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"Menthal" liefert den M Score: App warnt vor Handy-Sucht

Von Jana Zeh

Mit einer App wollen Bonner Forscher Handynutzer für einen bewussteren Gebrauch ihres Mobiltelefons sensibilisieren. Gleichzeitig werden die Daten genutzt, um herauszufinden, wann das Handy zum Problem werden kann.

Menthal

"Menthal" ist eine Anwendung, die Informatiker der Universität Bonn entwickelt haben. Die App für Android 4.0 oder höher  ist kostenlos im Google Playstore oder unter www.menthal.org herunterzuladen. Sie misst alle Handlungen, die man mit dem Handy durchführt, wie zum Beispiel, das An-und Ausschalten, die Verwendung einer App, den Wechsel zu einer anderen App, Anrufe oder das Lesen und Verschicken von SMS. Die App beobachtet aber keine Inhalte, kein Audio und keine Videos, sondern lediglich die Interaktion zwischen Handy und dessen Nutzer. Der Name für die Anwendung ist eine Abkürzung, die aus dem Begriff "Menthal Health Analytics" entstanden ist.

"Menthal" heißt die neue App, die Smartphonenutzern helfen soll, ihren Umgang mit dem Handy besser einschätzen zu können. Das Programm, das kostenlos heruntergeladen werden kann, misst beispielsweise, wie viel Zeit man mit dem Handy am Tag verbringt.  "Menthal kann als digitale Waage benutzt werden", erklärt Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn im Gespräch mit n-tv.de. "Aus allen Daten, die die App misst, wird ein Wert erstellt, der 'M Score' genannt wird und zwischen 0 und 100 liegt", so Markowetz weiter. Dieser soll die Summe der kognitiven Belastung durch das Handy darstellen. In dem Wert wird vereint, wie oft und wie intensiv man sein Mobiltelefon einsetzt. Je höher die Zahl ist, umso bedenklicher ist der Handygebrauch. "Die Idee, die dahinter steht, ist, Handynutzern die Möglichkeit zu geben, über ihren Handygebrauch nachzudenken, zu reflektieren und wenn es sein muss, ihn auch zu verändern", so Markowetz weiter.

Der M Score reicht von 0 bis 100.
Der M Score reicht von 0 bis 100.

Die Daten, die die App gewinnt, werden anonymisiert zu Forschungszwecken verwendet. Das interdisziplinäre Wissenschaftsteam will herausbekommen, wie der Handygebrauch heute aussieht und unter welchen Bedingungen er problematisch werden könnte. Die App "Menthal" ist ein Teil dieses Forschungsvorhabens.

Außer dem M Score liefert Menthal viele weitere Informationen und Details.
Außer dem M Score liefert Menthal viele weitere Informationen und Details.

Der Vorteil des Programmes besteht darin, dass man erstmals genau sehen kann, was Menschen mit ihren Handys tatsächlich machen. Zudem müssen sich die Forscher nicht, wie bisher, auf Informationen aus Selbsteinschätzungen stützen, sondern können "zum ersten Mal wirklich belastbare Daten" verwenden, betont der Informatiker. Mit den Daten, die die App liefert, könne man detailliert zeigen, wie der durchschnittliche Handykonsum pro Tag aussieht. Außerdem könnten durch die Wissenschaftler Ansätze entwickelt werden, wie Handys in Zukunft aussehen könnten, damit ihr Gebrauch nicht zum Problem für Menschen wird.

Normaler Gebrauch oder Handysucht?

Mit Hilfe von "Menthal" haben die Forscher bereits das Telefonverhalten von 50 Studenten über einen Zeitraum von sechs Wochen beobachtet. Die Ergebnisse der bislang unveröffentlichten Studie sorgten für Erstaunen. Im Durchschnitt aktivierten die Probanden ihr Handy 80 Mal täglich, also alle 12 Minuten tagsüber. Ein Viertel von ihnen telefonierte mehr als zwei Stunden pro Tag. Bei einigen fielen die Zahlen doppelt so hoch aus. Ein Durchschnittsnutzer dagegen verwendete das Handy acht Minuten am Tag zum Telefonieren und schrieb 2,8 SMS. Darüber hinaus tummelten sich die Probanden auf Sozialen Netzwerken und nutzten Messenger. Alleine "What's App" nahm 15 Prozent des Gesamtgebrauches ein, Facebook neun und Spiele 13 Prozent. Doch auch hier gab es Studienteilnehmer, die mehrere Stunden am Tag spielten.

Auch wenn es keine anerkannte Krankheit gibt, die als Handysucht bezeichnet wird, so ist doch klar, dass "der Umgang mit Mobiltelefonen durchaus suchtähnliche Symptome hervorrufen kann", bestätigt Christian Montag, Privatdozent für Psychologie an der Universität Bonn. Ein übermäßiger Handykonsum könnte beispielsweise zur Vernachlässigung von wichtigen Aufgaben oder der Pflege von Sozialkontakten führen. Um herauszubekommen, ob man gefährdet ist, kann "Menthal" jedem Einzelnen helfen, sich selbst einzuschätzen und gleichzeitig die Daten für die Forschung liefern. Der Schutz der Menschen und ihrer Daten wird bei den Untersuchungen ganz groß geschrieben. "Die Daten, die wir durch 'Menthal' erhalten, werden ausschließlich für diese Studie benutzt und verlassen nicht die Universität Bonn", betont Markowetz.

Quelle: n-tv.de

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