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"Das ist eine ekelhafte Mannschaft": Lewis Holtby.
"Das ist eine ekelhafte Mannschaft": Lewis Holtby.(Foto: imago/Metelmann)

Sechs Lehren des 23. Spieltags: Peinlicher HSV klagt, Pep verschmäht Götze

Von Stefan Giannakoulis & Tobias Nordmann

Beim Hamburger SV sind sie richtig wütend auf den FC Ingolstadt. In Wolfsburg sind sie traurig - und mit ihnen ein Weltmeister des FC Bayern. Borussia Dortmund kämpft indes mit seiner "Torwart-Gurke".

1. Was hat Guardiola nur gegen Götze?

Nichts, natürlich. Zumindest, wenn stimmt, was Josep Guardiola über Mario Götze sagt. Denn das meistgesprochene Wort des Katalanen im Zusammenhang mit dem deutschen Weltmeister ist - wie könnte es anders sein: "Super". Was der unregelmäßige Guardiola-Beobachter nicht wissen kann: Der Katalane findet alles super. Den FC Bayern (den er verlässt), den FC Barcelona (den er verlassen hat), Mario Mandzukic (den er nicht mehr haben wollte) und sogar den VfL Bochum (was die Autoren dieses Textes sehr gut nachvollziehen können). Wenn Guardiola also das Wort "Super" ausspricht, hat das in etwa die Bedeutungsschwere eines achselzuckend gehauchten "Jein". Das ist vor allem für jene bitter, die mit dem Superlativ überschüttet werden - also vor allem für Mario Götze, oder nicht?

"Wir haben sieben Außenstürmer und ich muss eine Entscheidung treffen": Mario Götze in Wolfsburg.
"Wir haben sieben Außenstürmer und ich muss eine Entscheidung treffen": Mario Götze in Wolfsburg.(Foto: imago/foto2press)

Der Weltmeistermacher ist seit vier Wochen von seiner Muskelverletzung genesen, trainiert fleißig, spielt aber nie. Warum? Das erklärt der Trainer so: "Wir haben sieben Außenstürmer und ich muss eine Entscheidung treffen. Wenn Mario mal spielt, dann fragt ihr, warum Thomas nicht gespielt hat oder Lewandowski oder Arjen Robben." Und Guardiola hat ja irgendwie auch Recht. Er hat gar nichts gegen Götze - und kann das statistisch belegen: In der vergangenen Saison spielte der vermeintliche Dauerreservist 32 Mal in der Bundesliga (28 Mal von Beginn an) und damit genauso oft wie Manuel Neuer und einmal mehr als Robert Lewandowski. So! Dass der 23-Jährige nun also auch an diesem 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga beim 2:0 in Wolfsburg saß, fror und zusehen musste, wie der ebenfalls lange verletzte Franck Ribéry zaubert? Ist halt so. Und komm mir jetzt ja keiner mit fehlender Liebe und so - denn wird ja bestimmt bald alles wieder super, ne, Pep?

2. Wenn der BVB ein Problem hat…

… dann zwischen den Pfosten. Oder wie die "Bild"-Zeitung vor einigen Wochen in ihrer ureigenen Art schrieb: "Bürki hält wie Gürki". Nun, das Wortspiel mag jetzt vielleicht nicht jeder als besonders gelungen empfinden. Aber an der Botschaft wird wohl kaum einer zweifeln. Nach dem Machtwechsel von Roman I. (Weidenfeller) zu Roman den II (Bürki) hat's sich mit der Konstanz im schwarzgelben Kasten. Ein geschulter Blick in das Fehlerprotokoll des Schweizers verrät: Der Patzer beim 3:1-Sieg am Sonntagabend gegen Hoffenheim, als er einen eher harmlosen Schuss in die Mitte abklatschte, war bereits der siebte in dieser Saison.

