel Strom wie möglich selbst verbrauchen. Die Netzbetreiber müssen nämlich nur noch 85 Prozent des erzeugten Stroms vergüten, bei Anlagen über 10 kW sind es 90 Prozent. Angesichts steigender Strompreise dürfte es für die meisten Solaranlagen-Besitzer aber ohnehin günstiger sein, den eigenen Strom nicht einzuspeisen, sondern selbst zu verbrauchen. 

Lohnt sich die Solaranlage überhaupt noch?

Für alle, die schon eine haben: ja, denn für sie ändert sich nichts. Neu-Investoren dürften aber nur noch magere Renditen einfahren, sofern die Anlagenpreise nicht nochmal deutlich sinken, so die Stiftung Warentest, die auf test.de einen umfassenden Renditenvergleich veröffentlicht hat.

Eine Beispielrechnung macht den Unterschied deutlich Angenommen werden Anschaffungskosten von  2.200 Euro pro Kilowatt Leistung, ein  Stromertrag von 900 Kilowattstunden im Jahr und 20 Prozent Eigenverbrauch. Geht die Anlage vor dem 8. März in Betrieb, liegt die Rendite nach Warentest-Berechnungen bei 6,73 Prozent. Danach sind es nur noch 3,37 Prozent – gerade mal die Hälfte.

Bei günstigeren Anlagen sind die Unterschiede nicht ganz so drastisch. Sind die Voraussetzungen allerdings schlechter, etwa weil die Anlage in der Anschaffung teurer ist oder weniger Strom produziert, kann die Rendite noch deutlich dürftiger ausfallen. Hausbesitzer, die eine Anlage zum großen Teil auf Kredit finanzieren, sollten genau rechnen, damit sie keine Verluste riskieren.

Wie deutlich der Renditeknick letztlich ausfällt, hängt davon ab, wie sich die Preise für Photovoltaik-Anlagen weiter entwickeln. Die Stiftung Warentest empfiehlt Solarstrom-Interessenten, sich in Ruhe nach günstigen Angeboten umzusehen. Im Zweifel könne es sich lohnen, etwas abzuwarten.

Quelle: n-tv.de

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