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Dier Gau im Atomkraftwerl von Fukushima schädigt das Blut der Japanmakaken.
Dier Gau im Atomkraftwerl von Fukushima schädigt das Blut der Japanmakaken.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Katastrophe von Fukushima: Atom-Gau schädigt Blut von Affen

Untersuchungen zu den Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe kommen zu einem beunruhigenden Ergebnis: Der Gau hinterlässt messbare Spuren im Blut von Affen.

Japanmakaken aus der Unglückszone haben deutlich schlechtere Blutwerte als Artgenossen aus einer weit entfernten Region. Das berichten japanische Forscher um Shin-ishi Hayama von der Nippon Veterinary and Life Science University in Tokio im Fachblatt "Scientific Reports".

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Die Forscher untersuchten die Folgen des Atomunglücks vom März 2011 an 92 Japanmakaken (Macaca fuscata), die zwischen April 2012 und März 2013 gefangen wurden. 61 Tiere stammten aus der Gegend um Fukushima Stadt etwa 70 Kilometer vom zerstörten Kraftwerk entfernt, die anderen von der Halbinsel Shimokita in der Präfektur Aomori etwa 400 Kilometer entfernt im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu.

Zunächst untersuchten die Forscher die Radiocäsium-Werte in den Muskeln. Dort fanden sie bei den Affen aus Fukushima Konzentrationen zwischen 78 und 1778 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg), in der Kontrollgruppe war dagegen kein Radiocäsium nachweisbar. Unterschiede fanden die Forscher auch bei den Blutwerten: Im Vergleich zu den Tieren aus Shimokita waren bei allen Affen aus Fukushima die Zahl der weißen Blutkörperchen, die Zahl der roten Blutkörperchen sowie die Werte von Hämoglobin und Hämatokrit verringert. Hämoglobin ist der für den Sauerstofftransport zuständige Blutfarbstoff, Hämatokrit zeigt die Konzentration der roten Blutzellen im Blut.

Geschwächtes Immunsystem

Die Forscher werten die geringe Zahl der weißen Blutkörperchen als einen Hinweis auf ein geschwächtes Immunsystem. Sie könne zwar theoretisch auch von Infektionskrankheiten oder Mangelernährung herrühren. "Aber unsere Gruppe hat seit 2008 mehr als 1000 in Fukushima City gefangene Affen untersucht, ohne Hinweis auf eine Infektionskrankheit in der Region, die die Zahl der Blutzellen verringert haben könnte", schreiben sie. Auch Mangelernährung schließen sie aus: Die Fettwerte der Affen aus Fukushima und jenen aus Shimokita unterschieden sich nicht auffällig.

Eine klare Verbindung zwischen den Radiocäsium-Werten in den Muskeln und den Blutwerten fanden die Forscher nur bei jungen Fukushima-Makaken. Je höher dort die Konzentration des Stoffes, desto niedriger war die Zahl der weißen Blutkörperchen. Dies könnte daran liegen, dass junge Organismen empfindlicher auf Strahlung reagieren. Möglicherweise könnten aber auch andere radioaktive Stoffe eine Rolle spielen, nicht nur das im Rahmen der Studie gemessene Cäsium, schreiben sie.

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Quelle: n-tv.de

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