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Bei Stiftung Warentest ist Hoccer die beste Messenger-App.
Bei Stiftung Warentest ist Hoccer die beste Messenger-App.(Foto: kwe)

Stiftung Warentest prüft Messenger: Deutsche App viel besser als Whatsapp

Von Klaus Wedekind

Stiftung Warentest untersucht neun bekannte und weniger bekannte Messenger. Whatsapp schneidet wegen Privatsphäre-Mängeln nur "befriedigend" ab. Die beste App kommt aus Deutschland, ist kostenlos und geht mit Nutzerdaten vorbildlich um.

Weltweit nutzen mehr als 800 Millionen Menschen Whatsapp aktiv, 75 Prozent des mobilen Nachrichtenverkehrs laufen über den US-Dienst. In Deutschland haben 75 Prozent der Smartphone-Besitzer die App installiert. Whatsapp ist unter den Messengern ganz klar die Nummer 1. Aber ist die meistgenutzte App auch die beste? Stiftung Warentest hat Funktionalität, Handhabung und Datensicherheit von Whatsapp und acht Alternativen für iOS und Android geprüft.

Der Platzhirsch punktet im Test mit der besten Handhabung - keine andere App macht es Nutzern so leicht, Texte, Bilder, Audioaufnahmen, Videos oder Gruppen-Nachrichten zu versenden. Kaum überraschend kritisieren die Prüfer aber den Umgang mit dem Datenschutz, bereits im vergangenen Jahr stufte Stiftung Warentest Whatsapp in diesem Bereich als "kritisch" ein. Das US-Unternehmen hat inzwischen bei der Verschlüsselung zwar nachgelegt, doch besser als "ausreichend" wird der Messenger auch in diesem Test nicht bewertet. Unter anderem liegt dies daran, dass Whatsapp automatisch die Telefonbücher der Nutzer über seine Server abgleicht. Außerdem fehlt Stiftung Warentest bei dem US-Messenger eine bestätigte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. "Whatsapp schweigt sich bis heute darüber aus."

Viel besser geht der deutsche Testsieger Hoccer mit dem Datenschutz um. Die Messenger-App lässt sich ohne Angabe von Name, Rufnummer oder Mail-Adresse nutzen. Inhalte werden durchweg verschlüsselt verschickt und nach der Übertragung sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht, die laut FAQ ausschließlich in Deutschland stehen. Es gilt deutsches Datenschutzrecht.

Sicher, aber unbekannt

Um Hoccer zu nutzen, genügt es, einen Nutzernamen einzutragen. Danach kann der Nutzer Freunde per SMS, E-Mail oder QR-Code einladen. Er hat außerdem die Möglichkeit, sich vorübergehend für andere Hoccer-Nutzer in einem 100-Meter-Umkreis sichtbar zu machen. Wer möchte, sucht weltweit Kontakte. Dabei kann man in den Einstellungen festlegen, wie lange das Profil in diesem Modus sichtbar ist. Hoccer verschickt Fotos, Text-, Audio- und Videonachrichten sowie Standorte und Adressbucheinträge. Größe beziehungsweise Qualität von Fotos und Videos können Nutzer in mehreren Stufen festlegen. Besitzer neuerer iOS-Geräte können den Zugang zur App per Touch-ID schützen und bei unbefugten Zugriffen automatisch ein "Fahndungsfoto" machen lassen. Unter Android gibt es nur die Möglichkeit, Hoccer mit einem Code abzusichern.

Der Messenger kann bisher aber nicht auf verschiedenen Geräten genutzt werden und der Umzug eines Profils ist relativ umständlich. Eine Desktop-Version ist zwar geplant, allerdings nur als langfristiges Ziel. Das größte Manko von Hoccer ist aber, dass der Dienst derzeit noch kaum verbreitet ist. Er ist daher vor allem für Nutzer geeignet, die sich auf Gruppen beschränken möchten, zu denen sie selbst einladen oder eingeladen werden.

Threema ist vielseitiger

Eine bekanntere und vielseitigere Alternative, die Stiftung Warentest fast ebenso gut bewertet, ist Threema. Die Schweizer App verschlüsselt sicher, gleicht das Telefonbuch nur auf Wunsch ab und eine Angabe der Mobilfunknummer ist freiwillig. Threema kostet zwar 1,99 Euro, kann aber auf mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden und die Handhabung der App ist für die Prüfer fast so gut wie bei Whatsapp.

Mit der Gesamtnote 2,3 schnitt bei Stiftung Warentest auch Line gut ab, obwohl der japanische Messenger keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Er ist aber leicht zu handhaben und punktet mit Extras wie Nachrichten mit begrenzter Lesezeit und ist auch am PC nutzbar.

Threema ist der Sieger eines Messenger-Tests der PSW-Gruppe, der besonderes Augenmerk auf die Sicherheit legt. Im Kandidaten-Feld fehlt hier zwar Hoccer, dafür führt die PSW Group den beliebten Messenger Telegram auf, der parallel auf mehreren Geräten - auch Computern - nutzbar ist. Konversationen sind zwar nur Ende-zu-Ende-verschlüsselt, wenn Nutzer "geheime Chats" starten. Dann beinhalten sie aber auch einen "Selbstzerstörungsmodus". Gewöhnliche Chats sind lediglich einfach verschlüsselt. Der Quellcode des nichtkommerziellen Projekts ist offen und Sicherheitslücken werden umgehend geschlossen. Die Standorte der Server sind allerdings auf der ganzen Welt verstreut und Telegram liest ungefragt das Telefonbuch aus.

Quelle: n-tv.de

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