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Uli Hoeneß bei Werbeaufnahmen mit  einem Bratwurst-Burger.
Uli Hoeneß bei Werbeaufnahmen mit einem Bratwurst-Burger.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 23. April 2013

Elf Fragen und Antworten : Hoeneß droht Gefängnis

Von Christian Rothenberg

Über Jahre gilt er als Saubermann und Legende. Doch plötzlich steht das Lebenswerk von Uli Hoeneß auf dem Spiel. Gegen den Bayern-Präsidenten wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Aber wie kam es dazu? Und muss der 61-Jährige sogar ins Gefängnis? Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Fall Hoeneß.

Muss Hoeneß ins Gefängnis?

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Das ist noch nicht sicher. Es hängt davon ab, ob es ein Strafverfahren gibt. Erst wenn Hoeneß' Selbstanzeige unvollständig ist oder Hoeneß bereits von einem bereits eingeleiteten Verfahren wusste, kommt es tatsächlich zu einem Strafver fahren. Dann droht Hoeneß sogar eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren: Was auf ihn zukommt, hängt vom konkreten Fall ab. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2012 stehen die Chancen schlecht, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, wenn der Schaden über einer Million Euro liegt. Boris Becker schrammte einst noch knapp an einer Gefängnisstrafe vorbei. Nachdem der frühere Tennis-Star 1,7 Millionen Euro hinterzogen hatte, wurde er zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und insgesamt 500.000 Euro Geldbuße verurteilt.

Muss Hoeneß als Bayern-Präsident zurücktreten?

Das muss der FC Bayern München entscheiden. Das Wenige, was Uli Hoeneß seit dem Bekanntwerden seiner Steueraffäre gesagt hat, klingt nicht danach. Er werde weder als Präsident noch als Aufsichtsrat des FC Bayern zurücktreten, hat er wissen lassen. Beim Spiel gegen den FC Barcelona will er sogar wieder im Stadion sein. Von anderen Vorstandsmitgliedern wie Karl-Heinz Rummenigge oder Matthias Sammer gab es bisher keine Forderungen nach Hoeneß' Rücktritt.

Warum zeigte sich Hoeneß gerade jetzt selbst an?

Rücktritt, Hoeneß? Die Bayern-Fans sind eindeutig dagegen.
Rücktritt, Hoeneß? Die Bayern-Fans sind eindeutig dagegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Ursprünglich wollte Hoeneß die Angelegenheit über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln, das jedoch Ende 2012 endgültig scheiterte. Wenn das Abkommen wie geplant in Kraft getreten wäre, hätten sich Steuerbetrüger nicht vor dem Finanzamt offenbaren müssen. Die, die in der Schweiz nichtversteuerte Gelder haben, hätten dies mit einer anonymen pauschalen Einmalzahlung legalisieren können.

Wie war das mit der Hausdurchsuchung?

Nicht auf jede Selbstanzeige hin folgt auch eine Hausdurchsuchung. "Dass die Fahnder Hoeneß' Haus am Tegernsee durchsucht haben, könnte darauf hinweisen, dass die Selbstanzeige möglicherweise zu spät kam und unwirksam ist", erklärt Steuerexperte Michael Bormann im Gespräch mit n-tv.de. Ein anderer Grund könnte sein, dass sie nicht alle Tatbestände erfasst und nicht alle hinterzogenen Steuern angezeigt wurden.

Was sagen sie beim FC Bayern München zum Thema Hoeneß?

Sein Lebenswerk: Erst Uli Hoeneß machte die Bayern zum Rekordmeister.
Sein Lebenswerk: Erst Uli Hoeneß machte die Bayern zum Rekordmeister.(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht viel. Jupp Heynckes sagte am Wochenende nach dem 6:1-Sieg gegen Hannover 96: "Bei uns gibt es immer irgendwelche Meldungen und Äußerungen und was weiß ich. Das schärft die Sinne, das macht uns noch aufmerksamer und noch ehrgeiziger. Meine Mannschaft lässt sich von nichts beeinflussen und beeindrucken." Matthias Sammer bezeichnete die Vorgänge als "Privatsache des Präsidenten". "Uli Hoeneß ist für uns natürlich ein wichtiger Mann, aber wir äußern uns dazu nicht - und das belastet uns überhaupt nicht", so der Sportvorstand. Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer wünschte Hoeneß nach seiner Selbstanzeige viel Glück: "Ich kann Uli nur die Daumen drücken, dass es gut ausgeht." In der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona hat der Fußball-Bundesligist Fragen zur Steueraffäre verboten. "Ich möchte Sie im Vorfeld darüber informieren, dass wir dazu keinerlei Stellung abgeben werden", sagte Pressesprecher Markus Hörwick.

