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Inhaber von alten Verträgen sollten gut überlegen, ob sie auf das Serviceangebot eingehen. 
Inhaber von alten Verträgen sollten gut überlegen, ob sie auf das Serviceangebot eingehen. (Foto: dpa)
Montag, 17. Oktober 2016

Teure Altkunden sollen kündigen : Wenn die Lebensversicherung schreibt

Wer im Besitz einer alten Lebensversicherung ist, kann sich freuen. Die Policen sind steuerbegünstigt und zum Teil mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent ausgestattet. Letzteres belastet die Versicherer. Ein guter Grund also, Altkunden zur Kündigung zu überreden.

Wie die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) berichtet, versuchen Renten- und Lebensversicherer anscheinend Kunden zu bewegen, gut verzinste Altverträge vorzeitig zu beenden. Den Versicherungen ist es nicht möglich, die Verträge zu kündigen, wenn sich der Kunde vertragskonform verhält.

Dem Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale liegen dazu Hinweise vor, die den Anbieter "Neue Leben Lebensversicherung AG" betreffen. "Renten- und Lebensversicherer scheinen Kunden loswerden zu wollen, die im Besitz von Altverträgen sind", erklärt Sandra Klug, Leiterin des für Versicherungen zuständigen Hamburger Marktwächter-Teams.

Die Schreiben klingen zunächst verlockend: "Über viele Jahre haben Sie uns einen wichtigen Teil Ihrer Altersvorsorge anvertraut. Dafür danken wir Ihnen." Weiter heißt es: "Ihre persönliche Situation, Ihre Ziele sowie Ihre finanziellen Wünsche haben sich vielleicht während der Vertragslaufzeit geändert. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich Ihr Guthaben früher auszahlen zu lassen?"

Wie die vzhh weiter berichtet, wird direkt unter dem Anschreiben die Summe genannt, die der Kunde bereits jetzt stornoabschlagsfrei erhalten könnte, wenn er sich von seinem Versicherungsvertrag trennt. Ein Formular für die Auszahlung hat der Anbieter demnach gleich beigefügt und bezeichnet die Offerte als Serviceangebot. Auf Nachfrage der Verbraucherschützer bestätigte "Neue Leben", allein in diesem Jahr 30.000 Schreiben dieser Art an ihre Kundschaft verschickt zu haben. 

Bei den Empfängern handelt es sich um Kunden mit klassischen kapitalbildenden oder fondsgebundenen Verträgen, die überwiegend vor 2005 abgeschlossen wurden und nach 12 Jahren Laufzeit steuerfrei ausgezahlt werden können. Verträge aus dieser Zeit haben einen sehr hohen Garantiezins von bis zu vier Prozent, der auf die Sparanteile der Versicherung gezahlt wird. Davon können heutige Sparer nur träumen.

Die vzhh vermutet denn auch, dass der Anbieter mit Schreiben wie diesem teure Kunden loswerden möchte. Das Interesse an der persönlichen Lebenssituation ihrer Versicherten scheint ihnen nur vorgeschoben. Inhaber von alten Verträgen sollten denn auch gut überlegen, ob sie auf das Serviceangebot eingehen. 

Um einen Überblick darüber zu bekommen, wie verbreitet die Praxis der Versicherer in Deutschland ist, bitten die Verbraucherschützer um Mithilfe. Betroffene Verbraucher sollen dazu Briefe von Versicherungsgesellschaften einsenden, mit denen ihnen eine vorzeitige Vertragsbeendigung vorgeschlagen wurde. Dies ist wahlweise wahlweise per E-Mail an fmw@vzhh.de, per Fax an (040) 24832-2105 oder auf dem Postweg an die Verbraucherzentrale Hamburg, Marktwächter Finanzen, Kirchenallee 22, 20099 Hamburg möglich.  

Quelle: n-tv.de

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