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Bitterer Moment für den VfL: Bayer-Stürmer Arjen Robben "geht liegen". Und es gibt Elfmeter und Rot gegen Bochum.
Bitterer Moment für den VfL: Bayer-Stürmer Arjen Robben "geht liegen". Und es gibt Elfmeter und Rot gegen Bochum.(Foto: imago/Horstmüller)

Als Robben in Bochum "liegen ging": Freudloser FC Bayern gibt Rätsel auf

Von Stefan Giannakoulis, Bochum

So etwas heißt Pflichtsieg, so sieht es auch aus: Nach dem Erfolg beim VfL Bochum steht der FC Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals. Doch Josep Guardiolas Ensemble agiert seltsam kreativlos gegen einen dezimierten Zweitligisten.

Es war schon niedlich, wie sie sich in Bochum vorher Mut gemacht hatten. "Wenn die Mannschaft mutig spielt, die Bayern aggressiv stört, ist alles möglich. Außerdem wird das Stadion ein Hexenkessel sein, die Fans werden die Mannschaft anpeitschen", sagte der ehemalige Spieler Frank Benatelli im Gespräch mit der "WAZ" mit der Expertise des Mannes, der beim einzigen Sieg des VfL Bochum in München 1991 in der 81. Minute das 0:2 erzielt hatte. Und: Der Heimspieleffekt sei nicht zu unterschätzen.

Nur was stört das den FC Bayern, der seit Menschengedenken in ausverkauften Stadien spielt, ob daheim oder auswärts? So kam es an diesem kalten und nassen Mittwochabend, wie es viele geahnt hatten: Der deutsche Fußballmeister gewann sein Viertelfinalspiel beim Zweitligisten mit 3:0 (0:1) und darf nun im Halbfinale am 19. oder 20. April gegen Werder Bremen antreten, während die Berliner Hertha auf die Dortmunder Borussia trifft. Und die Bochumer? Durften sich über ein mit 28.000 Zuschauern ausverkauftes Ruhrstadion und mithin eine in der Tat stimmungsvolle Kulisse freuen. Und über eine Leistung, für die sie sich nicht schämen müssen. Was für die einen ein Pflichtsieg war, erschien den anderen doch arg unglücklich.

Komplimente über Komplimente

VfL Bochum - Bayern München 0:3 (0:1)

Tore: 0:1 Lewandowski (39.), 0:2 Thiago (61.), 0:3 Lewandowski (90.)

Rote Karte: Simunek (43.)

Bes. Vork.: Riemann hält FE von Müller (44.)

Bochum: Riemann - Celozzi, Fabian, Bastians, Perthel (29.  Simunek) - Losilla, Hoogland - Bulut, Eisfeld (46. Cacutalua),  Haberer - Terodde (65. Mlapa)

München: Neuer - Lahm (75. Bernat), Kimmich, Badstuber (80.  Vidal), Alaba - Alonso (64. Rafinha) - Robben, Thomas Müller,  Thiago, Costa - Lewandowski

Referee: Dankert  Zus.: 28.000

Trainer Gertjan Verbeek befand dann auch wenig überraschend: "Für die ganze Vorstellung meiner Mannschaft kann ich ihr nur ein Kompliment machen." Und schaltete flugs auf den Zweitligamodus um, schließlich liebäugeln die Bochumer als Tabellenfünfter noch mit dem Aufstieg. "Ich hoffe, dass wir diese Leistung auch am Montag in Nürnberg bringen können, denn das ist wichtig für die Meisterschaft." Sein Kollege Josep Guardiola assistierte: "Großes Kompliment an Bochum. Wir waren nicht überrascht." Ansonsten gelte: "Wir sind, wo wir in der letzten Saison waren - im Halbfinale." Dort waren die Münchner an der vergangenen Saison am BVB gescheitert. Klar, dass es nun gerne etwas mehr sein darf.

