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"Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht."
"Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht."(Foto: imago sportfotodienst)

"Beckenbauer des Ostens": "Dixie" Dörner bleibt seiner Liebe treu

Er spielte einen modernen Libero und war ein technisch versierter Fußballer: Hans-Jürgen "Dixie" Dörner. 100 Mal lief er für die DDR auf. Allerdings wollte es mit der Trainerkarriere dann nicht so richtig klappen. Dörners große Liebe ist und bleibt Dynamo Dresden.

Hans-Jürgen Dörner bestritt 392 Oberligaspiele für Dynamo Dresden.
Hans-Jürgen Dörner bestritt 392 Oberligaspiele für Dynamo Dresden.

Seit mehr als sechs Jahrzehnten rufen die Menschen ihn "Dixie" - warum, das weiß Hans-Jürgen Dörner nicht. "So wurde ich schon als kleiner Junge in Görlitz genannt. Aufklären konnte mir den Spitznamen aber keiner", sagt er. Im Fußball-Osten, vor allem unter den Fans von Dynamo Dresden, ruft der Name "Dixie" Dörner noch immer Bewunderung hervor.

Nun feiert der 100-malige Auswahlspieler der DDR seinen 65. Geburtstag. "Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Vor allem die letzten 15 Jahre sind fast verflogen", sagt Dörner. Seinen Geburtstag werde er wie immer im kleinen Kreis feiern: "Es wird keinen großen Bahnhof geben. Ich gehe mit meiner Familie abends essen, das war's."

Richtig feiern will Dörner erst im Mai. Dann soll der Aufstieg seines Herzensklubs Dynamo Dresden in die zweite Liga perfekt sein. Die bislang souveränen Auftritte des Drittliga-Spitzenreiters und die neue Euphorie in Dresden erfreut Dörner als Fan und Mitglied der Dynamo-Aufsichtsrats gleichermaßen. "Ich denke, dass es für uns hoch gehen wird", sagt er.

Olympiasieg mit der DDR-Auswahl 1976

100 Länderspiele für die DDR.
100 Länderspiele für die DDR.

Und irgendwann will er seine Gelb-Schwarzen auch wieder in der Bundesliga spielen sehen: "Von der ersten Liga träumen wir doch alle. Aber das wird noch ein bisschen dauern." Dörner selbst war einer der besten Spieler, die die DDR hervorgebracht hat. Man nannte ihn den "Beckenbauer des Ostens", auch wenn er diesen Vergleich nie wirklich mochte. "Ja, wir waren beide Liberos, aber wir haben etwas anders gespielt", erklärt der langjährige Dynamo-Kapitän: "Außerdem hatte Beckenbauer mehr Erfolge, weil er auch in einem anderen System gespielt hat."

Doch auch Dörners Bilanz kann sich sehen lassen: Olympiasieg 1976, 392 Oberligaspiele für Dynamo (65 Tore), 68 Europapokalspiele (6), 100 Länderspiele (9), drei Auszeichnungen zum DDR-Fußballer des Jahres. Nur mit der Trainerkarriere wollte es nicht so recht klappen.

WM 1974 wegen Gelbsucht verpasst

Nach der Wende wechselte Dörner in den Trainerstab des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), danach bekam er als erster ehemaliger DDR-Trainer bei Werder Bremen die Chance, in der Bundesliga zu arbeiten. Zwar rettete Dörner den Traditionsklub vor dem Abstieg, doch im August 1997 wurde er nach einem schwachen Saisonstart entlassen.

Danach flatterte für ihn nie wieder ein gutes Trainerangebot ins Haus. "Wir Osttrainer hatten kein großes Standing", meint Dörner: "Das wurmt mich schon, dass es als Trainer nicht so gut gelaufen ist."

Eine Sache ärgert Dörner noch viel mehr als die fehlenden Meriten als Coach. Nicht rechtzeitig genesen von einer Gelbsucht hatte er die WM 1974 verpasst. Beim 1:0-Sensationssieg der DDR gegen den späteren Weltmeister Bundesrepublik Deutschland in Hamburg jubelte Dörner auf der heimischen Couch mit. "Das hatte ja niemand erwartet. Aber am Ende war der Sieg nicht so gut für uns", sagt er.

Die DDR ist seit 25 Jahren Geschichte. Fast alle großen Traditionsklubs des Ostens tummeln sich inzwischen in der 3. Liga, während der finanzstarke Emporkömmling RB Leipzig längst an ihnen vorbeigezogen ist. Dörner hat die Hoffnung aber nicht aufgegeben, dass langfristig "zwei oder drei" Ostvereine in der Bundesliga spielen werden. Am liebsten natürlich Dynamo Dresden.

Quelle: n-tv.de

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