Ratgeber

Tenhagens Tipps: Wer hat Angst vor einem schwachen Euro?

Die Gemeinschaftswährung ist in letzter Zeit stark unter Druck geraten.
Die Gemeinschaftswährung ist in letzter Zeit stark unter Druck geraten.(Foto: picture alliance / dpa)

Verbraucherschützer raten seit Langem von kapitalbildenden Lebensversicherungen ab. Nun hat das Produkt auch in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich an Attraktivität verloren. Ob die Policen noch für die Altersvorsorge taugen, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen. 

n-tv.de: Wieso fällt der Euro überhaupt?

Hermann-Josef Tenhagen: Der Euro fällt deshalb, weil die Europäische Zentralbank (EZB) unheimlich viel Geld in den Markt pumpt und damit auch das Ziel verfolgt, den Euro zu schwächen, damit die Europäer ihre Waren global günstiger an den Mann bringen können. Das hilft auch der deutschen Exportwirtschaft, soll aber vor allem den Südeuropäern auf die Beine helfen.

Warum sorgt das Geld der EZB denn dafür, dass der Euro fällt?

Mit der Geldschwemme gehen im Euroraum extrem niedrige Zinsen einher. Geld wird aber zumeist dahin transferiert, wo es am meisten Zinsen bringt. Insofern wird deutlich weniger Geld in Euro angelegt beziehungsweise gehalten, was dann zu Wertverlusten vor allem gegenüber dem Dollar führt. Darüber hinaus gilt der Euro ja auch wegen der Griechenlandkrise als Wackelkandidat.

Geht die Rechnung der EZB denn auf?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Unterm Strich sieht man die Folgen der Geldschwemme. Nicht nur für Deutschland. Auch die Südeuropäer profitieren, da wo sie exportieren. Die größte Gefahr für den Verbraucher stellen sicherlich deutlich höhere Energiekosten - in Dollar - dar. Bislang ist dies aber kein Problem, da der Preis für Rohöl extrem niedrig ist.

Verbraucher müssen sich vor einer weiteren Euro-Abwertung nicht fürchten?

Solange der Ölpreis nicht steigt, eher nicht. Der schwache Euro wird erst dann zum Problem, wenn man viel außerhalb des Euroraumes unterwegs ist. Sei es als Urlauber oder weil man geschäftlich Waren aus dem Nicht-Euro-Ausland bezieht.

Sollte der Euro dauerhaft niedrig bleiben, verteuert sich für Verbraucher sicherlich auch der eine oder andere Artikel, der nicht aus der Eurozone kommt. Beispielsweise Südfrüchte und Elektronik.

Was bedeutet der niedrige Euro für den Anleger?

Für Anleger, die innerhalb des Währungsraums investieren, ändert sich gar nichts. Wer sein Geld in auf andere Währungen lautende Aktien oder Werte anlegt, konnte in letzter Zeit sogar deutliche Währungsgewinne verzeichnen. So zum Beispiel bei US-Aktien oder auch bei Anlagen in Gold. Obwohl der Goldpreis in Dollar eher gefallen ist. Von reinen Währungsspekulationen kann ich aber nur abraten. Wer sein Geld vernünftig – dass heißt auch in einen globalen Aktienfonds investiert hat – braucht eine anhaltende Euro-Schwäche nicht zu fürchten und kann sogar nebenbei davon profitieren. Die Warnung vor der Spekulation gilt übrigens auch für Kredit. Baufinanzierung in Fremdwährungen ist Unfug.

Wie zuverlässig sind denn die Prognosen für eine dauerhaft schwache Gemeinschaftswährung?

Ich bin kein großer Anhänger von solchen Prognosen. Zum einen stellt sich die Frage, wer die Prognose macht und welche wirtschaftlichen Interessen damit verbunden sind. Und zum anderen gilt immer noch eine Mark Twain zugeschriebene Weisheit: "Es ist schwierig Voraussagen zu machen, vor allem über die Zukunft".  

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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