Warum fliegen immer mehr Steuersünder auf?

Das hat verschiedene Gründe. In den vergangenen Jahren kauften die Behörden immer wieder CDs mit Steuerdaten. Prominentester Fall war Klaus Zumwinkel. Der Ex-Post-Chef, der eine Million Euro Steuern hinterzogen hatte, musste zurücktreten und erhielt daraufhin eine zweijährige Bewährungsstrafe. Der Ankauf der CDs ist umstritten, aber höchst effizient. Nebenbei sorgt die Praxis für wachsende Verunsicherung bei Steuersündern und führt zu einem deutlichen Anstieg der Selbstanzeigen. Der wachsende Fahndungserfolg liegt auch daran, dass der Druck auf bisherige Steueroasen allmählich Wirkung zeigt. So lockerte Luxemburg zuletzt sein Bankgeheimnis, Schweizer Banken ermahnten deutsche Steuerflüchtlinge zur Selbstanzeige beziehungsweise zur Kündigung ihrer Konten.

Was hat es mit der Wurstfabrik von Hoeneß auf sich?

1985 gründete Hoeneß mit Werner Weiß die "HoWe".
1985 gründete Hoeneß mit Werner Weiß die "HoWe".(Foto: picture alliance / dpa)

In Hoeneß' Wurstfabrik, die 1985 gegründet wurde, arbeiten 350 Mitarbeiter. Pro Tage produziert "HoWe" vier Millionen Rostbratwürstchen. Seit zwölf Jahren leitet Hoeneß' Sohn Florian das Unternehmen. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Hoeneß Junior, dass das Steuervergehen nichts mit dieser Fabrik zu tun habe. Es handle sich um eine Privatangelegenheit seines Vaters.

Warum schweigt Hoeneß?

Als Beschuldigter in einem schwebenden Verfahren darf Hoeneß nichts sagen. "Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen", sagte er am Wochenende der "Süddeutschen Zeitung" und versicherte, fortan vorerst schweigen zu wollen. Doch so richtig gelang ihm das nicht. So drohte er am Montag einigen Medien mit juristischen Schritten. Wegen der "Exzesse in einigen Berichterstattungen" werde er sich rechtlich zur Wehr setzen. Einer Münchner Zeitung kündigte der frühere Bayern-Manager an: "Für die wird das richtig teuer."

Wer hat Hoeneß angeblich das Geld geliehen?

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, soll Hoeneß vom inzwischen verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus ein Darlehen über 10 bis 15 Millionen Euro erhalten haben. Mit dem Geld soll Hoeneß an der Börse spekuliert haben. Am Ende soll dabei ein Vermögen von etwa 20 Millionen Euro auf dem Konto gewesen sein. Auf den Gewinn habe Hoeneß keine Steuern gezahlt.

Was trieb Hoeneß an?

Darüber kann nur spekuliert werden. Für Hoeneß gelten wohl dieselben Beweggründe wie für andere Steuerhinterzieher wie zum Beispiel Ex-Post-Chef Zumwinkel. Reiche müssen einen größeren Teil ihres Vermögens abtreten als andere, und wer gibt schon freiwillig gerne Geld ab? Menschen hinterziehen Steuern, weil sie glauben, dass sie nicht erwischt werden. "Unsere Spieler kicken jetzt schon eine Halbzeit fürs Finanzamt", das hat Hoeneß im September bei Günter Jauch gesagt.

Taugt Hoeneß noch als moralische Instanz?

Nein, Hoeneß' Ansehen hat großen Schaden genommen. Denn er gefiel sich immer in der Rolle des sozial engagierten, ehrlichen und moralisch integeren Patrons des FC Bayern. Oskar Lafontaine habe "ein Schlösschen im Saarland, dagegen wohne ich im Sozialbau", sagte er einmal. Die von Lafontaines Partei geforderte Reichensteuer lehnte er ab. "Dann gehen die Reichen nach Österreich oder in die Schweiz und dann haben wir gar nix davon", schimpfte er. Heute, sieben Monate später, steht der Verdacht im Raum: Hoeneß wusste, wovon er sprach.

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Quelle: n-tv.de

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