Sport

Pfiffe und Parolen gebrüllt: Türkische Fans stören Schweigeminute

Von Tobias Nordmann

Die türkische Nationalmannschaft empfängt Griechenland zum Testspiel. Mit einer Schweigeminute vor Anpfiff soll den Opfern von Paris gedacht werden. Doch Tausende Fans nutzen die angedachte Stille, um zu pfeifen und Parolen zu brüllen.

Ganz Fußball-Europa wollte am Dienstagabend ein Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen den Terror. Ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Anschläge von Paris. Und während die von englischen und französischen Fans gemeinsam gesungene Marseillaise im Londoner Wembley-Stadion für Gänsehaut sorgt, kommt es in Istanbul zum Eklat. Tausende Fans - in den Medien wird dabei ausschließlich von türkischen Anhängern gesprochen - begleiten die Schweigeminute mit lautstarken Pfiffen und Parolen.

Laut einem Bericht der "Welt" sollen einige Stadionbesucher "die Märtyer sind unsterblich, das Vaterland unteilbar" gebrüllt haben. Eine Parole, die bei türkischen Nationalisten offenbar beliebt ist, um die kurdische PKK anzugreifen. Auch "Allahu-akbar"-Rufe sollen unterschiedlichen Quellen zufolge zu hören gewesen sein. "Allahu-akbar" sollen auch die Attentäter von Paris bei ihrer Mordserie gerufen haben. Schon während der griechischen Nationalhymne kam es in Istanbul zu lautstarken Pfiffen von der Tribüne. Etwas ruhiger wurde es im Stadion erst, als der türkische Kapitän Arda Turhan vom FC Barcelona die Zuschauer mit einer entschiedenen Geste zum Schweigen aufforderte.

Nicht der erste Eklat in der Türkei

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass es bei einem Länderspiel mit türkischer Beteiligung zu einem vergleichbaren Eklat kam. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Island am 13. Oktober in Konya sollte den Opfern des Terroranschlags von Ankara drei Tage zuvor ebenfalls mit einer Schweigeminute gedacht werden. Unter den Opfern waren vor allem Kurden. Doch statt zu schweigen, schallte von der Tribüne Pfiffe, Buhrufe und schließlich "Allahu-akbar"-Rufe.

Die türkischen Medien gehen indes hart mit den Fans ins Gericht. Sowohl die "Hürriyet" als auch die "Fanatik" nennen den Vorfall beschämend. Und auch der türkische Nationaltrainer Fatih Termin ist richtig wütend: "Das ist eine Schweigeminute für Menschen, die gestorben sind. Habt ihr nicht einmal ein klein wenig Geduld dafür übrig?" Der neue Coach der Griechen, Michael Skibbe, verteidigte das Verhalten der Fans indes. Der "Bild"-Zeitung erklärte er: "Ich vermute, dass es Pfiffe aus Unwissenheit waren, keine Verhöhnung der Opfer von Paris. Ich möchte die Zuschauer da in Schutz nehmen."

Bei Twitter haben die meisten User ebenfalls kein Verständnis für das Verhalten der Fans. "Respektlosigkeit ist untertrieben", schreibt zum Beispiel eine Userin. Ein anderer schreibt: "Türkischen Fans gefiel die Trauerminute scheinbar nicht. Pfiffe, Rufe ... unglaublich." Viele weitere Kommentare sind indes nicht zitierfähig. Die Partie endete übrigens 0:0. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams seit acht Jahren.

Quelle: n-tv.de

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