Ratgeber

Das P-Konto: Was bei Pfändung wichtig ist

Wer zu viele Schulden hat, braucht seit dem 1. Januar ein Pfändungsschutzkonto. Denn ohne ein solches P-Konto können Guthaben nicht mehr vor Gläubigern geschützt werden. Auf einem normalen Girokonto ist kein Pfändungsschutz mehr möglich.

Verbraucher, die von einer Pfändung bedroht sind, sollten die Umwandlung ihres Kontos in ein P-Konto beantragen. (Foto: Franziska Koark)
Verbraucher, die von einer Pfändung bedroht sind, sollten die Umwandlung ihres Kontos in ein P-Konto beantragen. (Foto: Franziska Koark)

Für überschuldete Verbraucher ist seit dem 1. Januar 2012 einiges anders. Guthaben auf ihrem Konto ist nur noch vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, wenn sie ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) haben. Denn auf Girokonten haben Gläubiger nun wieder Zugriff. Vollstreckungsschutz auf einem normalen Konto gibt es nicht mehr.

Für Verbraucher, die ihr Konto nicht rechtzeitig in ein P-Konto umgewandelt haben, könnte das ein böses Erwachen geben. Wer bereits eine Pfändung, aber kein entsprechendes Konto habe, bekomme Probleme, erklärt Friedrich Preußler vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Denn sein Geld sei nun weg.

Einigen Kontoinhabern dürfte die Gesetzesänderung tatsächlich entgangen sein. Die Kreditinstitute waren zwar laut Ministerium gesetzlich dazu verpflichtet, darüber schriftlich zu informieren. Doch in der Praxis sei dies über den Kontoauszug erfolgt. Das sei nicht der beste Weg gewesen, kritisiert Werner Sanio, Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Kassel. Denn nur wenige lesen das Kleingedruckte auf ihrem Kontoauszug.

1028,89 Euro je Monat geschützt

Zum Ende des dritten Quartals 2011 hatten laut Schufa rund 475.000 Menschen ein Pfändungsschutzkonto. Auf diesem Konto ist ein Betrag von 1028,89 Euro je Kalendermonat geschützt. Dieser Basispfändungsschutz kann erhöht werden, etwa weil Unterhaltszahlungen geleistet werden. Notwendig sind dafür aber entsprechende Bescheinigungen. Doch die Schuldnerberatungsstellen, die solche Bescheinigungen ausstellen, sind überlaufen, sagt Sanio. "Das wird eine Zusatzbelastung bringen."

Auch einen Verrechnungsschutz für Sozialleistungen und Kindergeld gibt es auf normalen Konten nicht mehr. Bisher konnten diese Gelder innerhalb von 14 Tagen vom normalen Girokonto abgehoben werden. Nun sind sie nicht mehr zwei Wochen lang vor einem Zugriff der Gläubiger sicher. "Diese Gelder werden wie Geld allgemein behandelt und können deswegen ganz normal gepfändet werden", sagt Preußler. Sicher sind Sozialleistungen und Kindergeld nun nur noch auf dem Pfändungsschutz-Konto. Das betrifft auch Sozialleistungen, die erst Ende Dezember überwiesen wurden.

Gebühren sind deutlich höher

Probleme bereiten weiterhin die Gebühren für ein P-Konto. Die sind im Einzelfall noch immer deutlich höher als für ein normales Konto. Seit Einführung des P-Kontos kritisieren Verbraucherschützer, dass damit ausgerechnet die Leute getroffen werden, die ohnehin kein Geld haben. Das Bundesjustizministerium weist zudem darauf hin, dass zusätzliche Entgelte zu den üblichen Kontoführungsgebühren unzulässig sind.

Auch dürfen keine Leistungen wie Lastschriften oder Onlinebanking gekürzt werden, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Internet. Denn teilweise falle diese Funktion bei der Umwandlung des Girokontos in ein P-Konto weg, erläutert Preußler.

Doch es gab auch einen Lichtblick nach der Einführung des P-Kontos. "Das 'Monatsanfangsproblem' hat sich erledigt", erklärt Sanio. Weil das Gesetz zunächst nicht eindeutig formuliert war, gab es technisch-juristische Probleme: Sozialleistungen, Arbeitslosengeld oder das Gehalt landen oft erst am Ende eines Monats für den nächsten Monat auf den Konten der Empfänger. Doch am Ende des Monats ist der Freibetrag meist schon verbraucht. Im schlimmsten Fall war das Geld weg. Das Bundesjustizministerium änderte das Gesetz daraufhin.

Rat suchen

Verbraucherschützer raten all denjenigen zu einem P-Konto, die bereits eine laufende oder ruhende Pfändung auf dem Konto haben oder die eine Pfändung befürchten. Jedoch sollte man zuvor mit einer Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatung sprechen, rät Sanio. Denn die Umwandlung eines Kontos in ein P-Konto bringt Einschränkungen der Kreditwürdigkeit mit sich. Und das sollte man abwägen.

Verbraucherschützer Preußler rät zudem, zunächst ein Girokonto zu beantragen, damit einem das Konto nicht schon bei Antragsstellung verweigert wird. Allerdings ist auch die normale Kontoeröffnung für Menschen mit Schulden nicht unbedingt einfach. Denn ein Recht auf ein Girokonto besteht bislang nicht. Es gibt nur den gesetzlichen Anspruch auf eine Umwandlung des Kontos in ein P-Konto. Außerdem darf jede Person nur ein P-Konto haben. Gemeinschaftskonten gibt es nicht.

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Quelle: n-tv.de

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