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Nicht jeder Behandlungsansatz hilft jedem Abhängigen gleichermaßen.
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Frankreich lässt Baclofen gegen Alkoholismus zu: Ärzte warnen vor zu großem Optimismus

Einigen gilt es schon als Wundermittel zur Heilung von Alkoholabhängigkeit: Das eigentlich gegen Muskelkrämpfe wirkende Baclofen. In Frankreich wird das Medikament nun versuchsweise zugelassen, doch noch fehlen dazu aussagekräftige Studien.

Das Medikament Baclofen ist ab sofort in Frankreich vorläufig zur Behandlung der Alkoholsucht zugelassen. Die französische Arzneimittelbehörde teilte in Paris mit, das eigentlich gegen Muskelkrämpfe entwickelte Medikament werde nun provisorisch auch bei Alkoholismus zugelassen.

Im Rahmen einer Übersichtsarbeit kamen Ärzte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité bereits 2010 zu dem Ergebnis, dass Baclofen möglicherweise eine vielversprechende Substanz zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit darstellen könnte. Die Mediziner zogen aus ihren Forschungen den Schluss, dass die Wirkung vor allem von hochdosiertem Baclofen bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit unbedingt weiter erforscht werden müsse.

Dr. Christian Müller, der zur Zeit an einer klinischen Studie zum hochdosierten Baclonfeneinsatz arbeitet, warnte gegenüber n-tv.de jedoch vor zu großem Optimismus. Noch sei die Wirksamkeit und Sicherheit von Baclofen nicht klinisch belegt, die Nebenwirkungen nicht ausreichend erforscht. Allerdings erhoffen er und seine Kollegen sich eine weitere Option bei der medikamentösen Behandlung von Alkoholabhängigkeit. Derzeit sind lediglich drei Medikamente in Deutschland dafür zugelassen. Müller betont, dass die pharmakologische Behandlung jedoch nur einen Baustein in einem Gesamtbehandlungskonzept darstellt. Wichtig seien bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit vor allem auch psychotherapeutische Maßnahmen. Die neue Studie, die dann eine bessere Beurteilung von Baclofen zulässt, wollen Müller und seine Charité-Kollegen bis zum Ende des Jahres fertig stellen.

Das Medikament, das in Deutschland ebenfalls gegen spastische Lähmungen zugelassen ist und unter anderem von den Pharma-Firmen Novartis und Sanofi vertrieben wird, wurde bereits von einzelnen Ärzte ihren alkoholkranken Patienten verschrieben. Die Nebenwirkungen von Baclofen, das möglicherweise in das Belohnungssystem im Gehirn eingreift, gelten als sehr gering. Das Mittel ist bereits seit 1975 auf dem Markt.

Auf die Wirksamkeit des Medikaments gegen Alkoholsucht beim Menschen war der französische Kardiologe Olivier Ameisen gestoßen, der selbst schwer alkoholabhängig war und sich nach eigenen Angaben in einem Selbstversuch mit Baclofen von seiner Sucht heilte. Er veröffentlichte vor inzwischen rund zehn Jahren einen Fachartikel sowie später sein Buch "Das Ende meiner Sucht", das großes Aufsehen erregte und eine Reihe von Studien zu Baclofen gegen Alkoholsucht nach sich zog. Ameisen war im vergangenen Jahr im Alter von 61 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Quelle: n-tv.de

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