Ratgeber

Was ändert sich 2016 ... : ... bei Geld und Kredit?

Hat Ihre Bank schon Ihre Steuer-ID? Kennen Sie Ihre IBAN auswendig? Wenn nicht, wird es jetzt höchste Eisenbahn. 2016 hält für Sparer, Kreditnehmer und andere Bankkunden einige Neuerungen bereit.

Wer sein Konto vor vielen Jahren eingerichtet hat, sollte sichergehen, dass die Bank die Steuer-ID hat.
Wer sein Konto vor vielen Jahren eingerichtet hat, sollte sichergehen, dass die Bank die Steuer-ID hat.

Der Garantiezins für Lebensversicherungen bleibt wider Erwarten auch nächstes Jahr erhalten. So viel ist schon klar. Bei Banken und Bausparkassen werden 2016 aber einige Weichen neu gestellt.

Freistellungsaufträge nur noch mit Steuer-ID

Alte Freistellungsaufträge könnten ab 2016 ungültig werden. Konkret geht es um Fälle, in denen die Steuer-ID des Kunden unbekannt ist. Dann dürfen die Banken die erteilten Freistelllungsaufträge nämlich nicht mehr anerkennen, sondern müssen bei Kapitaleinnahmen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag direkt an das Finanzamt abführen. Einbehaltene Gelder lassen sich dann nur über die Steuererklärung zurückholen.

Betroffen sind Freistellungsaufträge, die vor 2011 erteilt wurden und für die der Bank noch keine Steuer-ID vorliegt. Bei späteren Freistellungsaufträgen war die Angabe schon Pflicht. Wer sich nicht sicher ist, ob die Bank Bescheid weiß, sollte besser nachfragen. Banken sind nämlich nicht verpflichtet, die fehlenden Daten einzuholen. Liegt der Bank oder Sparkasse ein gültiger Freistellungsauftrag einschließlich Steuer-ID vor, bleiben Kapitalerträge bis zu einer Höhe von maximal 801 Euro im Jahr steuerfrei; bei Ehepaaren sind es jährlich 1602 Euro.

IBAN ersetzt die alte Kontonummer

Es war ein Abschied auf Raten, aber im nächsten Jahr ist dann endgültig Schluss mit der alten Kombination aus Kontonummer und Bankleitzahl. Ab 1. Februar wird die International Bank Account Number – kurz IBAN – auch für Transaktionen zwischen Privatleuten innerhalb Deutschlands Pflicht. Die Übergangsregelungen für die Einführung des einheitlichen Zahlungsverkehrsraums SEPA laufen dann endgültig aus.

Die meisten Kunden haben sich den Banken zufolge schon an die 22-stellige IBAN gewöhnt. So schlimm ist die Umstellung auch nicht, denn die Zahlenfolge ist eine Kombination aus der Länderkennung DE, der alten Kontonummer und der alten Bankleitzahl. Neu ist lediglich die zweistellige Prüfnummer. Der Bankencode BIC fällt ab Februar für Überweisungen innerhalb Europas weg.

Mehr Schutz bei Bankeninsolvenz

Wenn eine Bank Pleite geht, müssen Kunden schlimmstenfalls wochenlang um ihr Geld zittern. Künftig sollen sie besser geschützt werden. Derzeit darf es bis zu 20 Tage dauern, bis die Kunden nach der Insolvenz ihr Geld wiedersehen. Ab dem 1. Juni 2016 sollen die Einlagen binnen sieben Tagen zurückerstattet werden, zumindest bei Banken aus Deutschland. Bei ausländischen Instituten kann die Rückerstattung noch bis zu 20 Tage in Anspruch nehmen, die Begrenzung auf sieben Tage gilt hier erst ab spätestens 2024.

In Deutschland gibt es neben der vom Gesetz geregelten Einlagensicherung bereits seit Jahren einen freiwilligen Einlagenschutz, der deutlich über die europaweit geltende gesetzliche Sicherung von bis zu 100.000 Euro pro Kunde hinausreicht. Wird eine Bank oder Sparkasse insolvent, werden die Kunden ihre Einlagen binnen sieben Tagen zurückerhalten. Derzeit darf es bis zu 20 Tagen dauern. Die neue Regelung wird hierzulande ab dem 1. Juni 2016 gelten, in der gesamten Europäischen Union spätestens 2024.

Recht auf Girokonto

Künftig soll jeder ein Girokonto auf Guthabensbasis führen können.
Künftig soll jeder ein Girokonto auf Guthabensbasis führen können.(Foto: imago stock&people)

Die Miete, die Stromrechnung, das Gehalt oder das Arbeitslosengeld – solche Aus- und Einzahlungen laufen in aller Regel über ein Girokonto. Doch was, wenn keine Bank einen als Kunde will? Bislang sind lediglich die Sparkassen in einigen Bundesländern verpflichtet, ein Girokonto für jedermann anzubieten. Künftig soll das sogenannte Basiskonto auch für Privatbanken, Volks- und Raiffeisenbanken Pflicht sein. Das entsprechende Gesetz wird voraussichtlich im Frühjahr verabschiedet.

