Sport
Samstag, 27. Februar 2010

Curling-Finale: Schwedinnen holen Gold

Alle hatten mit Gold gerechnet, doch bei den Olympischen Winterspielen verliert Kanada gegen Schweden im Curling-Finale der Frauen. Nach mehr als drei Stunden Spielzeit zielt Skip Cheryl Bernard vorbei. Die Schwedinnen um Anette Norberg holen nach Turin 2006 das zweite Mal Gold.

Blondes Haar, gelbe Jacken, goldene Medaille und ein Küsschen: Die Schwedinnen Eva Lund und Anette Norberg.
Blondes Haar, gelbe Jacken, goldene Medaille und ein Küsschen: Die Schwedinnen Eva Lund und Anette Norberg.(Foto: AP)

Im Curling-Tempel von Vancouver herrschte blankes Entsetzen. Fassungslos starrten mehr als 5000 kanadische Fans auf das Eis, auf dem "ihrem" Skip Cheryl Bernard das fest eingeplante Gold im Traumfinale gegen Schweden entglitten war. Ausgerechnet "The Last Shot" Bernard, die Frau mit der einzigartigen Präzision beim letzten Stein, hatte zum zweiten Mal gepatzt. Das war einmal zuviel. "Ich hatte es in der Hand und habe es versaut. Diesen Moment werde ich nie vergessen", sagte die 43-Jährige aus Calgary.

6:7 nach Zusatzend hieß es nach mehr als drei Stunden gegen die Skandinavierinnen um Erfolgs-Skip Anette Norberg, die wie schon 2006 in Turin die strahlende Gewinnerin war. Auf der Tribüne jubelte die kleine schwedische Gemeinde und mit ihnen das schwedische Königspaar Carl Gustav und Silvia. "Meine Gefühle sind sehr schwer zu beschreiben. Es ist einfach großartig. Wir hatten die ganze Saison Probleme, haben uns aber wieder gefunden", sagte die zweimalige Welt- und siebenmalige Europameisterin Norberg.

Zuschauer feierten zu früh

Cheryl Bernard, zweifelnd
Cheryl Bernard, zweifelnd(Foto: AP)

Nordberg, erfolgreichste Curlerin der Geschichte, erwischte einen Start nach Maß und führte bei Halbzeit nach fünf Ends 4:2. Dann schlich sich das Zitterhändchen ein, vier Ends weiter hieß es plötzlich 4:6. "Da sind wir etwas nervös geworden, am Ende wurden sie es. Dabei haben wir schon gedacht, es sei alles vorbei", sagte Catherine Lindahl, die Nummer zwei im schwedischen Team.

Dies dachten zu diesem Zeitpunkt auch die Zuschauer, die Cheryl Bernard bereits siegessicher mit "Cheryl, wir lieben dich"-Rufen feierten. Selbst ein Punkt der Schwedinnen im letzten End hätte Kanada zum Sieg gereicht. Doch dann nahm Bernards Drama seinen Lauf. Ihr letzter Stein verfehlte das Ziel, zwei schwedische Steine blieben im Haus: 6:6, Zusatzend. "Es tut mir leid, es tut mir leid", sagte Bernard zu ihren Mitspielerinnen.

Stein blieb am Mittelkreis liegen

Dann spitzte sich die Situation erneut zu, eigentlich wie gemacht für "Scharfschützin" Cheryl Bernard. Wieder lagen zwei Steine der Schwedinnen nah beieinander im Haus. Doch Bernard traf den vorderen zu voll, der andere Stein blieb am Mittelkreis liegen. Schweden machte den Punkt und feierte, Kanada blieb nur Silber und trauerte. "Das war so eng", sagte Cheryl Bernard.

Bilderserie
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Vorwürfe machte dem Teamkapitän keiner. "Cheryl ist der Grund, warum wir überhaupt hier sind. Es gibt niemanden auf der ganzen Welt, den ich lieber den letzten Stein machen lassen würde", sagte Mitspielerin Susan O'Connor und fuhr fort. "Morgen, nächsten Monat oder spätestens nächstes Jahr werden wir stolz auf uns sein. Ich bin es jedenfalls jetzt schon. Es gibt eine Million Curler in Kanada, die würden alles dafür geben, um da zu sein, wo wir sind."

Quelle: n-tv.de

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