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Auf einer emotionalen Pressekonferenz verabschiedete sich Huub Stevens - als Trainer von 1899 Hoffenheim und wohl auch endgültig als Fußballtrainer.
Auf einer emotionalen Pressekonferenz verabschiedete sich Huub Stevens - als Trainer von 1899 Hoffenheim und wohl auch endgültig als Fußballtrainer.(Foto: dpa)

Stevens-Abschied aus Hoffenheim: Das Herz zwingt den "Knurrer" zum Rücktritt

Von Christoph Wolf

Es ist ein überraschender Abgang, und ein höchst emotionaler: Herzprobleme zwingen Huub Stevens zum Rücktritt als Trainer beim Bundesliga-Vorletzten Hoffenheim, seine Trainerkarriere scheint vorbei. Sein Klub wird davon völlig überrumpelt.

Huub Stevens sieht angeschlagen aus, seine Stimme stockt, als er auf einer emotionalen Pressekonferenz die Gründe für seinen überraschenden Rücktritt als Trainer des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim darlegt. Anfang der Woche diagnostizierte Herzrhythmusstörungen hätten ihn dazu bewogen, mitten im Abstiegskampf sein Amt niederzulegen. Damit endet sehr wahrscheinlich nicht nur seine Amtszeit in Hoffenheim nach nur 107 Tagen, sondern auch seine Trainerlaufbahn. "Ich denke schon", antwortet Stevens sichtlich bewegt auf die Frage, ob seine Karriere mit dem Rücktritt als TSG-Coach beendet sei: "Der Knurrer ist nicht mehr, schade!"

Bei Stevens wurden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert.
Bei Stevens wurden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert.(Foto: dpa)

Erst Ende Oktober hatte er die Hoffenheimer von Markus Gisdol übernommen, den Abwärtstrend aber nicht stoppen können. Ein Sieg und acht Punkte in zehn Spielen lautet seine magere Ausbeute, zuletzt gab es daheim ein 0:2 gegen Aufsteiger Darmstadt. Nach 20 Spieltagen liegt Hoffenheim mit nur 14 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Angesichts dieser Bilanz schien zunächst auch ein "Gentlemen's Agreement" denkbar, als am Vormittag die Nachricht von Stevens' Abgang publik wird: Gesundheitliche Probleme als offizielle Sprachregelung, um dem Trainer einen ehrenhaften Abschied zu ermöglichen.

Die emotionale Pressekonferenz macht deutlich: Stevens ist nicht gegangen worden, aber freiwillig gegangen ist er auch nicht. Dem 62-Jährigen ist anzusehen, wie schwer ihm der Rücktritt mitten im Hoffenheimer Überlebenskampf fällt. Von Bremen auf Relegationsplatz 16 trennen 1899 bereits fünf Punkte, vom ersten Nichtabstiegsplatz schon sieben. Im direkten Duell mit Werder hat Hoffenheim am Samstag ein Sechs-Punkte-Spiel um den Klassenerhalt. Stevens wird dann nicht mehr dabei sein - um sich zu helfen und dem Verein.

"Das ist hart, aber es ging nicht anders"

Huub Stevens im Stenogramm

Hubertus Jozef Margaretha Stevens, genannt Huub.

geboren am 29. November 1953 in Sittard

Erfolge als Spieler: Uefa-Cup-Sieger 1978,  niederländischer Meister 1976, 1978, 1986, niederländischer  Pokalsieger 1976 (jeweils mit der PSV Eindhoven), 18 Länderspiele für die Niederlande

Erfolge als Trainer: Uefa-Cup-Sieger 1997, DFB-Pokal-Sieger  2001, 2002 (jeweils mit Schalke 04), österreichischer Meister 2010  (mit Red Bull Salzburg), Trainer des Jahres 2010 in Österreich

