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Hin - und nicht mehr zurück. Ison kam der Sonne zu nahe.
Hin - und nicht mehr zurück. Ison kam der Sonne zu nahe.(Foto: twitter.com/@CometISONnews)

Adventskomet offenbar verdampft: Ison überlebt "Sonnenkuss" nicht

Es hätte ein Spektakel werden können: Der Schweifstern Ison wurde als "Jahrhundertkomet" gehandelt. Doch langsam scheint Gewissheit, was schon vermutet wurde: Der Himmelskörper hat den Vorbeiflug an der Sonne wohl nicht überlebt.

Der Adventskomet ISON hat offenbar seine Annäherung an die Sonne nicht überstanden. "Es scheint, als ob Komet ISON seine Reise nicht überlebt habe", sagte der Kometenforscher Karl Battams vom Naval Research Laboratory nach Betrachten von Weltraumbildern. Andere Wissenschaftler äußerten sich ähnlich. Astronomen hatten allgemein erwartet, dass der Eis- und Gesteinsbrocken bei dem Flug nahe der Sonne verglühen würde.

"Ich sehe nichts, das jenseits der Sonnenscheibe hervorkommt", sagte Battams bei einer Diskussionsrunde, die von der US-Raumfahrbehörde NASA organisiert worden war. Phil Bait von dem Bad-Astronomy-Blog sagte, er habe ebenfalls den "starken Verdacht, dass ISON ein Ex-Komet sein könnte". Dean Pesnell vom NASA-Sonnenobservatorium Solar Dynamics Observatory (SDO) sagte: "Der Komet scheint verschwunden und sich in den letzten Stunden aufgelöst zu haben."

Weder das SDO, noch die gemeinsam von der NASA und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA betriebene Sonnensonde SOHO finde noch eine Spur des Kometen, obwohl sie "sehr gute Detektoren für Kometen" seien, sagte Pesnell. Die Kometenexpertin Carey Lisse von der Johns Hopkins Universität hatte den Komet zuvor mit einem "losen Schneeball" verglichen, der zu 30 oder 50 Prozent aus Wassereis bestehe. Zudem sei er mit 1,2 Kilometer Durchmesser eher klein.

Das Schicksal des Kometen Ison hält Wissenschaftler und Hobby-Astronomen weltweit in Atem. Mit rund 440.000 Kilometern je Stunde raste der Schweifstern immer weiter Richtung Sonne - und erwies sich vor seiner Sonnenpassage zunächst als überraschend widerstandsfähig. Auf Bildern der Sonnensonde SOHO waren nach Angaben von Wissenschaftlern zunächst keine deutlichen Auflösungserscheinungen des Kometen auszumachen.

Zwei Schweife und sehr ansehnlich

Die Aufnahmen zeigten vor der unmittelbaren Annäherung an die Sonne noch "das Erscheinungsbild eines Kometen mit zwei Schweifen, wie man es jetzt erwarten kann", sagte der Kometenforscher Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. Seit Wochenbeginn war spekuliert worden, dass der Kern des Schweifsterns bereits gänzlich zerstört sein könnte. Bei der Beobachtung der Sonnenannäherung von Ison waren die Wissenschaftler auf Bilder von Weltraumsonden angewiesen. Optischen Teleskopen auf der Erde war der Komet wegen seiner Nähe zur Sonne in diesen Tagen nicht zugänglich.

Am Donnerstag gegen 19.30 MEZ hatte Ison den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreicht. Zu diesem Zeitpunkt betrug sein Abstand zum glühend heißen Zentralgestirn nur noch einen Sonnendurchmesser. Bei einer Entfernung von 1,17 Millionen Kilometern war er Temperaturen von 2700 Grad Celsius ausgesetzt und verlor drei Millionen Tonnen pro Sekunde. Spekulationen über ein mögliches Ende des Kometen hatten bereits am Nachmittag neue Nahrung erhalten: Bilder von SOHO hatten gezeigt, dass die Helligkeit von ISON kurz vor seiner dichtesten Annäherung an die Sonne deutlich abgenommen hatte. ISON fasziniert Astronomen, seitdem er im September 2012 von russischen Forschern entdeckt wurde, da sein Ursprung rund 4,5 Milliarden Jahre bis in die Anfänge des Sonnensystems zurückreicht.

Schicksal des Kometen war lange unklar

Wie die anderen Kometen bestand Ison größtenteils aus gefrorenem Wasser und tiefgekühlten Gasen. Bei US-Astrophysikern herrschte vor dem "Sonnenkuss" des Kometen Uneinigkeit, ob er seine Sonnenpassage überleben würde. "Viele von uns glauben, dass er zerbricht", sagte der US-Kometenexperte Carey Lisse. Einige Forscher rechneten demnach mit der kompletten Zerstörung des Kometen. Andere Wissenschaftler sahen Lisse zufolge hingegen weiterhin Chancen, dass Ison trotz seines großen Masseverlustes durch die Sonnenhitze nicht komplett verdampft.

Kometen wie Ison gelten als Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Sie werden oft mit schmutzigen Riesen-Schneebällen verglichen. Wenn diese Brocken sich auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus, die stets von der Sonne wegweisen.

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Quelle: n-tv.de

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