Das Recht auf ein Basiskonto gilt auch für Wohnungslose, für Asylsuchende und für Personen, die zwar keinen Aufenthaltsstatus haben, aber aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht ausgewiesen werden können. Da diese Menschen oft nicht in der Lage sind, ihre Identität gemäß den Anforderungen des Geldwäschegesetzes nachzuweisen, reichen in Zukunft auch Meldebescheinigungen als Legitimation für eine Kontoeröffnung aus.

Mehr Überblick für Bankkunden

Schon vor Vertragsschluss und auch danach sollen Banken ihre Kunden darüber informieren, welche Entgelte sie für ihre Dienste verlangen. Eine neu eingerichtete Vergleichsseite im Internet soll dabei weiterhelfen, günstige Anbieter zu finden.

Mit einheitlichen Standards soll außerdem der Wechsel der kontoführenden Bank erleichtert werden. Bei einem Wechsel innerhalb Deutschlands sollen das bisherige und das künftige Institut zusammenwirken und dabei – den Anweisungen des Kontoinhabers entsprechend –Überweisungen sowie Lastschriftmandate auf das neue Institut übertragen.

Mehr Rechte für Kreditnehmer

Die EU-Richtlinie für Wohnimmobilienkredite soll Verbraucher EU-weit besser vor möglichen Pfändungen und Zwangsvollstreckungen schützen. Bis Ende März muss Deutschland die Richtlinie umsetzen, der entsprechende Gesetzentwurf sieht auch mehr Transparenz bei Dispokrediten vor. Banken und Sparkassen sollen in Zukunft auf ihrer Webseite gut sichtbar über die Höhe der Dispozinsen informieren.

Bei der Vergabe von Immobilienkrediten sollen Banken künftig die Bonität ihrer Kunden besser prüfen. Wenn eine Bank diese Pflicht vernachlässigt, kann der Kunde seinen Kredit jederzeit kündigen und kommt so ohne Vorfälligkeitsentschädigung aus dem Vertrag. Für die Zeit bis zur Kündigung darf lediglich der übliche Marktzins berechnet werden.

Das neue Gesetz dient natürlich auch dazu, Kreditnehmer vor sich selbst zu schützen. Institute werden kreditsuchende Kunden häufiger als bislang zurückweisen, wenn die Bonität nicht ausreicht.

Darüber hinaus werden sogenannte Kopplungsgeschäfte verboten. Dabei handelt es sich um Darlehen, die nur kombiniert mit Finanzprodukten wie zum Beispiel Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren vermittelt werden. Ausgenommen sind Bauspar- und Riesterverträge.

Der sogenannte Widerrufsjoker, der es Kunden ermöglicht, alte Baudarlehen wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen aufzulösen, wird künftig wohl eingeschränkt. Für den Widerruf soll dann eine Frist von maximal zwölf Monaten und 14 Tagen gelten, um den Banken Rechtssicherheit zu geben.

Bausparkassen bekommen mehr Freiheiten

Bausparkassen wurden konzipiert, um unabhängig von Schwankungen der Marktzinsen günstige und stabile Baufinanzierungen zu gestalten. Doch wegen des niedrigen Zinsniveaus können sie de facto schon lange nicht mehr wirklich unabhängig vom Markt operieren. Zurzeit sammeln Bausparkassen zwar viel Geld an, verdienen aber zu wenig mit ihrem Kernprodukt, dem Bauspardarlehen. Das ist auch ein Grund, warum Bausparkassen Kunden mit noch hoch verzinsten Sparverträgen derzeit durch unzulässige Kündigungen loswerden wollen.

Ein für Frühjahr 2016 geplantes Gesetz soll den Bausparkassen zwar Kündigungen nicht erleichtern, aber festschreiben, dass die Kunden Mitglieder einer "Zweckspargemeinschaft" mit besonderen Regelungen sind. Außerdem lässt der Entwurf weitere Möglichkeiten zu, bestehende Verträge einseitig mit Zustimmung der Finanzaufsicht zu kündigen.

Außerdem soll den Bausparkassen die Möglichkeit eingeräumt werden, auch Pfandgeschäfte zu betreiben. Damit sollen ihnen neue Wege eröffnet werden, sich zu refinanzieren - zum Beispiel, um Darlehen zu gewähren oder Neutarife zu finanzieren. Darüber hinaus sollen die Gesellschaften neben den angestammten Bausparkassendarlehen in Zukunft in höherem Umfang als bisher Baudarlehen gewähren können.

Außerdem sollen die Beleihungsgrenzen, also die maximale Höhe, bis zu der die Bausparkassen die von ihnen finanzierten Objekte beleihen dürfen, nicht mehr auf 80 Prozent des Wertes begrenzt bleiben, sondern künftig auf 100 Prozent erhöht werden. Kostet ein Objekt zum Beispiel 300.000 Euro, dann können bisher 240.000 Euro als Darlehen bewilligt werden; künftig soll es der volle Betrag sein. Banken und Sparkassen beleihen in aller Regel nur um die 60 Prozent. Wer eine höhere Grenze wünscht, der zahlt einen Zinsaufschlag.

Quelle: n-tv.de

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