Ratgeber

Steuern für den Sechser im Lotto?: Wie viel vom Jackpot übrig bleibt

Von Natascha Gillenberg

In diesen Tagen träumen vielleicht noch mehr Menschen als sonst von den sechs oder mehr Richtigen im Lotto. Ein Jackpot, so hoch wie noch nie, bietet dem Gewinner ein zumindest von finanziellen Sorgen unbelastetes Leben.

Vermögens- oder Einkommenssteuer: Glück gehabt!

Doch selbst bei solchen Geldsummen mag sich der neureiche Lottokönig fragen, wie viel ihm davon eigentlich übrig bleibt. Zwar wird die Vermögenssteuer seit 1997 nicht mehr erhoben, weil ihre Bewertungsmethodik vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt wurde.

Aber Bürger mit üppigen Einkommen zahlen in Deutschland einen Spitzensteuersatz von 45 Prozent. Bei einem Jackpot von beispielweise 38 Millionen Euro blieben da nur noch 21 Millionen übrig. Ärgerlich. Davon kann man sich nicht mehr ganz so viele Weltreisen und Luxusvillen gönnen, wie ursprünglich geplant, denkt sich der Held unserer Geschichte.

Aber zum Glück meint es das Schicksal gut mit ihm. Denn der Lottogewinn zählt nicht als Einkommen. "Das Wesen des Einkommens besteht darin, dass ich eine Leistung erbringe und im Gegenzug dafür Geld erhalte", erklärt Dirk Lehmann, Steuerberater bei Wagemann und Partner. Beim Lottogewinn handelt es sich weder um ein Gehalt noch ein Honorar, weder um Einkünfte aus der Land- oder Forstwirtschaft oder eine Rente und so bleibt er komplett einkommensteuerfrei.

Weltreisen, Häuslebauen und Aktien

Weltreisen langweilen irgendwann und verursachen nicht nur permanenten Jetlag, sondern auch Heimweh. Also rafft unser Jackpotknacker schließlich sein Geld zusammen und kauft sich im Spreewald ein kleines Häuschen. Und da er in Ratgebern immer wieder gelesen hat, er solle sich beizeiten um die Altersvorsorge kümmern und immer etwas auf die hohe Kante legen (für den Fall der Fälle), richtet er sich außerdem ein Tagesgeldkonto ein und probiert sich ein wenig in Aktien.

Der Lottokönig hat natürlich auch hier eine glückliche Hand und streicht gute Zinsen, Kursgewinne und Dividenden ein. Und da er die Souterrain-Wohnung an einen armen Bummel-Studenten vermietet hat, kommen gleich noch ein bisschen Mieteinnahmen mit dazu. Er muss allerdings feststellen, dass er diese Kapitaleinnahmen mit dem Fiskus zu teilen hat. Für einen Teil dieser Einkünfte muss er in den kommenden Monaten noch Einkommenssteuer bezahlen, ab 2009 gilt dann die neue Abgeltungssteuer. Er wird also weiterhin fleißig Ratgeber lesen, um zu wissen, in welche Geldprodukte er besser jetzt noch investiert und welche sich erst in rund einem Jahr so richtig für ihn lohnen.

Ein Haus für den Freund

Geizig ist unser Lottokönig nicht. Schon bevor er seine Kreuzchen gesetzt hat, wusste er genau, wer von einem Gewinn etwas abbekommen würde. Seinem besten Freund möchte er eine großzügige Summe für dessen Hausbau hinzuschießen, und den Rest will er sich mit seiner Frau teilen. Alles andere gehöre sich einfach nicht, findet er.

Aber Geld kann man nicht einfach so weggeben, muss er feststellen. Dafür gibt es bestimmte Spielregeln - und richtig: Steuern. Schenkungssteuern nämlich, die nun sein Freund für die unerwartete Unterstützung zahlen muss. Die Höhe der Schenkungssteuer richtet sich dabei nach Art der Beziehung, die der Beschenkte zu dem Beschenkten hat, und nach der Höhe des Vermögens, mit dem er bedacht wird. Je enger beispielsweise der Verwandtschaftsgrad ist, desto niedriger fällt die Schenkungssteuer aus, und desto höher ist auch der Freibetrag, bis zu dem der beschenkte gar keine Steuern zahlen muss.

