Donnerstag, 28. August 2008
Pilotanlage in Hamburg: Algen filtern CO2 aus Abgasen
Hamburg will mit einer Algen-Pilotanlage einen Meilenstein in der Klimaforschung setzen. Der Energieversorger E.ON nahm im Stadtteil Reitbrook eine Versuchsanlage in Betrieb, in der Mikroalgen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus dem Abgas eines Kraftwerks in Biomasse umwandeln sollen. "Hier wird komplett Neuland betreten", sagte Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL). Die europaweit einzigartige Anlage wird mit Unterstützung der Behörden für Umwelt und Wissenschaft mit mehreren Partnern betrieben.
Vergleichbare Pilotanlagen gibt es nach Angaben der Hamburger Betreiber bisher nur in den USA. Insgesamt werden mehr als zwei Millionen Euro auf dem E.ON-Gelände in Reitbrook investiert. Das Kohlendioxid stammt aus einem mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerk, das die Energie für den Betrieb eines Erdgasspeichers liefert.
Teilstück in Betrieb
Zunächst ist nur ein Teilstück der Algenanlage mit etwa 2,5 Kubikmeter Inhalt (Algen in Wasser) in Betrieb gegangen, mit dem etwa zehn Kilogramm Biomasse pro Woche produziert werden können. Ein Kilogramm Biomasse bindet etwa zwei Kilogramm CO2. In den fünf Jahren, auf die das Projekt zunächst angelegt ist, sollen verschiedene Reaktortypen getestet werden. "Die Kultivierung von Mikroalgen stellt eine vielversprechende Technologie dar, um in kurzer Zeit Biomasse zur weiteren Nutzung aufzubauen und gleichzeitig CO2-Emissionen zu reduzieren", sagte Hans-Jakob Tiessen, Vorstandsvorsitzender der E.ON Hanse AG.
Die Algen können nach ihrer Ernte zum Beispiel als Grundlage für Biotreibstoff oder in einer Biogasanlage genutzt werden. Langfristiges Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Verfahren zur großtechnischen Produktion von Mikroalgen in Biophoto-Reaktoren im Freiland. In der Pilotanlage wird die an nordeuropäische Bedingungen besonders angepasste Alge Chlorella hamburgensis eingesetzt. Die Stadt fördert das Projekt mit 500.000 Euro.
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