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Wolfgang Stark und der BVB - das wird keine Liebesgeschichte mehr.
Wolfgang Stark und der BVB - das wird keine Liebesgeschichte mehr.(Foto: imago/pmk)

"Collinas Erben" hassen Zeitlupen: Reus kaputt, Stark verbockt die Bewährung

Von Alex Feuerherdt

Wolfgang Stark und der BVB versuchen es wieder miteinander - und alles läuft kolossal schief. Nach dem üblen Tritt gegen Marco Reus zieht der Referee nur Gelb. Das ist falsch, aber verständlich. Anders die zweite Fehlentscheidung.

Es ist kein Geheimnis, dass es Konstellationen zwischen Klubs und Schiedsrichtern gibt, die unter keinem guten Stern stehen und mit denen beide Seiten nicht so recht glücklich sind. Sei es, dass eine Mannschaft, ihr Trainer oder die Zuschauer mit dem betreffenden Referee nicht immer fair umgegangen sind, sei es, dass strittige oder unglückliche Entscheidungen des Unparteiischen in der Vergangenheit das Verhältnis belastet haben. Und manchmal stimmt ganz einfach die Chemie nicht. Eine solche Konstellation, so viel darf man wohl gefahrlos behaupten, liegt beim Zusammentreffen zwischen Borussia Dortmund und Wolfgang Stark vor.

Fast zwei Jahre lang hatte der Fifa-Schiedsrichter aus dem bayerischen Ergolding keine Partie der Westfalen mehr geleitet, nachdem er im Dezember 2012 beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg in einer emotionsgeladenen Partie irrtümlich den Dortmunder Marcel Schmelzer wegen Handspiels vom Platz gestellt und auf Elfmeter für die Niedersachsen entschieden hatte. Die Borussia verlor die Begegnung mit 2:3 und schäumte, Schmelzer wurde vom DFB-Sportgericht freigesprochen, die Schiedsrichter-Kommission des DFB zog es vor, Stark vorerst nicht mehr zu Spielen des BVB zu schicken. Erst sollte das berühmte Gras über die Sache wachsen.

Stark gibt sich zerknirscht

Nun wagte man einen erneuten Versuch beim Spiel der Borussen in Paderborn, und der verlief 64 Minuten lang auch ohne nennenswerte Probleme. Dann setzte der Paderborner Marvin Bakalorz im Mittelfeld zur Grätsche gegen den Dortmunder Marco Reus an. Den Ball touchierte Bakalorz dabei nur leicht, dafür traf er seinen früheren Mitspieler umso heftiger mit den Stollen voraus knapp unterhalb des Schienbeins. Für ein solches Foul mit großer Dynamik und hoher Intensität, gestrecktem Bein und "offener Sohle", bei dem der Gegner oberhalb des Knöchels malträtiert wird, sollen die Schiedsrichter einen Platzverweis aussprechen. So wurde es den Bundesliga-Referees vor der Saison noch einmal eingebläut.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Fußball-Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Für Wolfgang Stark sah das Vergehen in der Realgeschwindigkeit jedoch nicht ganz so schlimm aus, wie er nach der Partie sagte: "Im Spiel habe ich es so gesehen, dass Bakalorz zum Ball grätscht, den Ball auch leicht berührt und danach Reus trifft. Für mich war das in dem Moment Foul und Gelb." Er fügte jedoch selbstkritisch hinzu: "Als ich nachher die Zeitlupe gesehen habe, habe ich mich selbst erschrocken und muss sagen: Rot wäre die richtige Entscheidung gewesen." Dem Schiedsrichter steht eben keine verlangsamte Wiederholung zur Verfügung, er muss in Sekundenbruchteilen entscheiden und hat dazu möglicherweise noch einen ungünstigeren Blickwinkel als die zahllosen Kameras. Das sollte man bedenken, bevor man den Stab über den Unparteiischen bricht.

Die Dortmunder haderten allerdings nicht nur wegen dieser Szene mit Stark. In der 80. Minute gab der 45-Jährige beim Stand von 2:1 für den BVB ein Tor von Kevin Großkreutz nicht, weil Milos Jojic unmittelbar zuvor aus einer Abseitsposition ins Spiel eingegriffen haben soll. Dafür hätte Jojic jedoch einen Gegenspieler im Kampf um den Ball angreifen müssen, was er nicht tat. Er irritierte den Paderborner Christian Strohdiek äußerstenfalls ein wenig, was seit der Reform der Abseitsregel im Sommer 2013 aber nicht mehr strafbar ist. Großkreutz' Treffer hätte deshalb zählen müssen. Hier verlief die Kommunikation zwischen Wolfgang Stark und dem zuständigen Assistenten alles andere als optimal.

Zwayer wieder einmal überzeugend

Unzufrieden waren auch die Stuttgarter mit manchen Entscheidungen von Thorsten Kinhöfer im Spiel gegen den FC Augsburg. Der Schiedsrichter dezimierte die Hausherren bereits nach 27 Minuten, als er ihren Verteidiger Daniel Schwaab nach zwei Fouls mit der Gelb-Roten Karte vom Platz stellte. Das war allerdings vertretbar, denn Schwaab hatte sich nach einem klaren taktischen Foul auch eines unüberlegten und übermotivierten Körpereinsatzes an der Seitenlinie gegen Halil Altintop schuldig gemacht. Zweifel darf man dagegen am Handelfmeter für Augsburg in der 72. Minute anmelden, der zum entscheidenden Tor führte. Denn der Stuttgarter Adam Hlousek versuchte, seinen Arm zurückzuziehen, als der Ball in seine Richtung flog. Dadurch, dass der Arm durch den Kontakt mit dem Ball nach hinten ausschlug, mag es für den Unparteiischen jedoch so ausgesehen haben, als ob hier Absicht im Spiel war. Eine vertrackte Situation für den Referee.

Eine wirklich gute Leistung bot derweil einmal mehr Felix Zwayer, Deutschlands "Schiedsrichter des Jahres". Der Berliner leitete das Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen und war dabei in einem phasenweise hektischen Spiel stets auf der Höhe. Er fand genau die richtige Linie bei der Zweikampfbeurteilung und lag auch im Strafmaß immer richtig. Der 33-Jährige ist drauf und dran, perspektivisch die Nummer eins unter Deutschlands Unparteiischen zu werden.

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Quelle: n-tv.de

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