Patzt zumindest nicht entscheidend: Roman Bürki, hier mit dem Kollegen Erik Durm.
Patzt zumindest nicht entscheidend: Roman Bürki, hier mit dem Kollegen Erik Durm.(Foto: imago/Eibner)

Dass die Bürki-Böcke bislang nie allein spielentscheidend waren, macht es für den BVB zwar erträglicher, aber nicht besser. In der Notenrangliste des "Kicker" reicht's beim 25-Jährigen gerade noch so für Relegationsrang 16 - knapp vor Wolfsburg abgestürztem Diego Benaglio und Werders Gegentormaschine Felix Wiedwald. Die Fans des BVB ertragen die Patzer ihrer Nummer eins, der vergangene Woche in der Europaliga - das soll hier nicht unerwähnt bleiben - auch mal ein richtig tolles Spiel gemacht hat, indes mit großer Freude. Bei Twitter gab's Komplimente für eine "tolle Vorarbeit", andere forderten einen Assist für sein "gutes Auge". Dass haben übrigens die BVB-Verantwortlichen - und schauen, wenn die Gerüchte denn stimmen, nach Köln, auf Timo Horn. Den erhob das dortige Boulevard-Blatt "Express" in der Hinrunde zum "Hexer Horn". Das ist jetzt vielleicht auch nicht das pfiffigste aller Wortspiele, klingt aber definitiv schöner als der Vergleich mit dem wässrigen, grünen Gemüse.

Übrigens: Noch am Freitag hatten wir angekündigt, dass sich die Borussen eine Abgezockt-Anleihe bei den Bayern genommen haben, die gegen Hoffenheim gehärtetestet wird. Und wir können nun freudig bekennen: In Puncto Eiseskälte haben der BVB und der FCB vor ihrem großen Showdown am Samstag nun annähernd gleiches Temperaturniveau.

3. Schweinespiele sind richtig ekelhaft

Bruno Labbadia hatte es vorher gewusst: "Es war das erwartete Schweinespiel." Ansonsten war er froh und glücklich, dass sein Hamburger SV gegen den FC Ingolstadt nicht verloren und immerhin noch ein 1:1 erreicht hatte. Schließlich hätte sich der spielerisch limitierte HSV nach 7:12-Torschüssen nicht über die sechste Heimniederlage beklagen können. Da war ein wenig Demut auch angebracht. Tja, in diesem Fall muss es wohl heißen: wäre angebracht gewesen. Denn die Hamburger haderten mit diesem Remis, kritisierten den Schiedsrichter Marco Fritz und beschimpften den Gegner.

Labbadia haderte mit dem Ausgleichstor durch Lukas Hinterseer (61.) nach einer Ecke: "Vor dem Standard gab es ein klares Foul an Holtby, deshalb war es gar kein Eckstoß." Und Josip Drmic, der den HSV nach sieben Minuten in Führung gebracht hatte, sagte: "Mir tut jeder leid, der das Spiel sehen musste. Ein Horror - das tat in den Augen weh." Er könne deshalb auch nicht verstehen, warum so eine Partie überhaupt angepfiffen werde. Was die Ingolstädter geboten hätten, sein "Ein Skandal. Sie haben nur zerstört. So ein Spiel möchte ich nicht noch einmal mitmachen". Und Kollege Lewis Holtby monierte: "Das Spiel besteht daraus, dass sie herumblöken und sich fallenlassen. Das ist eine ekelhafte Mannschaft." Ist das peinlich. Die Ingolstädter hingegen reagierten mit Stil: "Der eine mag es eklig nennen, wir Schanzer nennen es Pressing", twitterte der FCI.

