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Rechtsbeistand gesucht: Wo kriegt man einen Anwalt her?

Ein guter Anwalt kann selbst aussichtslose Situationen retten, ein schlechter kann die sichersten Chancen vermasseln. Doch wie findet unter den rund 160.000 zugelassenen Rechtsanwälte in Deutschland den richtigen? Das Internet kann helfen.

Auf Anwalt.de gibt es auch Bewertungen. Schlechte sind aber nicht dabei, weil die Anwälte der Veröffetnlichung zustimmen müssen.
Auf Anwalt.de gibt es auch Bewertungen. Schlechte sind aber nicht dabei, weil die Anwälte der Veröffetnlichung zustimmen müssen.(Foto: Benjamin Thorn / Pixelio)

Egal,ob man sich mit dem Chef in die Haare gerät, mit dem Nachbarn streitet oder mit der Vermieterin: Der Satz "Sie hören von meinem Anwalt" garantiert einen eindrucksvollen Abgang. Schwierig kann es jedoch werden, wenn "mein Anwalt" nicht schon im Adressbuch steht, sondern erst noch gefunden werden muss. Nahe liegt es, sich erstmal im Freundes- und Kollegenkreis umzuhören. In einer Leserumfrage der Stiftung Warentest gab mehr als jeder Fünfte an, sich auf persönliche Empfehlungen zu verlassen. Allerdings hilft auch der gewiefteste Anwalt wenig, wenn er vom entsprechenden Fachgebiet kaum Ahnung hat. Wer einen Experten sucht, der seine Kanzlei in der Nähe hat, wird am ehesten im Internet fündig.               

Google gewichtet seine Ergebnisse allerdings nicht nach Qualifikationen, sondern danach, wie geschickt die jeweiligen Schlüsselwörter auf der Website platziert sind. Für eine gezielte Suche nach Fachanwälten bieten sich deshalb spezielle Anwaltsportale an. "Finanztest" hat fünf von ihnen unter die Lupe genommen. Am umfangreichsten ist die Datenbank des Deutschen Anwaltsvereins, der auf  Anwaltauskunft.de insgesamt 68.000 Anwälte listet. Wer nach Umkreis, Fachgebiet oder auch Geschlecht sucht, bekommt aber maximal zehn Ergebnisse präsentiert. Die Anordnung ist rein zufällig, denn die Anwälte können sich hier keine gute Platzierung kaufen. Die Anwaltauskunft informiert über die Kontaktdaten und die Rechtsgebiete, für Anwaltsporträts ist - anders als bei den kommerziellen Portalen - kein Platz. Wer mehr wissen möchte, muss sich auf den Websites der jeweiligen Kanzleien umsehen, sofern vorhanden.

Wer zahlt, steht oben

Kompetenzgrade

In der Regel haben Anwälte bestimmte Tätigkeitsschwerpunkte. Als Fachanwalt darf sich nur bezeichnen, wer einen entsprechenden Lehrgang mit 120 Stunden absolviert und zuvor mindestens 100 Fälle aus dem Rechtsgebiet bearbeitet hat.  Ein Anwalt der sich "Spezialist" nennt, muss  hingegen noch deutlich mehr Erfahrung haben als Fachanwälte.

Der größte Teil der Anwälte ist auch bei Anwalt24.de vertreten. Wer bis zu 470 Euro bezahlt, bekommt einen prominenten Platz in der Ergebnisliste und wird mit Kurzporträt und Foto abgebildet. Ansonsten werden die Kanzleien mit den wichtigen Basisinfos nach Entfernung aufgelistet. Optisch ansprechend und übersichtlich ist die Seite Anwalt.de. Die Auswahl ist hier allerdings deutlich magerer als bei den anderen Portalen, weil die Anwälte ihren Eintrag grundsätzlich bezahlen müssen. Wo Anwaltauskunft.de beispielsweise für drei Suchanfragen in Siegen insgesamt 16 Treffer liefert, finden sich bei Anwalt.24 noch 14, bei Anwalt.de aber nur zwei. Auch Expertenbranchenbuch.de und Anwaltssuchdienst.de liefern nur eine sehr übersichtliche Zahl von Experten.

Hat man einen Wunschkandidaten gefunden, sollte man telefonisch nachfragen, wie das erste Beratungsgespräch abgerechnet wird. Manche Kanzleien nehmen dafür eine Pauschale, andere rechnen nach Stunden ab. Laut Rechtsanwaltsvergütungsgesetz dürfen Anwälte für die mündliche Erstberatung höchstens 190 Euro Gebühr plus Mehrwertsteuer verlangen. Ist abzusehen, dass die Sache teurer wird, etwa weil sich der Anwalt erst einlesen muss, dann muss das vorher vereinbart werden.            

Rechtshilfe im Netz

Wer erstmal grundsätzlich wissen möchte, ob es sich der Gang zum Anwalt überhaupt lohnt, der kann sein Problem auch auf Frag-einen-Anwalt.de schildern. Das Prinzip ist einfach: Man formuliert die Frage und setzt einen Geldbetrag für die Antwort aus. Üblich sind Summen zwischen 20 und 100 Euro, je nach Dringlichkeit und Detailtiefe. Nimmt ein Anwalt das Angebot an, hat er zwei Stunden Zeit für die schriftliche Antwort. Besteht danach noch Klärungsbedarf, darf man eine kostenlose Rückfrage stellen. Wenn der Anwalt geholfen hat, kann man ihn im nächsten Schritt auch direkt ansprechen und ihm den Fall übertragen. Sofern das Problem nicht zu komplex ist, kann diese Art der Online-Beratung durchaus sinnvoll sein, zumal die Kosten hier transparent sind wie sonst nirgends.

Von der Versicherung vermittelt

Die Gebührenfrage kann einem natürlich weitgehend gleichgültig sein, wenn man eine Rechtsschutzversicherung hat. Und auch die Auswahl kann man sich leicht machen: Oft empfehlen die Versicherer bestimmte Partneranwälte, mit denen sie günstige Konditionen ausgehandelt haben. In der "Finanztest"-Umfrage war die Mehrheit der Klienten mit der Arbeit der Partneranwälte zufrieden, bei den selbst ausgesuchten Anwälten war die Quote aber noch etwas höher. Teilweise beklagten die Versicherungskunden mangelndes Engagement der vermittelten Anwälte. Ein Grund könnte in solchen Fällen auch die Bezahlung sein, so "Finanztest". Die Versicherer vereinbarten Partneranwälten "Pauschalen am unteren Gebührenrand" und das lohne sich nur bei schnell zu erledigenden Fällen. Muss der Jurist trotz schlechter Bezahlung eine Menge Arbeit investieren, könnte das die Motivation beeinflussen. Wer sich lieber einen eigenen Anwalt suchen will, kann das auf jeden Fall tun: Auch Rechtsschutzversicherte dürfen sich ihren Anwalt frei aussuchen.

Rechtsschutzversicherungen im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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