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Psychopharmaka in Gewässern: Angstlöser macht Barsche asozial

Psychopharmaka im Abwasser verändern das Verhalten von Fischen. Rückstände von Diazepam etwa machen Flussbarsche mutiger, so dass sie sich eher aus ihren Verstecken wagen und sich von ihren Artgenossen entfernen, berichten Forscher. Das könnte weitreichende ökologische Folgen haben.

Psychopharmaka, die mit dem Abwasser in die Gewässer gelangen, verändern Forschern zufolge das Verhalten von Fischen.
Psychopharmaka, die mit dem Abwasser in die Gewässer gelangen, verändern Forschern zufolge das Verhalten von Fischen.(Foto: dpa)

Vom Mensch ausgeschiedene Medikamente können in der Umwelt offenbar selbst in kleinsten Mengen noch erhebliche Wirkungen entfalten. So zeigt eine Studie aus Schweden, dass Psychopharmaka im Wasser die Verhaltensweisen von Fischen verändern können. In der vom US-Magazin "Science" veröffentlichten Studie waren die Auswirkungen eines Mittels gegen Angstzustände auf Flussbarsche untersucht worden. Als Ergebnis kam heraus, dass das Psychopharmakon die Fische asozialer und risikofreudiger machte.

Die Forscher an der Universität Umea hatten zunächst die Konzentration des Wirkstoffes Oxazepam unterhalb von Klärwerken in schwedischen Flüssen gemessen. Barsche, die dann im Experiment einer entsprechenden Menge ausgesetzt wurden, veränderten dem Bericht zufolge rasch ihr Verhalten. Die Schwarmfische wurden asozialer, indem sie sich von ihren Artgenossen entfernten. Damit setzten sie sich einem erhöhten Risiko aus, von ihren natürlichen Feinden gefressen zu werden.

Entfernung von der Gruppe

"Barsche, die unter dem Einfluss von Oxazepam standen, verloren das Interesse daran, mit der Gruppe abzuhängen, und einige blieben sogar so weit wie möglich von der Gruppe entfernt", berichtete der Leiter der Studie, Tomas Brodin. Auch wenn nur die Auswirkungen eines einzelnen Mittels untersucht wurden, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass eine ganze Reihe von Medikamenten, die über Abwässer in Flüsse und Seen gelangen, negative Auswirkungen auf die Umwelt haben können.

Allein in Deutschland werden etwa 30.000 Tonnen Medikamente im Jahr verabreicht. Viele der darin enthaltenen 3000 Wirkstoffe werden vollständig über den Urin ausgeschieden und können von Bakterien in den Klärwerken nicht zersetzt werden. Dies gilt nach wissenschaftlichen Studien etwa auch für das Hormon Östrogen in der Antibabypille. Unterhalb von Klärwerken verweiblichen demnach männliche Fische deshalb oftmals und produzieren Rogen statt Sperma.

Quelle: n-tv.de

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