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Spanischer Zoff vorm Pokalfinale: FC Barcelona gewinnt bizarren Flaggenstreit

Meister FC Barcelona gegen Europa-League-Dauergewinner FC Sevilla, das spanische Pokalfinale ist ein "Duell der Champions". Doch statt über Fußball diskutiert Spanien über Politik, denn ein hitzig geführter Flaggenstreit überschattet die Partie.

Stell dir vor es ist Pokalfinale, und niemand redet über Fußball. Genau diese Situation gibt es derzeit in Spanien vor dem Endspiel der "Copa del Rey". Denn das Spiel zwischen Meister FC Barcelona und dem seit Mittwoch fünfmaligen Europa-League-Sieger FC Sevilla am Sonntag im Madrider Vicente-Calderón-Stadion steht im Schatten eines Flaggenstreits. Ausgelöst hat ihn die Präfektin Concepción Dancausa.

Dass um diesen Pokal gespielt wird, geriet in Spanien in den Hintergrund.
Dass um diesen Pokal gespielt wird, geriet in Spanien in den Hintergrund.(Foto: dpa)

Sie hatte zunächst entschieden, dass die Barça-Fans auf den Rängen keine katalanischen Separatistenflaggen schwenken dürfen. Ein Verwaltungsgericht in Madrid hob das Verbot nun wieder auf. Die der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy unterstellte Spitzenbeamtin hatte mit ihrer Entscheidung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

In Katalonien protestierten alle politische Parteien gegen das Flaggenverbot. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont und Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau sahen darin eine Attacke auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit und kündigten an, das Finale zu boykottieren. Der FC Barcelona ließ das Verbot anfechten und hatte damit Erfolg. Der zuständige Richter am Madrider Verwaltungsgericht erklärte, es sei nicht erwiesen, dass die Separatistenflaggen "zu Gewalt und Rassismus, zu Fremdenfeindlichkeit oder irgendeiner anderen Art von Diskriminierung anstiftet, die die Menschenwürde verletzt", wie die Nachrichtenagentur EFE aus der Urteilsbegründung zitierte.

"Kolossaler Fehler"

Auch Politiker, die mit dem Separatismus nichts am Hut haben und für die Zugehörigkeit Kataloniens zu Spanien eintreten, hatten das Verbot beklagt. "Die Entscheidung der Regierung erwies sich als ein Eigentor", meinte die in Barcelona erscheinende Zeitung "El Periódico". Das Madrider Blatt "El País" sprach von einem "kolossalen Fehler".

Regierungschef Rajoy ging auf Distanz zur Präfektin und sagte, das Flaggenverbot falle nicht in seine Zuständigkeit. Innenminister Jorge Fernández Díaz beklagte: "Es ist schade, dass ein Fußballfest einen politischen Disput auslöst."

Dancausa hatte das Verbot damit begründet, dass eine Fußballarena nicht zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen werden dürfe. Sie berief sich auf das spanische Sportgesetz. Juristen wiesen jedoch darauf hin, dass dort lediglich Symbole für illegal erklärt würden, die zu Hass und Gewalt aufriefen. Dies könne man von der Separatistenflagge jedoch nicht behaupten. Die Fahne ähnelt der offiziellen Flagge der Region Katalonien mit vier roten Streifen auf gelbem Grund. Sie weist nur einen Unterschied auf: Sie trägt zusätzlich ein blaues Dreieck mit einem weißen Stern und wird daher "La Estelada" (die mit einem Stern Versehene) genannt.

Wer holt das Double?

Bei dem Streit geriet fast in Vergessenheit, dass sich im Pokalendspiel zwei Teams gegenüberstehen, die in den vergangenen zehn Jahren mehrfach die Champions- und die Europa League gewannen. Das Sportblatt "Mundo Deportivo" sprach vom "Finale der Champions". Barça hatte sich am vorigen Samstag erneut den Meistertitel in der Primera División gesichert. Mit einem Pokalsieg wollen Lionel Messi & Co ein Double schaffen und ihre Fans darüber hinwegtrösten, dass es in der Champions League mit der Titelverteidigung nicht geklappt hat. "Unsere Bilanz dieser Saison war zwischen gut und sehr gut", meinte Abwehrchef Gerard Piqué.

Der Gegner FC Sevilla will vier Tage nach dem Gewinn der Europa League die Spielzeit mit einem Erfolg in der Copa del Rey (Königspokal) krönen. "Wir werden sicher nicht so frisch sein wie die Barça-Spieler", räumte Sevillas Kapitän Coke ein. "Aber nach dem Sieg über den FC Liverpool werden wir mit positiver Energie geladen sein."

Quelle: n-tv.de

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