4. Thomas Schaaf rettet seinen Ruf

Acht Mal hatte Hannover 96 zuvor verloren, fünf Mal unter dem Trainer Thomas Schaaf, der in der Winterpause den Kollegen Michael Frontzeck abgelöst hatte. Doch nun haben sie tatsächlich beim VfB Stuttgart gewonnen, der besten Mannschaft der Rückrunde. Und Schaaf durfte nach seinem ersten Sieg im neuen Job erleichtert zu Protokoll geben: "Wir haben nie den Glauben an uns verloren. Dieser Sieg beweist, dass die Mannschaft lebt." Zwar sind die Niedersachsen immer noch Letzter der Tabelle, da aber der SV Werder Bremen, Schaafs ehemaliger Klub, alles dafür tut, um möglichst direkt abzusteigen, dürfen die Hannoveraner zumindest darauf hoffen, am Ende die vier Punkte aufzuholen, doch noch irgendwie den drittletzten Platz zu ergattern und ihr Glück dann in zwei Relegationsspielen gegen den Tabellendritten der zweiten Liga versuchen zu dürfen. "Es freut mich unheimlich, dass wir den Bock umgestoßen haben", sagte auch der zweifache Torschütze Christian Schulz. "Dieser Sieg tut allen gut, nicht nur den Spielern, sondern auch dem Verein und den Fans - wir leben noch." Nun will Hannover an diesem Dienstag im Derby gegen den VfL Wolfsburg ein zweites Lebenszeichen abgeben. Immerhin wissen die 96er nun: Wir können's auch mit Schaaf.

5. Schalke ist immer noch keine Kaffeemaschine

Nach dem trostlosen 0:0 bei der Frankfurter Eintracht gilt auf Schalke weiter das, was Torhüter Ralf Fährmann nach dem peinlichen Europaliga-Aus gegen Schachtjor Donezk am Donnerstag gesagt hatte: "Die Mannschaft ist keine Kaffeemaschine, die man einschaltet - und dann läuft es." Geht es nach Lothar Matthäus, deutscher Rekordnationalspieler und nun Experte fürs Bezahlfernsehen, liegt das vor allem an Trainer André Breitenreiter.

"Schalke muss gegen eine verunsicherte Frankfurter Mannschaft andere Ansprüche haben", moserte Matthäus. "Mit der Qualität, die im Schalker Kader vorhanden ist, muss man einfach offensiver spielen und aus Frankfurt drei Punkte mitnehmen." Dass Breitenreiter gegen den Abstiegskandidaten auf vier Außenverteidiger setzte und wenig für die Offensive tun ließ, verwunderte Matthäus. Klaas Jan Huntelaar wirkte im Schalker Angriff arg verloren, da May Meyer und vor allem Jung-Nationalspieler Leroy Sané zunächst auf der Bank saßen. Nicht nur Matthäus hat das nicht verstanden: "Wenn man nicht nach vorn spielt, braucht man keinen Huntelaar auf dem Platz. Und dann, wenn Meyer und Sane ins Spiel kommen, wechselt er Huntelaar aus." Zudem sei's arg langweilig gewesen: "Wir waren wirklich nah dran einzuschlafen."

6. "Viktory" hat das Siegen verlernt

Wenn der beste Stürmer öffentlich den Trainer stützen muss, läuft es nicht gut - wie beim SV Werder Bremen. Dort fühlte sich Claudio Pizarro nach dem 2:2 gegen den SV Darmstadt 98 zu einer Stellungnahme in Sachen Viktor Skripnik bemüßigt: "Wir stehen hinter ihm. Wir versuchen alles, dass er eine ruhige Woche hat." Die Bremer haben seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen und stehen mit nur 21 Punkten auf dem drittletzten Tabellenplatz – ein Negativrekord für den Verein. Doch auch Manager Thomas Eichin beteuerte: "Ihr werdet doch an meiner Art und Weise, wie ich spreche, hören, dass ich nicht vorhabe, den Trainer zu wechseln." Und überhaupt: "Ich vermag keinen Bruch zwischen Viktor und der Mannschaft zu erkennen." An diesem Mittwoch spielt Werder in Leverkusen - und empfängt am Samstag den Tabellenletzten Hannover 96. Und was sagt Skripnik? "Die Rückendeckung ist da, Vertrauen ist da, wir spüren das", sagte der längst nicht mehr unumstrittene Trainer: "Aber wir wissen, wie schwierig das ist." Skripnik will kämpfen und nicht aufgeben: "Soll ich aufhören? Das mache ich nicht!"

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Quelle: n-tv.de

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