Ratgeber

Vorsicht bei Rundmails: Wenn ein "Cc" teuer wird

Zehn Seiten umfasst die Info-Mail, die eine Mitarbeiterin an Firmenkunden verschickt. Der eigentliche Inhalt macht nur eine halbe Seite aus, der Rest besteht aus den E-Mail-Adressen der Empfänger. Weil die Frau das "Bcc"-Feld nicht genutzt hat, muss sie ein Bußgeld abdrücken.

So geht's richtig: Die eigene Adresse in das "An:"-Feld setzen und alle anderen in "Bcc".
So geht's richtig: Die eigene Adresse in das "An:"-Feld setzen und alle anderen in "Bcc".

Einladungen, Organisatorisches oder Geschäftliches – immer wieder, wenn E-Mails einen größeren Kreis von Personen erreichen sollen, tappen Absender in die Verteiler-Falle und tragen alle Adressaten in die Felder "An" oder "Cc" ein. Die Folge: Alle Empfänger können lesen, wer die Mail sonst noch bekommen hat. Das kann nicht nur unangenehm, sondern auch teuer werden. Jedenfalls dann, wenn so etwas im Geschäftsverkehr passiert.

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat nun gegen die Mitarbeiterin eines Handelsunternehmens wegen eines offenen Verteilers ein Bußgeld verhängt. Die Frau hatte eine Mail mit einem kurzen Standardtext an Kunden versandt, die Adressen aber nicht im "Bcc:"-Feld verborgen, sondern für alle sichtbar gemacht. Zehn Seiten umfasste die ausgedruckte Mail – der eigentliche Inhalt mache gerade mal eine halbe Seite aus.

Weitergabe nur mit Einverständnis

Die Datenschutzaufsicht sah darin einen erheblichen Verstoß gegen das Datenschutzrecht. Grundsätzlich darf ein offener E-Mail-Verteiler nämlich nur dann verwendet werden, wenn alle Empfänger damit einverstanden sind. E-Mail-Adressen gelten per Gesetz als personenbezogene Daten und die dürfen nicht einfach an Dritte weitergegeben werden. Dabei muss die Adresse nicht einmal aus Vor- und Nachname bestehen. Es reicht, wenn sie einer Person zugeordnet werden kann.

Doch die Weitergabe der E-Mail-Adresse ist nicht der einzige Datenschutzverstoß. Allein die Tatsache, dass ein Dritter eine Verbindung zwischen dem Absender und dem Empfänger herstellen kann, ist schon heikel. Das zeigte sich etwa 2005, als die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) nach einer technischen Panne statt eines Newsletters eine Liste aller Newsletter-Abonnenten verschickt hatte. Einige SPD-Bundestagsabgeordnete gerieten damals durch ihre Kontakte zur Linksabspaltung unter Rechtfertigungsdruck. 

Auch bei Privatmails Rücksicht nehmen

Nun ist die Datenschutzfrage bei privaten Mails oft nicht ganz so problematisch. Wer etwa eine Geburtstagseinladung an zehn Freunde verschickt, wird die Adressen womöglich mit Absicht sichtbar machen, damit die Eingeladenen sehen können, wer sonst noch kommt. Das sollte man aber nur tun, wenn man davon ausgehen kann, dass die Beteiligten damit einverstanden sind. Geht jemand sonst sparsam mit seinen Daten um, wird er sicher nicht begeistert sein, wenn die E-Mail-Adresse unbefugt weitergegeben wird und am Ende womöglich in irgendwelchen Spam-Verteilern landet.   

Bei Rundmails an einen größeren Bekanntenkreis ist das "Bcc"-Feld keine Option, sondern Pflicht – nicht nur wegen des Datenschutzes, sondern auch aus Sicherheitsgründen: Hat einer der Empfänger einen Virus auf dem Rechner, scannt das Schadprogramm im Postfach auch die anderen E-Mail-Adressen. Verbreitet sich ein Virus auf diese Weise weiter, sind im schlimmsten Fall sogar Schadenersatzansprüche gegen den Versender der E-Mail möglich.  

Quelle: n-tv.de

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