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Es muss nicht immer Whatsapp sein: Alternative Messenger-Apps gibt's viele.
Es muss nicht immer Whatsapp sein: Alternative Messenger-Apps gibt's viele.(Foto: jwa)

Keine Daten für Facebook: Das sind fünf gute Whatsapp-Alternativen

Von Johannes Wallat

Facebook und Whatsapp wachsen zusammen und tauschen Nutzerdaten aus. Verbraucher- und Datenschützer protestieren, doch ihr Erfolg ist ungewiss. Wer selbst handeln möchte, steigt um - n-tv.de zeigt fünf gute und sichere Messenger-Alternativen.

Rund zwei Jahre hatte das Versprechen Bestand, das Facebook und Whatsapp bei der Übernahme des Messengers 2014 gegeben hatten: Beide Dienste bleiben getrennt, Daten werden nicht ausgetauscht. Nun hat Whatsapp seine AGB aber geändert und teilt Daten doch mit Facebook. Nutzer protestierten, Verbraucherschützer mahnten Whatsapp ab. Die Widerspruchsfrist, binnen derer man der Nutzung seiner Daten für Werbezwecke untersagen konnte, ist am Sonntag abgelaufen. Jetzt untersagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Facebook per Verwaltungsanordnung, Nutzerdaten von Whatsapp abzugreifen. Bereits erhobene Daten müssten gelöscht werden. Wie es weitergeht, ist offen, doch wirklich abhängig von Whatsapp ist zum Glück niemand - es gibt längst gute Messenger-Alternativen, die den Abschied vom Platzhirsch erleichtern.

Telegram

Der Messenger mit dem weißen Papierflieger gewinnt stetig Nutzer dazu, denn er ist in vielen Belangen das bessere Whatsapp. Alle wichtigen Whatsapp-Funktionen hat Telegram auch, die Bedienung ist ganz ähnlich. Zudem bietet der Messenger sichere Chats inklusive Selbstzerstörungs-Timer - allerdings nur, wenn Nutzer vorher einen geheimen Chat starten. Außerdem gibt's viele sogenannte Bots, mit denen man seine Chats aufpeppen kann, zum Beispiel mit GIFs. Einzige Einschränkung: Sprach- und Videotelefonie kann Telegram nicht.

Im Gegensatz zu Whatsapp werden Chat-Verläufe verschlüsselt in der Cloud gespeichert. Das hat den Vorteil, dass man von vielen Geräten aus parallel auf seine Chats zugreifen und bei beliebig vielen Geräten gleichzeitig angemeldet sein kann - neben Android und iOS auch auf dem Desktop-Rechner oder per Web-Client. Und wer einen öffentlichen Benutzernamen anlegt, kann diesen anstelle seiner Telefonnummer weitergeben, um mit anderen zu chatten. Datenschützer bemängeln aber, dass die Server auf der ganzen Welt verteilt stehen und der Dienst automatisch das Telefonbuch abgleicht. Außerdem ist unklar, wie sicher die App wirklich ist. Datenschützer bemängeln, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur optional ist, trauen dem selbst entwickelten Protokoll der App nicht über den Weg und kritisieren, dass Metadaten wie Online-Offline-Zeiten für potenzielle Angreifer leicht einzusehen seien.  

Threema

Sicherer und laut Datenschützern unbedenklicher ist die Schweizer App Threema. Sie verschlüsselt Chatinhalte auf Android und iOS standardmäßig Ende-zu-Ende und gleicht das Telefonbuch nur auf Wunsch ab. Auch die Angabe einer Telefonnummer ist freiwillig, alternativ bekommen Nutzer eine Threema-ID. Ansonsten funktioniert Threema im Grunde wie Whatsapp und Telegram und bietet alle Funktionen, die die anderen beiden Messenger auch haben. Nachrichten und sensible Metadaten werden nach eigenen Angaben von den Servern gelöscht, nachdem Nachrichten zugestellt wurden.

