KartenpanneWas Kunden wissen müssen
Kein Geld am Automaten und nicht einmal die Kartenzahlung funktioniert – in Folge einer Softwarepanne saßen in den letzten Tagen Millionen von Bankkunden auf dem Trockenen. Inzwischen spucken Geldautomaten wieder Bares aus - zumindest in Deutschland. Im Handel gibt es aber immer noch Probleme. Hier alle wichtigen Infos.
Kein Geld am Automaten und nicht einmal die Kartenzahlung funktioniert – bei Millionen von Bankkunden war der Ärger in den letzten Tagen groß. Schuld an der Misere ist ein fehlerhaft programmierter Mikrochip: Die Software kann die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten. Inzwischen ist das Problem zum Teil durch Softwareupdates behoben, um einen teuren Kartenaustausch hoffen die betreffenden Institute herumzukommen. Hier die wichtigsten Informationen zur Kartenpanne.
Wer ist betroffen?
Vor allem Sparkassenkunden. Hier sind über 20 Millionen Girokarten (so heißen jetzt die früheren EC-Karten) und rund 3,5 Millionen Kreditkarten mit dem fraglichen Chip ausgestattet. Auf der sicheren Seite sind Sparkassenkunden mit neueren Karten: Girokarten, die ab Juli 2009 ausgestellt wurden und Kreditkarten, die erst seit März 2009 laufen, funktionieren auf jeden Fall. Bei allen anderen kommt es auf den Einzelfall an.
Bei den Volks- und Raiffeisenbanken trifft es 4 Millionen Girokarten, die Kreditkarten funktionieren aber reibungslos. Bei privaten Banken haben vor allem Postbank und Commerzbank Probleme, hier sind 2,5 Millionen Zahlungskarten beeinträchtigt. Insgesamt ist gut ein Viertel der umlaufenden 120 Millionen Giro- und Kreditkarten betroffen.
Funktioniert das Geldabheben am Automaten wieder?
In den meisten Fällen: ja. Die Commerzbank hat am Dienstag eingeräumt, dass es an einzelnen Automaten noch Probleme geben könnte. In solchen Fällen sollte man es an einem anderen Automaten versuchen. Von der Störung waren nämlich nur Automaten betroffen, die schon mit dem höheren EMV-Sicherheitsstandard ausgestattet sind, der erst ab 2011 Pflicht ist. Die betroffenen Automaten wurden nun so umprogrammiert, dass sie die Informationen nicht aus dem Chip, sondern aus dem Magnetstreifen ziehen.
Erstattet die Bank entstandene Gebühren?
"Wenn die Automaten des eigenen Instituts nicht funktionieren, handelt es sich um eine Vertragsverletzung", sagte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber n-tv.de. "Wenn ein Onlinebanking-Kunde deshalb am Schalter abheben muss, können ihm dafür keine Gebühren berechnet werden." Auch Verbraucherschutzmministerin Ilse Aigner hat in diesem Sinne an die Banken appelliert. Bleibt abzuwarten, ob sich die Institute daran halten. Wenn nicht, müssten sich die Kunden das Geld über den Rechtsweg zurückholen. "Der Aufwand dafür ist jedoch sehr hoch im Verhältnis zum Streitwert", so Finanzjurist Feck.
Schwierig könnte es werden, Gebühren zurückzuholen, die beim Abheben an einem fremden Automaten entstanden sind. Das dürfte nur möglich sein, wenn man nachweisen kann, dass kein funktionierender Automat des eigenen Geldautomatenverbundes fußläufig zu erreichen war. Also: Alles genau dokumentieren.
Wie sieht es beim bargeldlosen Zahlungsverkehr aus?
Karten, die am Geldautomaten nicht funktionierten, machen oft auch beim Bezahlen Probleme. "Bis Anfang nächster Woche sollen aber alle Händlerterminals wieder funktionieren", verspricht Stefan Marotzke vom Zentralen Kreditausschuss (ZKA). Bis es so weit ist, sollten Kunden besser ausreichend Bargeld bei sich führen, um sich Ärger zu ersparen. Ansonsten ist man auf pragmatische Lösungen und die Kulanz des Händlers angewiesen. Streikt die Karte zum Beispiel an der Tankstelle, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Personalausweis als Pfand zu hinterlassen und Bargeld zu besorgen.
Kann ich meine Karten im Ausland nutzen?
Während die deutschen Geldautomaten inzwischen weitgehend wieder funktionieren, gibt es in "weiten Teilen des Auslands weiterhin Einschränkungen mit den fraglichen EC- und Kreditkarten", meldet der Deutsche Sparkassen und Giroverband (DSGV). Insbesondere in den fünf großen Urlaubsländern Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien arbeitet man fieberhaft daran, dass die Karten schnell wieder angenommen werden.
"Wenn der erste Abhebe-Versuch erfolglos bleibt, sollte es auf jeden Fall auch an anderen Automaten probieren", rät Marotzke. Denn auch im Ausland seien nicht alle AUtomaten betroffen. Verweigern sich alle verfügbaren Automaten, bleibt nur der Gang zum Bankschalter. "Wer jetzt in den Urlaub fährt, sollte sich etwas mehr Bargeld als üblich mitnehmen", empfiehlt Stefan Marotzke. Auch die inzwischen aus der Mode gekommenen Reiseschecks können jetzt eine Renaissance erleben.
Reisende außerhalb der Europäischen Union dürften mit ihren Karten keine Probleme haben, weil in der Regel nicht der Chip, sondern der Magnetstreifen ausgelesen wird. Das gilt insbesondere für die USA.
Müssen die Karten ausgetauscht werden?
BankgebührenIm Moment konzentrieren sich alle Anstrengungen darauf, die Probleme mit den falsch programmierten Mikrochips über ein Software-Update zu lösen. "Sollte sich herausstellen, dass das so einfach nicht geht, werden die Kunden angeschrieben und gebeten, die alte Karte abzugeben und sich eine neue zu holen", sagte Wolfram Morales vom Ostdeutschen Sparkassenverband dem Sender MDR Info. Das dürfte teuer werden für die Banken und Sparkassen: Ein Umtausch kostet fünf bis zehn Euro pro Karte. An die Kunden dürfen diese Kosten aber nicht weitergegeben werden.