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Don Mattrick, neuer Chef bei Zynga.
Don Mattrick, neuer Chef bei Zynga.(Foto: REUTERS)

Xbox-Chef verlässt Microsoft: Fehler, die Don Mattrick den Job kosteten

Von Roland Peters

Wo Microsoft früher hinter den Kulissen strategische Entscheidungen traf, rollen jetzt Köpfe. Xbox-Chef Don Mattrick wird Chef bei Zynga, dem "Farmville"-Entwickler. Ein Aufstieg ist das für den bislang vielleicht wichtigsten Mann in Redmond nicht. Doch seine Fehler waren elementar – und er selbst ein Risiko.

Don Mattrick übernimmt bei Spielehersteller Zynga das Ruder. Warum? Das bleibt offiziell zwar im Dunkeln, aber die Gründe für sein Ende an der Spitze der Xbox-Sparte von Microsoft liegen auf der Hand. Im Mai kündigte der US-Konzern mit großem Brimborium in der Zentrale in Redmond seine Spielkonsole Xbox One an. Dabei konzentrierten sich Mattrick und sein Team auf die Hardware, die künftig für sämtliche Unterhaltungsmedien im Wohnzimmer herhalten soll – Filme, Musik und Spiele.

Das Kalkül, erst einige Wochen später auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles das Spiele-Portfolio vorzustellen, und damit den PR-Effekt zu maximieren, ging zwar auf; positiv war die Wirkung jedoch nicht. Denn die Hoffnung, Sony würde auf den Zug des Onlinezwangs und der Abschaffung von Gebrauchtspielen aufspringen, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil. Die konkurrierenden Japaner entschieden sich, die von Microsoft irritierten Spieler dort abzuholen, wo sie bereits sind, und sagten: Bei der neuen Playstation 4 bleibt alles so, wie es ist.

Elementare Fehleinschätzungen

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Der sympathisch auftretende Xbox-Chef Mattrick hat offenbar mindestens zwei elementare Dinge unterschätzt. Erstens: die Bedeutung von Sonys Marke Playstation im globalen Unterhaltungsgeschäft. Das hat mit dem Namen, aber auch der unterschiedlichen Gewichtung zu tun. So ist die Xbox zwar in den USA die populärste Konsole, nicht aber auf dem alten Kontinent und Asien. "Wir können nicht weltweit erfolgreich sein, wenn wir nicht überall in Europa erfolgreich sind", sagte etwa EU-Xbox-Vize Chris Lewis während der E3 im Gespräch mit n-tv.de.

Zweitens unterschätzte Mattrick den Einfluss von Kunden, die eine Konsole zuvorderst zum Spielen nutzen, und das "Eine für Alles"-Konzept der Xbox One keineswegs als Kaufargument sehen; und schon gar nicht bereit sind, deshalb Nachteile zu akzeptieren. Die Marktmacht, die Microsoft in der PC-Welt ausüben kann - wo es für Alltagsnutzer zu Windows kaum eine Alternative gibt - reicht offenbar nicht in die Spielewelt hinein. Mattrick hat sich verkalkuliert. Man könnte auch sagen: Er wurde für den Konzern ein Risiko.

Farmville statt Spartenchef

Inzwischen ist Microsoft zurückgerudert: Doch kein Onlinezwang, die Software darf weiterverkauft werden. Dass nun kurze Zeit später der verantwortliche Mattrick seinen Hut nimmt, kann kein Zufall sein. Die Börsianer lieben ihn trotzdem: Schon nach ersten Berichten über den anstehenden Chefwechsel schoss die Zynga-Aktie mehr als 10 Prozent hoch und legte nach der Bestätigung noch einmal 5 Prozent nachbörslich zu. Das Papier ist allerdings mit gut drei Dollar immer noch weniger als ein Drittel des Ausgabepreises von zehn Dollar wert.

Ein Aufstieg ist die Zynga-Chefposition für Mattrick nicht. "Farmville", eine Bauernhof-Simulation und als Facebook-Anwendung über lange Zeit überaus populär, machte die Firma bekannt und groß. Die anderen Projekte haben bislang jedoch kaum gezündet. Zuletzt verlor Zynga Millionen Spieler und musste ein Fünftel seiner Belegschaft entlassen. Geld verdient die Firma vor allem mit dem Verkauf virtueller Güter wie einem Traktor oder Saatgut bei "Farmville". In der Hoffnung auf neue Einnahmequellen stößt Zynga verstärkt ins Online-Glücksspiel vor. Zudem versucht sich das Unternehmen bei Smartphone-Spielen.

Signal für die Zukunft

Bei Microsoft steht die Xbox-Sparte im Gesamtkonzern ganz oben – geschäftlich und strategisch, wie Chris Lewis n-tv.de bestätigte. Früher korrigierte das Unternehmen seine Fehler intern. Doch spätestens seit der Demontage von "Mr. Windows" Steven Sinofsky gehören dazu nun auch personelle Konsequenzen. Wegen des Wirbels um die Xbox-Neuerungen hat Microsoft an Beliebtheit verloren; viele Kunden sagen, sie hätten sich bereits für eine Playstation 4 entschieden.

Der Wechsel von Don Mattrick zu Zynga lässt sich auch als Aussage über die Zukunft des Unternehmens werten. Und die kommentierten die Nutzer des US-Magazins "All Things D" zynisch: "Farmville-Nutzer müssen sich ab jetzt alle 24 Stunden mit ihrem Spiel verbinden, oder ihre Tiere werden nach und nach getötet", heißt es dort.

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Quelle: n-tv.de

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