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Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer(Foto: dpa)

Schlüsselfigur in der WM-Affäre: Beckenbauer tritt freiwillig als TV-Experte ab

Seit 25 Jahren ist Franz Beckenbauer Experte im Bezahlfernsehen und bleibt es auch, als seine Verstrickung in die deutsche WM-Affäre immer deutlicher wird. Nun kündigt er urplötzlich seinen Rückzug an - aus persönlichen Gründen, ein Jahr vor Vertragsende.

Der TV-Experte Franz Beckenbauer ist bald Fußballgeschichte. Nach einem Vierteljahrhundert beendet Beckenbauer seine Arbeit für den Bezahlsender Sky auf eigenen Wunsch, vorzeitig und völlig überraschend. Der Sender gab wenige Stunden vor dem Anpfiff des Champions-League-Spiels des FC Bayern München gegen Juventus Turin (ab 20.45 Uhr im n-tv.de Liveticker) bekannt, dass Beckenbauer im Rahmen des Achtelfinal-Rückspiels seinen "vorerst letzten" Auftritt haben werde.

"Nach den turbulenten Ereignissen der letzten Monate, insbesondere auch nach dem schweren privaten Schicksalsschlag, ist es der Wunsch von Franz Beckenbauer, mehr Zeit für sich und seine Familie zu haben", hieß es in einer Sky-Mitteilung mit Blick auf den Tod von Beckenbauers Sohn Stephan sowie seine Schlüsselrolle in der Affäre um die mutmaßlich gekaufte WM 2006, die zu heftiger Kritik geführt hatte. Deshalb habe Beckenbauer Sky gebeten, die langjährige Zusammenarbeit nach dieser Partie auf unbestimmte Zeit nicht fortzuführen. Sein Vertrag lief noch bis 2017.

"Möchte ich mir eine Pause gönnen"

"Ich bin jetzt 70 Jahre alt, stehe seit über 50 Jahren in der Öffentlichkeit und bin für den Fußball - ob als Spieler, Trainer oder Funktionär - zig Mal um die Welt gereist. Nach so langer Zeit möchte ich mir eine Pause gönnen", wurde Beckenbauer zitiert. Zu Beginn seines letzten Experten-Auftritts fügte er an: "Wenn man 25 Jahre einem Sender dient, fällt der Abschied schwer. Der Wunsch kam von mir. Ich habe gewisse Ermüdungserscheinungen durch die letzten Jahre, die sehr schwierig für mich waren. Gott sei dank hat die  Spitze von Sky mich aus dem Vertrag entlassen."

Der "Kaiser" arbeitet seit 25 Jahren als Experte für die Unterföhringer und gehörte schon im ersten Sendejahr 1991 zur Mannschaft von Sky-Vorgänger Premiere. Carsten Schmidt, CEO von Sky Deutschland, erklärte, man respektiere Beckenbauers Wunsch und nehme ihn "mit Bedauern zur Kenntnis".

Schlüsselfigur in WM-Skandal

Laut "Spiegel" sollen Beckenbauers Verwicklung in die WM-Affäre und seine dadurch verursachte häufige Abwesenheit sowie Angespanntheit zu Diskussionen in der Sky-Redaktion geführt haben. Die Zusammenarbeit sei immer schwieriger geworden.

Der Anfang März veröffentlichte Freshfields-Bericht weist Beckenbauer eine Schlüsselrolle in der WM-Affäre zu. So hatte Beckenbauer vor der Vergabe der WM 2006 an Deutschland einen dubiosen Vertrag mit dem korrupten Weltverbands-Vizepräsidenten Jack Warner unterzeichnet, der vom DFB als Bestechungsversuch gewertet wird und teilweise in Kraft trat. Zudem lief eine verdächtige Millionen-Zahlung im Jahr 2002, die letztlich in Katar landete, über eines seiner Konten.

Beckenbauer war erst Chef des Bewerbungskomitees, das die WM 2006 unter ungeklärten Umständen nach Deutschland geholt hatte. Später stand er dem Organisationskomitee vor. Vorwürfe gegen ihn hatte er in Interviews unter anderem mit der Begründung zurückgewiesen, Dokumente wie den Warner-Vertrag immer blind unterzeichnet zu haben. Auch die Zahlungen nach Katar seien über seinen damaligen, inzwischen verstorbenen Manager Robert Schwan gelaufen, der ebenfalls Zugriff auf das Konto gehabt habe. Er habe keine detaillierten Kenntnisse gehabt.

Quelle: n-tv.de

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