Ratgeber

Geldanlage in Europa: Wie sicher ist mein Geld im Ausland?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Während hiesige Banken Kunden mit kaum noch messbaren Zinsen abspeisen, wirft Festgeld im Ausland zum Teil noch attraktive Renditen ab. Doch ist es wirklich sinnvoll, das Ersparte zum Beispiel in Bulgarien oder Polen anzulegen?

Ein Gesetz allein kann im Fall der Fälle noch kein Geld zurückzahlen.
Ein Gesetz allein kann im Fall der Fälle noch kein Geld zurückzahlen.(Foto: imago/CHROMORANGE)

Es gibt Berufsgruppen, denen fliegt das Vertrauen der Kunden nicht unbedingt zu. Hypothekenvermitller zum Beispiel. Mancher Bauherr akzeptiert lieber die höheren Zinsen seiner Hausbank, als per Vermittler einen Billigkredit bei einem fremden Anbieter zu unterschreiben. Das Risiko ist zwar überschaubar – aber man weiß ja nie.

Noch skeptischer müssten Kunden den Vermittlern von Kapitalanlagen gegenüber stehen. Diese vermitteln schließlich nicht nur eine Bank, bei der man Schulden macht, sondern eine, der man sein Erspartes anvertraut. Wenn diese Bank Konkurs macht, könnte das Geld verloren sein. Andererseits sind die Renditen im Ausland den deutschen oft meilenweit überlegen. Was also ist zu tun?

Gesetzliche Mindeststandards

Um Sparen einen gewissen Mindestschutz zu gewähren, sind Banken in den EU-Staaten verpflichtet, die Spareinlagen jedes Kunden bis zur Höhe von mindestens 100.000 Euro Gegenwert zu sichern. Der Staat kann entweder selbst für diese Summen garantieren oder seine Banken zur Errichtung eines entsprechenden Einlagensicherungsfonds verpflichten.

Dieser verpflichtende Mindestschutz bleibt nicht ohne Folgen. Lange galten - neben Deutschland – vor allem die Niederlande, Frankreich, Österreich und Großbritannien als sicherer Hafen für Anleger selbst im Falle einer Bankeninsolvenz. Inzwischen aber gibt es auch Anlagevermittler wie weltsparen.de oder savedo.de, die Festgeldanlagen in anderen EU-Staaten ermöglichen – darunter Bulgarien, Italien, Polen, Tschechien, Portugal und Schweden. Die Renditen in diesen Ländern sind oft ausgesprochen verlockend.Dennoch lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen – aus mehreren Gründen.

Getarnte Spekulationsgeschäfte

Zum einen kann man nicht einfach in ein anderes EU-Land fahren und dort ein höher verzinstes Konto eröffnen. Meist muss man dort seinen Hauptwohnsitz haben. Durch die oben genannten Vermittler aber lässt sich diese Bedingung umgehen. Der Trick: Die Vermittler eröffnen bei einer deutschen Abwicklungsbank ein Konto und diese Bank leitet dann den Anlagebetrag an die ausländische Bank weiter. Sowohl die Anlage als solche, als auch die Rückzahlung des Geldes erfolgt in Euro. Es besteht kein Währungsrisiko. Lediglich im Insolvenzfall muss man schnell reagieren, weil dann der Währungskurs vom Tag der Rückforderung gültig ist und das Geld in Landeswährung erstattet wird. Es besteht hier für ein paar Tage ein Währungsrisiko.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Gefährlich bzw. spekulativ wird es nur, wenn man sein Geld außerhalb der EU anlegt, weil es dort keinen gesetzlichen Anlegerschutz gibt und volles Währungsrisiko besteht.

Die Möglichkeiten in Fremdwährungen Geld anzulegen, gibt es auch in Deutschland. Mit sicheren, festverzinslichen Anlage haben solche Angebote aber wenig zu tun. In den Zinsvergleichen der FMH-Finanzberatung sind Anlagen in fremden Währungen daher nicht gelistet.

Wer sein Geld in eher "exotischen" EU-Staaten anlegt, sollte aber noch einen zweiten Punkt bedenken. Die Einlagensicherung in den unterschiedlichen Ländern . Denn so schön die Gewissheit ist, der gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung zu unterliegen: Ein Gesetz allein kann im Fall der Fälle noch kein Geld zurückzahlen. Damit die Einlagensicherung funktioniert, müssen Staat und/oder Einlagensicherungsfonds vielmehr solvent genug sein, die Sparer zu entschädigen. Gerade letzteres darf jedoch bezweifelt werden. Experten gehen sogar davon aus, dass der leistungsstarke deutsche Einlagensicherungsfonds seine Pflicht im Ernstfall nicht ohne staatliche Mittel erfüllen könnte.

Papier ist geduldig

Nehmen wir als Beispiel Bulgarien. Die Fibank aus dem südosteuropäischen Land steht in Zinsvergleichen seit vielen Monaten ganz oben. Die Zinsen sind ausgesprochen attraktiv und nicht vergleichbar mit denen, die etwa deutsche Sparkassen bieten. Doch was ist mit dem Risiko?

Geht die Bank während der Anlagezeit nicht Pleite, ist die Geldanlage sehr rentabel. Gleiches gilt, wenn man unterstellt, dass Bulgarien im Problemfall in der Lage sein würde, alle Sparer zu entschädigen. Dafür, dass diese Unterstellung zutrifft, gibt es jedoch keine Garantien. Und sollte das Gegenteil der Fall sein, bliebe nur noch die Hoffnung, dass der europäische Staatenbund im schlimmsten Fall genügend Geld zur Verfügung stellt, damit Bulgarien nach einer Bankenpleite die Spargelder doch wieder zurückzahlen kann.

Fazit

Wie sicher die Geldanlage in anderen EU-Staaten ist, hängt einerseits von den Fähigkeiten des jeweiligen Landes/seiner Banken ab, die vorgeschriebene Einlagensicherung zu gewährleisten – und andererseits vom Willen und Wollen der EU, überforderte Staaten im Ernstfall bei Sicherung der Einlagen zu unterstützen. Wem das zu viele Variable sind, der sollte sein Geld besser Banken anvertrauen, die in namhaften solventen Staaten eine Banklizenz besitzen – oder sich doch mit Minizinsen bei der Hausbank zufrieden geben. Rendite gibt es dort zwar nicht. Aber sicherer liegt das Geld derzeit wohl nirgends.


 

Quelle: n-tv.de

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