Trainerstationen: 1993 bis 1996 Roda Kerkrade, 1996 bis 2002 Schalke  04, 2002 bis 2003 Hertha BSC, 2004 bis 2005 1. FC Köln, 2005 bis  2007 Roda Kerkrade, 2007 bis 2008 Hamburger SV, 2008 bis 2009 PSV  Eindhoven, 2009 bis 2011 Red Bull Salzburg, September 2011 bis 16.  Dezember 2012 Schalke 04, 1. Juli 2013 bis 2. März 2014 PAOK  Saloniki, 9. März bis 10. Mai 2014 und 25. November bis 30. Juni  2015 VfB Stuttgart, 26. Oktober 2015 bis 10. Februar 2016 1899  Hoffenheim (Rücktritt und Abschied von der Trainerbühne)

 Der Klub benötige "einen Trainer, der 120 Prozent" bringen kann, um den Klassenerhalt noch zu schaffen. Dazu sieht sich Stevens, der in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils den VfB Stuttgart vor dem Klassenerhalt gerettet hatte, nicht in der Lage.  Einen Zusammenhang zwischen seinen Herzproblemen und seinem Dauer-Engagement im zehrenden Bundesliga-Abstiegskampf verneint Stevens: "Das glaube ich nicht. Das Herz hat Störnisse oder nicht. Das kommt nicht vom Abstiegskampf. Aber Du weißt, was auf dich zukommt. Und da musst du fit sein. Da kommen noch so viele Spiele, Trainings und auch Pressekonferenzen, die nicht so einfach sind."

Erst in der Nacht zum Mittwoch habe er die Entscheidung getroffen, nachdem er am Montag bei einer Untersuchung in der Uniklinik Heidelberg Gewissheit über seine Herzprobleme erhalten hatte. Die Ärzte hätten ihm zwar nicht explizit zu diesem Schritt geraten. Aber, betont Stevens: "Ich habe immer gesagt, dass Gesundheit das Wichtigste ist. Ich finde, du musst ehrlich sein gegenüber dir selbst. Das ist hart, aber es ging nicht anders."

Eventuell sei in "kürzerer Zukunft" auch eine Operation notwendig. Dabei handele es sich laut Stevens aber um einen Routineeingriff. Nach insgesamt 46 Jahren als Spieler und Trainer, davon zwölf in den Fußball-Bundesligen bei sechs verschiedenen Klubs, wolle er künftig andere Prioritäten setzen: "Ich habe nicht mehr so viele Jahre, aber die Jahre will ich dann doch noch versuchen zu genießen." Das Risiko sei "einfach zu groß, dass etwas passiert, was ich nicht will".

Überraschend und nachvollziehbar

Für 1899 Hoffenheim kommt Stevens' Entscheidung drei Tage vor dem Abstiegsendspiel in Bremen zur Unzeit. Sportchef Alexander Rosen sagte, der Verein sei am Vormittag von der Entwicklung völlig überrascht worden. Bei einigen Spielern seien Tränen geflossen.  Die Gründe für Stevens' Abschied seien aber "absolut nachvollziehbar".

Das Training am Mittwoch leiteten zunächst die Stevens-Assistenten Alfred Schreuder und Armin  Reutershahn. Als sehr wahrscheinlich gilt aber, dass der eigentlich erst für die kommende Spielzeit als Cheftrainer verpflichtete Julian Nagelsmann sofort zum Stevens-Nachfolger gemacht wird. Rosen deutete an, dass der 28-Jährige schon in Bremen auf der Trainerbank sitzen könnte.

Bis Mitte  März muss Nagelsmann zwar noch den Lehrgang zur Fußballlehrerlizenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)  absolvieren. Da laut Rosen aber "nur" noch Prüfungen anstehen, wäre ein vorzeitiger Trainereinstieg in Hoffenheim wohl durchaus machbar. Dass bis Saisonende noch ein anderer Trainer von außen verpflichtet werden könnte, schloss Rosen aus.

Quelle: n-tv.de

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