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"Wir wollen was holen, das ist unsere Idee": Claudio Pizarro.
"Wir wollen was holen, das ist unsere Idee": Claudio Pizarro.(Foto: dpa)

Von wegen Bremer Marketing-Gag: Warum Pizarros Blüte kein Zufall ist

Von Hendrik Buchheister, Bremen

Der Mann hat Ziele: Mit Peru will Claudio Pizarro zur WM - und mit Werder beim FC Bayern was holen. Dass der Lebemann mit seinen 37 Jahren noch als Fußballprofi reüssiert, liegt daran, dass er einiges in seinem Leben verändert hat.

Claudio Pizarro hat eine Menge erreicht in seiner Karriere als Fußballprofi. Er war Meister, Pokalsieger und Klub-Weltmeister. Er hat höchste Sympathiewerte nicht nur bei den Fans des eigenen Klubs, nicht nur bei den Fans des SV Werder Bremen. Er ist der Ausländer mit den meisten Bundesliga-Spielen und der beste ausländische Bundesliga-Torschütze. Genug eigentlich, um langsam über den Ruhestand nachzudenken. Doch Pizarro hat noch ein Ziel. Mit der peruanischen Nationalmannschaft will er in zwei Jahren zur Weltmeisterschaft nach Russland. Er wäre dann 39 Jahre alt.

Er trifft und trifft und trifft.
Er trifft und trifft und trifft.(Foto: imago/DeFodi)

Das klingt ziemlich ambitioniert, weil Pizarro ja jetzt schon ein "Greis" ist im immer jünger werdenden Profifußball mit seinen 37 Jahren. Einerseits. Andererseits ist ein hohes Alter kein Ausschlusskriterium. Roger Milla aus Kamerun schoss noch mit 42 Jahren ein WM-Tor, 1994 in den USA war das. Und Pizarro selbst beweist in diesen Tagen, welche Leistungen im Spätherbst einer Profi-Laufbahn noch möglich sind, wenn man richtig arbeitet und richtig lebt. Wenn man einen Plan verfolgt.

Zwölf Tore hat Pizarro in den vergangenen elf Spielen geschossen. Beim 4:1-Erfolg gegen Hannover am Wochenende stieg er mit seinem 100. Bundesliga-Treffer für Werder zum zweitbesten Schützen der Vereinsgeschichte auf, und er sieht keinen Grund dafür, warum er noch nicht schon am Samstag bei der Partie in München gegen den FC Bayern (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) an diesem 26. Spieltag der Bundesliga mit Bremens Rekordhalter Marco Bode gleichziehen sollte, der nur ein Tor mehr hat. Auch wenn er am Donnerstag das Training wegen, wie es hieß, "muskulärer Probleme" abbrechen musste. Anders als die Kollegen Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz, die nach ihren Gelben Karten aus dem Hannover-Spiel gesperrt sind, nimmt Pizarro die Dienstreise nach München ernst. "Wir wollen was holen, das ist unsere Idee. Vielleicht mit einem Tor von mir", sagt er und lacht.

"Der Erste in der Kabine und geht als Letzter"

Im September 2015 wechselte der nach seiner Ausmusterung beim FC Bayern vereinslose Pizarro nach Bremen. Sein insgesamt viertes Engagement bei dem Verein, der ihn 1999 in die Bundesliga geholt hatte, sah im ersten Moment aus wie ein Marketing-Gag. Wie der banale Versuch, mit dem Glanz der Vergangenheit die triste Gegenwart zu erhellen. So liefen dann auch die ersten Wochen nach Pizarros Ankunft. Er war nicht richtig fit, kam oft nur kurz zum Einsatz. Dass es mittlerweile läuft bei ihm, liegt an seiner Professionalität. An seinem Plan. Sein Aufblühen ist kein Zufall. Der als Lebemann bekannt gewordene Pizarro hat seine Ernährung umgestellt, verzichtet auf Weizen, Kartoffeln, Tomaten und Auberginen. Stattdessen gibt es Dinkel-Nudeln, Reis, Fisch und Sojamilch. Alkohol trinkt er kaum, höchstens ein Glas Wein zu besonderen Anlässen. Seinem Trainer zufolge arbeitet Pizarro mehr als die Kollegen. "Er ist der Erste in der Kabine und geht als Letzter", sagt Viktor Skripnik.

Die Bremer freuen sich, dass Pizarro im Moment ein Tor nach dem anderen schießt, natürlich, aber sie versuchen auch den Eindruck zu vermeiden, dass sie erstaunt darüber wären. Manager Thomas Eichin ruft noch einmal in Erinnerung, schon in der Hinrunde darauf hingewiesen zu haben, dass Pizarro noch Gold wert sein könne für Werder. Dass man ihm doch erstmal Zeit geben sollte. Deshalb ist Eichin nach eigenen Angaben nicht überrascht davon, dass Pizarro noch einmal zu großer Form aufläuft. Im Gegenteil: "Das haben wir schon so erwartet." Man kann das glauben oder nicht. In jedem Fall können sich die Bremer auf die Schultern klopfen für ihr Rückhol-Manöver. Es ist ja ein riskantes Unterfangen, einen Helden aus der Vergangenheit zu reaktivieren.

Beim Hamburger SV zum Beispiel hat der in der vergangenen Saison zurückgeholte Ivica Olic einen Stammplatz auf der Tribüne. Seinen Traum von der EM in diesem Jahr hat er gerade aufgegeben mit seinem Rücktritt aus der kroatischen Nationalmannschaft. Rücktritt, daran scheint Pizarro nicht zu denken. Sein Vertrag in Bremen gilt bis Sommer, doch die Indizien verdichten sich, dass er darüber hinaus bleibt. In Kürze will Manager Eichin den Stürmer zum Gespräch über eine Verlängerung der Zusammenarbeit bitten. Werder kann Pizarro gut gebrauchen, als Identifikationsfigur, Sympathieträger und Lebensversicherung im Kampf gegen den Abstieg. Und Pizarro selbst hat ja auch noch ein Ziel. Die WM in zwei Jahren.

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Quelle: n-tv.de

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