Da sich die Freibeträge 2008 mit der Erbschaftssteuerreform ändern, überlegt der Lottokönig, ob er ihm das Geld also nicht erst im nächsten Jahr vermacht. Doch dann erfährt er, dass es vielleicht besser ist, dem Freund das Geld nicht einfach aufs Konto zu stellen, sondern ihm direkt das Haus zu schenken.

Denn der Wert von geschenkten Immobilien wird derzeit so bemessen, dass der Freund für das Haus, dass der Lottokönig ihm für eine Million Euro kaufen würde, weniger Steuern zahlen müsste, als für die eine Million Euro, die er bei seiner Bank liegen hätte. "Geld ist unter Umständen das ungünstigste Geschenk", so Dirk Lehmann. Also fragt sich der Lottokönig nun, ob er sich nicht besser beeilt mit dem Schenken, bevor die neue Erbschaftssteuer Immobilien anders behandeln wird. Aber es ist alles gar nicht so einfach, findet er.

Getrennt wirtschaften, damit man dadurch teilen kann

Denn auch der Wunsch, den Jackpot mit seiner Frau zu teilen, ist nicht ohne Tücken. Dirk Lehmann erklärt: "Die Gretchenfrage ist: Leben beide in einer Zugewinngemeinschaft oder mit Gütertrennung?" Denn nur in einer Zugewinngemeinschaft lässt sich eine Besteuerung des geteilten Gewinns vermieden – und zwar ausgerechnet durch ihre Aufhebung.

Es ist nämlich so: "Gibt der Mann seiner Frau die Hälfte des Lotto-Gewinns ab, handelt es sich um eine Schenkung innerhalb der Ehe", sagt Dirk Lehmann. Dann muss die Frau also Schenkungssteuer zahlen - etwas weniger allerdings als zuvor der Freund. Lebten sie in wilder Ehe miteinander, wäre das anders: Dann wäre ihre Steuerlast als "fremde Dritte" sogar so hoch wie die des Freundes.

Auweia, denkt sich unser Lottokönig, Geld ausgeben ist gar nicht so billig.

Also überlegt er sich Folgendes: Damit seine Frau mehr von ihrem Geld hat - und um des lieben Friedens willen - lösen sie ihre Zugewinngemeinschaft auf und vereinbaren zukünftige Gütertrennung. Und im Zusammenhang dieser Auflösung ihrer Zugewinngemeinschaft geht nun die Hälfte des Zugewinns von unserem Lottokönig auf seine Frau über - steuerfrei. Mehr wollte er ja gar nicht.

Hätte es schon zuvor bei beiden die Gütertrennung gegeben, hätte seine Frau übrigens Pech gehabt: Denn da wäre eine solche Lösung nicht möglich gewesen, und die Frau wäre um die Schenkungssteuer nicht herum gekommen. "Eine Ehe ist keine Tippgemeinschaft", so Dirk Lehmann.

Unter Tipp-Brüdern

Wenn sich Tipp-Brüder zu einer Lotto-Gemeinschaft zusammenschließen, lässt sich der Gewinn hinterher zu gleichen Teilen ohne Steuerabzug untereinander aufteilen. Dass auf dem Lottoschein möglicherweise nur einer der Gruppe vermerkt ist, spielt dann keine Rolle. Doch hier sollte man sich vorher absichern. "Sie sind in der Nachweispflicht, dass Sie tatsächlich eine Tipp-Gemeinschaft bilden", so Dirk Lehmann, "ansonsten wird die Schenkungssteuer fällig."

Ein einfacher, schriftlicher Vertrag unter Freunden im Vorfeld sorgt also dafür, dass nachher alle mehr vom Jackpot behalten können. Wenn man diesen Vertrag sogar einem Rechtsanwalt vorlegt, ist man auf der sicheren Seite. Genauso lässt sich übrigens auch aus einer Ehe oder einer Familie eine Tipp-Gemeinschaft machen - aber immer, bevor man den Lottoschein in der Annahmestelle abgibt.

Und wenn es einem dann geht wie unserem Lottokönig, hilft am besten eines, weiß Dirk Lehmann: "Ruhig bleiben, alles erstmal auf ein Tageskonto packen, ein paar Nächte darüber schlafen - und sich dann einen unabhängigen Berater suchen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen