Ratgeber
Verbraucherschützer hielten die klassische Lebensversicherung noch nie für eine gute Idee.
Verbraucherschützer hielten die klassische Lebensversicherung noch nie für eine gute Idee.(Foto: imago/Christian Ohde)
Dienstag, 04. Juli 2017

Ablaufleistung sinkt dramatisch: Wenn sich die Lebensversicherung halbiert

Von Axel Witte

Schlechte Nachrichten für Besitzer von Lebensversicherungen: Nach Berechnungen des Bundes der Versicherten bekommen Kunden mitunter fast 50 Prozent weniger ausgezahlt, als ursprünglich in Aussicht gestellt. Und dies trotz noch üppiger Garantiezinsen.

Verbraucherschützer raten schon seit Langem von dem Abschluss einer klassischen Lebensversicherung zur Altersvorsorge ab. Zum einen, da nicht der volle Anteil der Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern auch in den Hinterbliebenenschutz und zum anderen, da die Rendite der Produkte durch hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen drastisch geschmälert werden.

Aktuell gesellt sich zu dieser Problematik auch noch ein Garantiezins von nur noch 0,9 Prozent. Verantwortlich an dieser Minimalgarantie ist natürlich die Niedrigzinsphase - und die Anlagepolitik der Versicherer. Besitzer solcher Kontrakte können unter solchen Bedingungen mitunter froh sein, wenn sie nach Kosten die eingezahlten Beiträge wieder raushaben.

Wohl dem, der über einen älteren Vertrag verfügt - war doch noch bis vor einigen Jahren ein Garantiezins von bis zu vier Prozent zu haben. Doch leider hält sich auch bei älteren Verträgen die Rentabilität in Grenzen. Denn mit Inkrafttreten des Reformpakets zur Stabilisierung der Lebensversicherer wurde nicht nur die Garantieverzinsung Stück für Stück abgesenkt, sondern auch die Beteiligung an den Bewertungsreserven geändert. Um die Lebensversicherer in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu entlasten, müssen die Reserven aus festverzinslichen Anlagen seit Inkrafttreten der Reform - dem 7. August 2014 - nicht berücksichtigt werden. Zum Leidwesen der Sparer kann dies einige Tausend Euro pro Vertrag ausmachen.  

43 Prozent weniger als prognostiziert

Wie sehr sich Niedrigzinsen und Zins-Zusatzreserve auf die Ablaufleistungen von Lebensversicherungen auswirken, zeigt eine Berechnung des Bundes der Versicherten (BdV) für den Finanzausschuss des Bundestags. Demnach kommt eine Police mit einer Versicherungssumme von 30.678 Euro aus dem Jahr 1997 mit einer anfängliche Verzinsung von sieben Prozent und einem Garantiezins von vier Prozent statt der in Aussicht gestellten 63.163 Euro zum Rentenbeginn 2029 nur noch auf 35.881 Euro. Dies sind satte 43 Prozent weniger als bei Abschluss der Versicherung erwartet werden konnten.

Laut der Berechnung kommt ein Kunde, der im Jahr 2007 einem Vertrag über 29.443 Euro mit einer anfängliche Verzinsung von 5,4 Prozent und einem Garantiezins von 2,25 Prozent abgeschlossen hat, statt auf 48.629 Euro nur auf 32.180 Euro. Zum fiktiven Rentenbeginn im Jahr 2029 erwartete ihn ein Minus von 33,83 Prozent. Derartige Diskrepanzen liegen an den utopischen Überschussprognosen und in unrealistischen Angaben über die Ablaufleistungen der Versicherer.        

Gegenüber der "Bild"-Zeitung äußerte sich BdV-Chef Axel Kleinlein denn auch kritisch: "Die Überschussbeteiligung wird künftig kaum noch eine Rolle spielen. Für die Verbraucher zählt fast nur noch, was die Anbieter ihren Kunden garantieren. Für vernünftige Altersvorsorge sind die Lebensversicherer deshalb keine geeigneten Partner.

Der Grünen-Politiker und Mitglied des Finanzausschuss des Bundestags, Gerhard Schick, wies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit hin, Kunden von Lebensversicherern nicht im Unklaren darüber zu lassen, welche Auswirkungen die oben genannten staatlichen Hilfsmaßnahmen auf deren Policen haben. Er kritisiert, dass die Regeln zur Stabilisierung der Lebensversicherung vor allem die jungen Verträge belasten. Zudem verweist er darauf, dass Lebensversicherer über noch weniger Eigenkapital als Banken verfügen. Die daraus resultierenden Risiken und Einbußen hätten aber bisher alleine die Kunden zu tragen. 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen