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Möglicherweise spielt die verringerte Flügelspannweite der Schwalben eine Rolle.
Möglicherweise spielt die verringerte Flügelspannweite der Schwalben eine Rolle.(Foto: picture-alliance / dpa)

Kürzere Flügel, längeres Leben: Autoverkehr verändert Vögel

Im Straßenverkehr werden jährlich Millionen von Vögeln getötet. Nur bei den Fahlstirnschwalben sank in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der verunglückten Vögel. Forscher vermuten: Die Auffassungsgabe und die Evolution habe die Vögel für den Autoverkehr fit gemacht.

Die Evolution hilft einigen Vögeln offensichtlich, immer besser mit dem Straßenverkehr klarzukommen. So ist die Zahl der von Autos getöteten Fahlstirnschwalben im US-Bundesstaat Nebraska in den vergangenen 30 Jahren erheblich zurückgegangen. Ein Grund sei unter anderem, dass die Flügel der Vögel in dem Zeitraum immer kürzer geworden seien, vermuten US-Forscher. Dadurch könnten die Schwalben schneller auffliegen und ausweichen, wenn sich auf der Straße ein Auto nähere. Die Untersuchung zeige, dass der Straßenverkehr die evolutionäre Entwicklung einer Art beeinflussen könne.

Ein weiterer denkbarer Grund für die sinkende Zahl getöteter Vögel sei, dass die Fahlstirnschwalben gelernt hätten, den Autos auszuweichen, schreiben die Forscher um Charles Brown (University of Tulsa, US-Staat Oklahoma) im Fachblatt "Current Biology". Aus anderen Zusammenhängen sei bekannt, dass die Vögel von ihren Artgenossen lernen können. Möglicherweise übe der Verkehr auch auf andere Arten einen ähnlichen Selektionsdruck aus wie auf die Fahlstirnschwalben.

Die Forscher hatten 30 Jahre lang das Verhalten von Fahlstirnschwalben (Petrochelidon pyrrhonota) im südwestlichen Nebraska untersucht. Dabei zählten und untersuchten sie auch regelmäßig die Vögel, die im Straßenverkehr getötet worden waren.

Mehr Autos, weniger getötete Schwalben

Fahlstirnschwalben leben in großen Kolonien zusammen. Sie nisten natürlicherweise vor allem an senkrechten Felswänden oder Klippen. In urbanen Lebensräumen bauen sie ihre Nester jedoch auch an Brückenpfeiler oder unter Hochstraßen. Häufig sitzen sie auf der Fahrbahn, wo sie leicht unter die Räder heranfahrender Autos geraten können.

Die Untersuchung zeigte nun, dass seit den 1980er Jahren die Zahl der getöteten Vögel deutlich abgenommen hat - obwohl die Zahl der Vögel und die der Autos zugenommen hatten. Auf der Suche nach einem Grund für den Rückgang dieser Verkehrstoten stießen die Forscher auf die Flügellänge: Sie stellten fest, dass die Flügel bei den Fahlstirnschwalben insgesamt immer kürzer geworden waren. Die Vögel jedoch, die im Verkehr umkamen, hatten stets längere Flügel als der Durchschnitt.

Daraus folgern die Wissenschaftler, dass die Flügelform das Überleben der Vögel beeinflusste. Im Verlauf der Evolution seien die Flügel immer kürzer geworden, weil sie ein schnelleres Abheben von der Straße ermöglichen - und damit das Überleben sichern.

Vermutlich hätten noch andere Faktoren die Entwicklung kürzerer Flügel begünstigt, zum Beispiel Wetterereignisse oder Änderungen bei den Insekten, nach denen sie jagen, schreiben die Forscher.

Quelle: n-tv.de

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