Threema erlangte 2014 große Beliebtheit, nachdem bekannt geworden war, dass Facebook Whatsapp übernehmen werde. Viele Nutzer waren damals umgestiegen, die App führte tagelang die Download-Charts im App Store und bei Google Play an. Stiftung Warentest hatte damals Messenger getestet und Threema als einzigen als "sicher" eingestuft. Auch Edward Snowdens Enthüllungen über die Schnüffeleien der NSA gaben Threema als sichere Alternative Aufwind. Wer die App auf Android oder iOS nutzen möchte, muss einmalig 2,99 Euro zahlen.

Signal

Eine kostenlose Alternative zu Threema ist Signal, das es ebenfalls für Android und iOS gibt. Auch hier wird Sicherheit besonders groß geschrieben, angeblich nutzen sowohl Edward Snowden als auch Hillary Clintons Mitarbeiter die App, um abhörsicher zu chatten. Der Funktionsumfang ist ähnlich wie bei den vorgenannten Apps, Signal bietet zusätzlich verschlüsselte Telefonate an.

Jeder Nutzer bekommt einen individuellen Schlüssel aus Buchstaben und Zahlen, der jedesmal neu generiert wird, wenn ein Chat angefangen wird, ein Nutzer das Smartphone wechselt oder die App neu installiert. Signals Code ist wie bei Telegram Open Source, kann also öffentlich eingesehen und auf Lücken kontrolliert werden. Hinter Signal steht das Unternehmen Open Whisper Systems, dessen Verschlüsselungsprotokoll als sehr sicher gilt und das auch von Whatsapp genutzt wird.

Hoccer

Ebenfalls kostenlos ist die deutsche App Hoccer, die im Sommer 2015 von Stiftung Warentest zum besten Messenger gekürt wurde. Sie lässt sich ohne Angabe von Name, Rufnummer oder E-Mail-Adresse nutzen. Inhalte werden durchweg verschlüsselt verschickt und nach der Übertragung sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht, die laut FAQ ausschließlich in Deutschland stehen. Es gilt deutsches Datenschutzrecht. Nutzer können Freunde per SMS, E-Mail oder QR-Code einladen und sich vorübergehend für andere Hoccer-Nutzer in einem 100-Meter-Umkreis sichtbar machen.

Hoccer verschickt wie die anderen Messenger Fotos, Text-, Audio- und Videonachrichten sowie Standorte und Adressbucheinträge. Die Qualität von Fotos und Videos können Nutzer in mehreren Stufen festlegen. Besitzer neuerer iOS-Geräte können den Zugang zur App per Touch-ID schützen und bei unbefugten Zugriffen automatisch ein "Fahndungsfoto" machen lassen. Unter Android gibt es nur die Möglichkeit, Hoccer mit einem Code abzusichern. Der Messenger kann bisher aber nicht auf verschiedenen Geräten genutzt werden und der Umzug eines Profils ist relativ umständlich. Eine Desktop-Version ist als langfristiges Ziel geplant.

Wire

Seit Ende 2014 gibt es Wire, den Dienst des Skype-Gründers Janus Friis. Die App des Schweizer Unternehmens geht einen eigenen Design-Weg, die Benutzeroberfläche ist gewöhnungsbedürftig, aber ansprechend. Sie tritt als Allzweck-Messenger an und bietet sowohl Chats als auch Video- und Sprachtelefonie. Nutzer können Nachrichten außerdem mit Finger oder Stylus auf den Bildschirm kritzeln und andere Chatpartner anpingen, um auf sich aufmerksam zu machen. Unterhaltungen werden hier wie bei Telegram geräteübergreifend synchronisiert, Chats und VoIP-Telefonate verschlüsselt übertragen. Firmensitz ist in der Schweiz, Wire unterliegt den europäischen Datenschutzbestimmungen.

Quelle: n-tv.de

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