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Selbstschutz stark gefragt : Wer darf sich bewaffnen?

Von Axel Witte

Die Angst geht um in Deutschland. Da liegt es für manchen nahe, sich zu schützen - durch Bewaffnung. Doch hierzulande darf man nicht so ohne weiteres Pistolen, Revolver oder Schlimmeres mit sich führen. Ein Überblick.

Um keine US-amerikanischen Verhältnisse zu haben, liegt das Gewaltmonopol in Deutschland beim Staat.
Um keine US-amerikanischen Verhältnisse zu haben, liegt das Gewaltmonopol in Deutschland beim Staat.(Foto: imago/CHROMORANGE)

Einige Deutsche fühlen sich derzeit bedroht. Nicht wenige denken da über Maßnahmen zum eigenen Schutz nach, in Form von Selbstverteidigungsmitteln. Und auch wenn sich der Absatz der freiverkäuflichen Produkte wie Pfefferspray und Reizgas im vergangenen Jahr fast verdoppelt hat, spielt der eine oder andere mit dem Gedanken, sich mit scharfen Waffen zu schützen. Derzeit liegt die Zahl der Waffenbesitzer in Deutschland bei etwa 1,54 Millionen - Tendenz steigend. Doch so einfach wie beispielsweise in den USA ist es hierzulande nicht, sich als Privatperson eine Schusswaffe zu besorgen und auch mit sich zu führen.

Wer darf eine scharfe Waffe tragen beziehungsweise erwerben?

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Glücklicherweise ist es in Deutschland vergleichsweise schwierig, legal eine scharfe Waffe mit sich herumtragen zu dürfen - das deutsche Waffengesetz (WaffG) gilt als eines der strengsten weltweit. Denn hierzulande liegt das Gewaltmonopol beim Staat. Wer nicht bei Polizei, Geheimdienst oder anderen Sicherheitsbehörden arbeitet oder auch für ein Geldtransportunternehmen tätig ist, muss nachweislich mehr als die Allgemeinheit gefährdet und bedroht sein. Eine entsprechende Schusswaffe muss auch dazu geeignet sein, die Sicherheit dieser Person tatsächlich zu erhöhen - was meist nicht der Fall ist. Ohne diese Grundvoraussetzung gibt es keine Erlaubnis zum Tragen einer Waffe. Und selbst wenn die behördliche Erlaubnis vorliegt, schreibt das Waffengesetz Einschränkungen zum Tragen bei Veranstaltungen, Festen oder Aufzügen vor.

Um als Privatperson eine Waffe erwerben zu können, bedarf es zunächst einer Waffenbesitzkarte. Dieser erlaubt beispielsweise Sammlern oder auch Waffenerben, unter strengen Vorgaben bestimmte Waffentypen zu kaufen beziehungsweise zu behalten und zu Hause zu verwahren. Allerdings ohne Munition. Wer hingegen in einem Schützenverein seinem Sport nachgehen möchte, braucht neben der Waffenbesitzkarte auch einen entsprechenden Eintrag zum Munitionserwerb. Dennoch darf die Waffe nur auf dafür vorgesehenen Schießständen benutzt werden. Um die Ansammlung größerer Waffenarsenale in Deutschland und deren Missbrauch zu verhindern, dürfen die Schützen ihre Waffen auch mit nach Hause nehmen  - um sie dort sicher zu verwahren. Jäger hingegen müssen Inhaber einer Waffenbesitzkarte und eines Jagdscheines sein, um ihre Tätigkeit auszuüben. Zu beachten ist, dass es die entsprechenden Genehmigungen immer nur für entsprechend geeignete Waffengattungen gibt. Die Erlaubnis zum Erwerb oder zum Tragen einer Kalaschnikow wird keine der genannten Gruppen bekommen.  

Wo werden Waffenschein und Waffenbesitzkarte beantragt?

In aller Regel bei Kreisverwaltungsbehörden wie die Landratsämter oder in kreisfreien Städten die Ordnungsämter.

Welche Voraussetzungen sind erforderlich?

Neben einer akuten Gefährdung (Waffenschein) ist die Erstellung von einer Zuverlässigkeitsprüfung abhängig. Hierbei findet auch das polizeiliche Führungszeugnis Berücksichtigung. Daneben sind Volljährigkeit, eine Sachkundeprüfung und eine Haftpflichtversicherung Voraussetzungen. Sowohl der Besitz eines Waffenscheins als auch einer Waffenbesitzkarte können bei Fehlverhalten von der entsprechenden Behörde widerrufen werden. Ersterer muss ungeachtet dessen nach drei Jahren verlängert werden, während Letztere unbefristet gilt. 

Was ist der kleine Waffenschein?

Dieser ermächtigt den Inhaber zum Führen von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen außerhalb des eigenen Grundstücks oder der eigenen Wohnung. Ohne diese Genehmigung dürfen diese Waffen nur innerhalb dieses begrenzten Raumes geführt werden, gekauft werden dürfen sie allerdings von jedem Erwachsenen gegen Vorlage seines Altersnachweises. Voraussetzungen für einen kleinen Waffenschein sind: persönliche Zuverlässigkeit, keine Vorstrafen und die fachgerechte Unterbringung der Waffe. Er wird bei der örtlich zuständigen Polizeibehörde beantragt.

Ungeachtet von einem möglichen subjektiven Bedrohungsgefühl warnt die Polizei von einer persönlichen Bewaffnung. Nicht zuletzt unter Verweis darauf, dass Waffen immer eine Gefahr darstellen. Sei es durch Unfälle oder vorsätzlich falschen Gebrauch. Um eben keine US-amerikanischen Verhältnisse zu haben, liegt das Gewaltmonopol beim Staat.  

Quelle: n-tv.de

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