In Bochum hatten Guardiolas Bayern allerdings viel der ihnen sonst eigenen Begeisterung und Kreativität vermissen lassen, waren ein wenig aufgetreten wie in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, ganz nach dem Motto: Nicht mehr als nötig tun, Hauptsache gewonnen, Mund abputzen, fertig. Spaß am Spiel sieht anders aus; wie, das hatten die Münchner noch in der Vorrunde gezeigt. Doch seit der Pause im Winter läuft es nicht mehr so, wie sie sich das wünschen. Wo der Elan geblieben ist, wirkt ein wenig rätselhaft. Das weiß auch Guardiola, auch wenn er lieber nicht darüber reden mochte. Er lobte lieber die "große Aggressivität und Intensität" des Gegners und konstatierte gewohnt höflich: "Das Spiel war für uns sehr schwer. Bis zum zweiten Tor von Thiago war nichts entschieden."

"Da geht er liegen"

In der Tat schwärmten sie auf der Tribüne des Ruhrstadions schon von der "besten Anfangsviertelstunde der Vereinsgeschichte", in der die Bayern kein einziges Mal aufs Tor schossen, Bochums Angreifer Simon Terodde hingegen zwei gute Chancen ausließ. Und auch danach lief es lange gut für den Außenseiter, der klug, konsequent, bissig verteidigte und doch auch Fußball spielte, stets mit dem erkennbaren Ziel, ein Tor zu schießen. Der VfL agierte so, wie Trainer Gertjan Verbeek es angekündigt hatte: "Man hat gesehen, dass wir einen Plan hatten." Und doch war es Robert Lewandowski, der nach 39 Minuten den ersten Treffer erzielte - nach dem ersten schlagkräftigen Angriffszug der Bayern. "Ein Qualitätstor", wie Verbeek anerkannte. Die Szene, die die Partie entschied, folgte dann zwei Minuten vor der Pause. Der eingewechselte Jan Simunek foulte im Strafraum den Münchner Arjen Robben; oder wie es Bochums Trainer ausdrückte: "Da geht er liegen." Ja, einen Kontakt habe er auch gesehen. Aber: "Der Stürmer sucht den Kontakt und lässt sich fallen."

Schiedsrichter Bastian Dankert jedenfalls entschied auf Elfmeter, was die Bochumer noch verschmerzen konnten, da ihr Torhüter Manuel Riemann den Schuss von Thomas Müller abwehrte. Empfindlich aber traf den VfL die Tatsache, dass Simunek mit Rot vom Platz musste. Das war's mit dem Traum vom Pokalcoup. Da dürfte es ein schwacher Trost sein, dass Münchens Guardiola hinterher wie sein Bochumer Kollege befand: "Ein Elfmeter ist Strafe genug. Diese Regel ist lächerlich, sie muss geändert werden." Schließlich sei es so: "Im nächsten Spiel kann es uns treffen."

Die Bayern spulten in der zweiten Halbzeit ihren Ballbesitzfußball ab, Thiago Alcântara erhöhte nach einer guten Stunde auf 2:0, Robert Lewandowski in letzter Minute auf 3:0. Und die Bochumer Fans mussten sich damit abfinden, dass es nicht so gekommen war, wie sie es sich erhofft hatten: "Blau und Weiß zur Sensation" hatten sie auf ein Plakat geschrieben und vor die in die Vereinsfarben gehüllte Osttribüne gehängt, die übrigens bereits eine Stunde vor dem Anpfiff pickepackevoll war. Robben, der nach seiner Elfmeteraktion beständig ausgepfiffen wurde, hatte nach dem Schlusspfiff noch ein Bonbon für den VfL: "Die Bundesliga verdient eine Mannschaft wie Bochum." Klang irgendwie niedlich. Ehrlicher war da Verbeek: "Ich wünsche den Bayern, dass sie noch viele Preise in dieser Saison gewinnen. Von mir aus sollen sie auch den Pokal gewinnen. Dann können wir wenigstens sagen, dass wir gegen den Titelträger ausgeschieden sind."

Quelle: n-tv.de

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