Ratgeber

Handy, Schlüssel, Tiere: Was passiert mit Fundsachen?

Wenn man Sachen auf der Straße findet, gibt es meistens jemanden, der sie vermisst. Der Finder ist also in der Verantwortung. Doch wo muss das Fundstück abgegeben werden? Und wann darf man es behalten? Gibt es vielleicht sogar Finderlohn? Und wenn ja, wie hoch fällt der aus?

Ehrliche Finder, die Gefundenes abgeben, können auf eine Belohnung hoffen.
Ehrliche Finder, die Gefundenes abgeben, können auf eine Belohnung hoffen.

Egal, ob Handy, Schlüssel, Geldbeutel oder Schmuck – wenn Dinge verloren gehen, kann man nur darauf hoffen, dass sie von einem ehrlichen Finder wieder zurückgegeben werden. Theoretisch hat man darauf auch einen Anspruch: "Wer etwas findet, was offenbar jemand verloren hat, der ist verpflichtet es abzugeben", sagt Karin Goldbeck, Juristin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Nur wenn der Gegenstand weniger als zehn Euro wert ist, darf ihn der Finder behalten.

Wer seinen Fund nicht meldet, macht sich der Unterschlagung schuldig. Mögliche Folgen sind Geldbußen und in schweren Fällen sogar Haftstrafen. Die Anzeige muss unverzüglich erfolgen, also so schnell wie nach den Umständen möglich.

Doch wohin mit der Fundsache? Das hängt vor allem davon ab, wo man sie gefunden hat. Normalerweise ist das nächstgelegene Bürgeramt zuständig, erklärt Manfred Schneider, Leiter des Zentralen Fundbüros in Berlin. "Ist das geschlossen, kann man sich an den nächstgelegenen Polizeiabschnitt wenden." Man kann das Fundstück natürlich auch direkt ins Fundbüro bringen, es sei denn, man hat die verlorenen Gegenstände in Bus, Bahn oder am Flughafen gefunden. Dann ist die jeweilige Verkehrsgesellschaft zuständig.

Wer ein herrenloses Tier findet, ist auch für dessen Unterhalt, also zum Beispiel seine Ernährung zuständig. Der Finder hat die Verwahrungspflicht. "Ist der Eigentümer nicht bekannt, sollte man sich an die Gemeinde oder das städtische Tierheim wenden", sagt Karin Goldbeck.

Finderlohn fällt niedrig aus

Wer auf Finderlohn hofft, sollte auf einer Abgabebestätigung bestehen, auch wenn die nicht unbedingt vorgesehen ist. Nur wenn man seine Adresse hinterlässt, kann man Ansprüche geltend machen. Dass man grundsätzlich zehn Prozent Finderlohn bekommt, ist aber ein Irrtum. Wenn die Fundsache bis zu 500 Euro wert ist, stehen dem Finder 5 Prozent vom Wert zu. Liegt der Sachwert darüber, werden drei Prozent gezahlt. Bei Tieren sind es ebenso 3 Prozent.

Anders ist der Finderlohn bei den Verkehrsgesellschaften geregelt. Die zahlen ihn in der Regel erst ab einem Wert von 50 Euro. Außerdem verringert sich der Finderlohn um die Hälfte des Üblichen. Schwierig wird es bei Fundstücken, die zum Beispiel einen ideellen Wert haben, der weit über dem materiellen liegt. Gesondert geregelt ist dieser Fall nicht. Daher gelte der materielle Wert.

Doch wie kommen Verbraucher zu ihrem Finderlohn? Im Zentralen Berliner Fundbüro geht man folgendermaßen vor: "Hat der Finderlohn mindestens eine Höhe von 5 Euro, kassieren wir ihn vom Verlierer und überweisen diesen Betrag dem Finder", erklärt Manfred Schneider. "Bei geringeren Finderlöhnen würde es den Überweisungsaufwand übersteigen." In diesem Fall wird der Finder über die Daten des Besitzers informiert, um seinen Anspruch direkt geltend machen zu können. "Wird der Finderlohn verweigert, besteht ein Zurückbehaltungsrecht für den Fund", sagt Karin Goldbeck. Außerdem müsse der Besitzer dem Finder eventuelle Aufwendungen erstatten.

Laut Gesetz müssen die Fundstücke sechs Monate lang aufbewahrt werden. "Wenn sich niemand bis zum Ablauf dieser Frist gemeldet hat, erwirbt der Finder die Fundsache", sagt Karin Goldbeck. Der Finder wird jedoch nur Eigentümer, wenn er den Fund gemeldet hat. "Hat er das nicht getan, muss er bis zur Grenze der Verjährung, also 30 Jahre lang damit rechnen, dass der Berechtigte die Herausgabe von ihm verlangt - vorausgesetzt, der Besitzer erfährt davon.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen