Ratgeber
Auf klassische Sparer lauern diverse Gefahren.
Auf klassische Sparer lauern diverse Gefahren.(Foto: imago stock&people)

"Der Sparer ist am Arsch": Wohin mit dem Geld, Herr Prof. Otte?

Auch wenn "das Geld noch keinen reich gemacht hat", suchen Sparer verzweifelt nach rentablen Geldanlagen. Doch wohin geht die Reise? Inflation, Deflation, Börsencrash? Der Ökonom, Buchautor und Fondsmanager Prof. Dr. Max Otte ist in Sorge.

n-tv.de: Machen Sie sich Sorgen um die Weltwirtschaft?

Max Otte: Ja, natürlich. Mehr als je zuvor. Mit Ausnahme der Krise vom Herbst 2008. Aber da hatten wir eine Finanzkrise die relativ schnell mit sehr viel Geld von den Notenbanken erstickt wurde. Nun kommen viele, viele Dinge zusammen – jetzt habe ich sehr große Sorgen.

Was genau bereitet Ihnen denn Kummer?

Die Notenbanken sind mit ihrer Politik am Ende. Das billige Geld wirkt nicht mehr. Sie greifen mittlerweile immer mehr zu zwangssozialistischen Maßnahmen, Strafzinsen und Ähnlichem. Unsere Sanktionen gegen Russland sind der Wahnsinn. Damit tun wir uns keinen Gefallen. Europa rutscht langsam in die Deflation. Es kommt vieles zusammen.

Haben denn die Maßnahmen zur Rettung Europas nicht geholfen?

Wir haben doch nicht Europa gerettet – das ist doch alles Propaganda. Wir haben die großen Finanzdienstleister gerettet, wir haben die Reichen gerettet, wir haben Europa in Grund und Boden gewirtschaftet. Und dann wird es von unserer Politik als Rettung des Euro und Europas verkauft.

Welche negativen Szenarien befürchten Sie denn?

Prof. Dr. Max Otte ist Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Buchautor.
Prof. Dr. Max Otte ist Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Buchautor.

Bis vor einigen Jahren habe ich gedacht, wir kommen so durch. Mit etwas Inflation, mit etwas Sparen, ein paar Schuldenschnitten,  Reorganistion, leidlichen Steuererhöhungen und etwas Wachstum. So dass die wirtschaftliche Lage in acht neun Jahren wieder stabil ist.  Jetzt kann ich mir vorstellen, dass es drastischer wird. Dass die kriegerischen Auseinandersetzungen weiter zunehmen, dass Schuldenschnitte zunehmen, dass die Notenbanken Nullen streichen. Jetzt kommen wir langsam in ein unangenehmes Endspielszenario hinein.  Weil die zurückliegenden sechs Jahre seit der Finanzkrise nicht genutzt wurden, um nachhaltig etwas zu machen.

Was bedeutet diese Zuspitzung für den klassischen Sparer?

Der ist am Arsch. Nichts Gutes also. Seit fünf, sechs Jahren haben wir ja das, was beschönigend als "finanzielle Repression" bezeichnet wird. Die Sparer haben unter Berücksichtigung der tatsächlichen Inflation und Zinsen nahe null Prozent, ein Minus von zwei bis drei Prozent bei der Kaufkraft.  Auch bei Lebensversicherungen, Spareinlagen etc. läuft diese schleichende Enteignung schon seit Jahren. Das kann sich bei einem von mir nicht mehr auszuschließenden Endspielszenario noch mal deutlich beschleunigen.

Befürchten Sie denn darüber hinaus tatsächlich den ganz großen Finanzgau?

Das ist durchaus möglich. Es müssen auf jeden Fall noch aggressive Maßnahmen erfolgen, um das System zu sanieren. Die Schulden steigen ja weiter. Wir bekommen immer mehr zwangswirtschaftlich-sozialistisch- und planwirtschaftlich- freiheitsberaubende Eingriffe. Die Spanier haben bereits mit Zwangsabgaben auf Sparvermögen angefangen. So wie es jetzt ist, wird es nicht bleiben. Es wird sich schon noch verschlimmern. Ob es tatsächlich zum Finanzgau kommen wird, weiß ich nicht. In jedem Fall gewinnt  die Krise an Intensität.

Wie sollte man sein Erspartes vor diesem Hintergrund anlegen beziehungsweise investieren?

Die Deutschen sind leider Aktienmuffel, und Immobilien sind eigentlich schon zu teuer und die attraktiven meist vom Markt – zumindest in den Ballungszentren. Das Kaufpreis-Miete-Verhältnis (wie viele Jahresnettokaltmieten dem Kaufpreis entsprechen) sollte meiner Meinung nach nicht mehr als 20 betragen.  Auf dem Land hingegen sind keine Wertsteigerungen zu erzielen, zudem sinkt die Zahlungsmoral bei Mietern, was auch eine erfolgreiche Anlage in nicht selbstgenutzte Immobilien erschwert. Bleiben eigentlich nur Investitionen in globale Aktienfonds. Als Beimischung auch Edelmetalle zur Absicherung. Also Anlagen in Sachvermögen.    

Was würden Sie für eine Gewichtung der jeweiligen Anlageklassen empfehlen?

Als Vorbild kann hier der norwegische Staatsfonds dienen. Dort sind mindestens 60 Prozent des Kapitals in Aktien angelegt. Oder auch das Pensionssystem der Regierungsbeamten in Japan: Gerade wurde die Aktienquote von 25 auf 50 Prozent erhöht. Alles was man nicht braucht, um liquide zu sein, um Kaufreserven zu haben, sollte man in Sachvermögen stecken. Edelmetalle sollten dabei mit bis zu zehn Prozent berücksichtigt werden.

Woran liegt es denn, dass der Goldpreis derart gesunken ist?

Goldman Sachs und Co. haben scheinbar noch Interesse an einem weiter fallenden Goldpreis – die Notenbanken auch. Aber das Gold, das letztes Jahr bei den Fonds aufgelöst wurde, ist ja eins zu eins physisch gekauft wurden. Also von schwache in starke Hände gewandert. Vom Westen in den Fernen Osten. Die Nachfrage ist da, aber natürlich sind auch die Produktionskapazitäten in den letzten zehn Jahren zu sehr ausgeweitet worden. Vielleicht muss  da auch noch eine weitere Bereinigung stattfinden. Dennoch muss man sehen, dass die Goldmenge mit 1,5 Prozent pro Jahr wächst und die Notenbankbilanzen mit 20, 25 Prozent. Daran sieht man schon, dass diese Schere nicht ewig so bleiben kann.

Mit Max Otte sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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