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Fahrradstraßen dürfen oft auch von Autos genutzt werden.
Fahrradstraßen dürfen oft auch von Autos genutzt werden.(Foto: imago stock&people)

Darf man eigentlich …: … mit dem Auto in Fahrradstraßen fahren?

In den 1920er-Jahren wurden in Deutschland die ersten Radwege angelegt. Die Straßen sollten allein dem motoriserten Verkehr gehören. Heute geht der Trend in die andere Richtung: Aus Straßen werden Fahrradstraßen. Müssen Autos draußen bleiben?

Berlin, Linienstraße. "Fahrradstraße" sagt das blaue Schild an der Einmündung. Täglich drängen sich tausende Radler an geparkten Autos vorbei über die verbleibenden eineinhalb Fahrspuren. Aber was haben die Wagen hier überhaupt verloren? Sind Fahrradstraßen für Autos nicht verboten?   

Der Name legt das ja nahe. Deutschlandweit waren im Jahr 2014 über 140 Straßen ganz oder abschnittsweise als "Fahrradstraße" ausgewiesen. Das ist die letzte bekannte Zahl, inzwischen dürften es noch einige mehr sein. Das entsprechende Schild erinnert an das für Radwege - ein weißes Rad auf blauem Grund -,  nur dass der Kreis hier noch von einem weißen Viereck gerahmt ist, auf dem  "Fahrradstraße" steht. Zusätzlich lassen Fahrradpiktogramme auf dem Boden keinen Zweifel daran, wo man sich befindet.

Gibt es keine zusätzlichen Hinweise, ist die Fahrradstraße ausschließlich dem Radverkehr vorbehalten. Autos, Roller und Motorräder haben hier nichts verloren. Skater werden in der Straßenverkehrsordnung wie Fußgänger behandelt, sie müssen also auch in Fahrradstraßen auf dem Gehweg oder am Fahrbahnrand rollen. Nur wenn die Fahrradstraße ausdrücklich auch für sie geöffnet ist, können sie gleichberechtigt die Fahrbahn nutzen.

Gerade in den Innenstädten wollen die Kommunen Autos oft nicht komplett aussperren. Dann ist das Fahrradstraßen-Schild durch ein Zusatzzeichen ergänzt, das die Straße auch für den motorisierten Verkehr freigibt. Entweder heißt es dann "Anlieger frei" oder auch gleich "Kfz-Verkehr frei", manchmal aber nur in einer Fahrtrichtung.

Radler bestimmen das Tempo

Wer mit dem Auto in eine Fahrradstraße einfährt, muss sich natürlich an die dort geltenden Regeln halten. Die wichtigste: Radler haben auf Fahrradstraßen Vorrang, alle anderen müssen sich anpassen. Radfahrer dürfen also nebeneinander fahren, auch wenn Autos nicht an ihnen vorbeikommen. Normalerweise ist Nebeneinanderfahren nur erlaubt, wenn der sonstige Verkehr dadurch nicht behindert wird. Diesmal ist es umgekehrt: Autofahrer müssen sich auf Fahrradstraßen so verhalten, dass sie den Fahrradverkehr weder gefährden noch behindern. Beim Überholen müssen sie mindestens 1,5 Meter Sicherheitsabstand lassen. Außerdem gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Wenn nötig, müssen  Autos und Motorräder ihr Tempo aber auch deutlich reduzieren.

Die Vorfahrtsregeln sind durch Fahrradstraßen – zum Leidwesen vieler Nutzer – nicht außer Kraft gesetzt. Sprich: Sofern nichts anderes geregelt ist, gilt "rechts vor links". Ein Pkw, der von rechts kommt, hat also Vorfahrt gegenüber den Radlern auf der Fahrradstraße. Zudem gilt auch für Radfahrer das Rechtsfahrgebot – auch, damit sie andere Radler nicht behindern. Denn natürlich greift auch auf Fahrradstraßen die wichtigste Regel der Straßenverkehrsordnung: Das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Quelle: n-tv.de

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