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Tücke bei Riester-Banksparplänen : Zuletzt kassiert die Versicherung

Von Isabell Noé

Sie gelten als einfachste und günstigste Riester-Variante: Banksparpläne. Viele können es in ihren Renditen durchaus mit Rentenversicherungen aufnehmen. Die Tücken der Riester-Sparpläne offenbaren sich erst bei der Auszahlung. Dann nämlich holen sich die Versicherer ihr Stück vom Kuchen.

Riester-Banksparpläne sind einfach und transparent - solange, bis es an die Rentenzahlung geht.
Riester-Banksparpläne sind einfach und transparent - solange, bis es an die Rentenzahlung geht.(Foto: picture alliance / dpa)

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt sie, die einfachen und transparenten Riester-Verträge, die wenig kosten und in der Ansparphase zum Teil ganz ordentliche Renditen bringen. Man darf sie allerdings nicht bei Versicherungen oder Fondsgesellschaften suchen. Riester-Banksparpläne werden – das lässt der Name schon vermuten – nur bei Banken angeboten, und das auch längst nicht bei allen, der Markt ist überschaubar. Und selbst wenn ein Kreditinstitut einen Riester-Sparplan im Programm hat, empfehlen die Berater mitunter lieber die Versicherung eines Kooperationspartners, weil hier Provisionen fließen.

41 Banksparpläne hat die Zeitschrift Öko-Test jetzt ausgewertet. 20 davon stehen Kunden in ganz Deutschland offen, der Rest der Angebote ist regional begrenzt. Das Ergebnis des Vergleichs kann sich durchaus sehen lassen – zumindest, wenn man lediglich die Ansparphase ins Visier nimmt. Weil es keine Abschlussgebühren  gibt und die Kontoführungskosten kaum ins Gewicht fallen, liegen die Renditen inklusive staatlicher Förderung oft über denen geförderter Renten-Policen.

Oft besser als Rentenpolicen

"Ein Durchschnittsverdiener hat nach 25 Sparjahren beim Gros der Banken 10.000 bis 15.000 Euro mehr auf seinem Konto, als die Versicherungen garantieren", stellt Öko-Test fest. Da sind die Überschüsse der Versicherungen zwar noch nicht eingerechnet. Doch einige Banksparpläne können in der Musterrechnung selbst die unverbindlichen Hochrechnungen der Versicherer schlagen. So kommt der Riester-Sparplan der Stadtsparkasse Mönchengladbach nach 25 Jahren Laufzeit im Beispiel auf eine Rendite von 3,32 Prozent. Eingeflossen ist neben dem variablen Basiszins und der Förderung auch der steigende Zinsbonus, den die Bank für jedes Spar-Jahr zahlt. Auch die Kreissparkasse Ahrweiler glänzt mit 3,18 Prozent Zinsen auf den Mustervertrag.

Das dicke Ende

Und nun wird es Zeit für die schlechte Nachricht: Von der guten Zinsen hat man im Alter unter Umständen ziemlich wenig. Wie viel genau, das steht erst fest, wenn zum Rentenbeginn die Konditionen für die Auszahlung vereinbart werden. Das Problem dabei: Weil die Rente lebenslang fließen soll, weiß die Bank nicht, wie lange das Geld reichen muss. Sie muss daher eine Versicherung abschließen, die die Rentenzahlung ab dem 85. Geburtstag übernimmt. Ohne diese Versicherung dürften die Banken gar keine Riester-Produkte auflegen. Doch wie viel die Police kosten darf, das hat der Gesetzgeber nicht festgelegt. Ursprünglich hatten die Schöpfer der Riester-Rente an eine Begrenzung auf zehn bis 15 Prozent des Sparkapitals gedacht, so ist es zumindest in den Gesetzentwürfen zu lesen. Am Ende wurden dann gar keine Limits gesetzt. Die Versicherer haben freie Bahn und kassieren im Schnitt 30 Prozent des Sparkapitals, wie "Öko-Test" ausgerechnet hat.

Leben Riester-Sparer länger?

Begründet wird dies mit der hohen Lebenserwartung: Die Versicherer kalkulieren anhand der sogenannten Sterbetafeln, dass Riester-Rentner durchschnittlich 95 bis 99 Jahre alt werden. Das Statistische Bundesamt geht von fast zehn Jahren weniger aus. Zwar müssen die Versicherer einen Teil des großzügigen Puffers wieder auszahlen, wenn das Langlebigkeits-Risiko nicht eintritt, die meisten Versicherten also früher sterben. 25 Prozent des nicht benötigten Kapitals dürfen die Gesellschaften aber behalten – bei momentan 711.000 Riester-Banksparplänen, die irgendwann ausgezahlt werden müssen, winkt ein gutes Geschäft.

Nur eben leider nicht für die Riester-Sparer, wie das Öko-Test-Beispiel zeigt: Von den rund 70.740 Euro, die der Musterkunde bei der Stadtsparkasse Mönchengladbach bis zur Rente angespart hat, gehen 19.130 an die Versicherung. "Würden die Versicherer ihre Policen nicht mit üppigen Sicherheitspuffern kalkulieren, wären sie schon für knapp die Hälfte zu haben", so das Fazit der Tester. Für den Musterkunden würde das immerhin fast 20 Prozent mehr Rente bedeuten.   

Fazit: Kostengünstig und transparent sind Riester-Banksparpläne nur während der Ansparphase. Weil die Bedingungen für die Auszahlung erst zum Rentenbeginn festgeklopft werden, wissen der Sparer trotzdem nicht, was sie im Alter an Rente erwartet. Gewiss ist nur eines: Eine kräftige Subvention für die Versicherer.

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Quelle: n-tv.de

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