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Ein junges Fingertier, das in einem Zoo geboren worden ist.
Ein junges Fingertier, das in einem Zoo geboren worden ist.(Foto: BRISTOL ZOO GARDENS/AP/dapd)
Freitag, 20. Januar 2012

Primat mit besonderen Händen: Aye-Aye heizt Mittelfinger auf

Fingertiere heizen für die Nahrungsbeschaffung ihre Mittelfinger auf. Das können Forscher mit Hilfe von Wärmebildkameras beweisen. Mit dem unglaublich langen Finger suchen die Tiere nach Maden und Würmern. Die Erwärmung dient wohl zur Steigerung der Empfindlichkeit des Jagdfingers, mutmaßen die Forscher.

Die nachtaktiven Primaten leben auf Madagaskar und gehören zu den Allesfressern.
Die nachtaktiven Primaten leben auf Madagaskar und gehören zu den Allesfressern.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Als wäre das Fingertier nicht schon exotisch genug: Die seltenen Primaten heizen ihren langen Mittelfinger vor der Beutesuche um bis zu sechs Grad auf. Auf diese Weise arbeiten die zahlreichen Nervenzellen vermutlich besser, schreibt eine Forscher-Gruppe um Gillian Moritz vom Darmouth College in Hanover im US-Staat New Hampshire. Die Ergebnisse sind im "International Journal of Primatology" nachzulesen. Der lange Finger dient als universelles Tast- und Jagdwerkzeug.

Wer je ein Fingertier oder Aye-Aye gesehen hat, wird den Anblick kaum vergessen. Die zu den Lemuren zählenden Primaten (Daubentonia madagascariensis) haben einen sehr langen Mittelfinger. Damit können sie etwa in feinsten Löchern in Bäumen nach Maden oder anderer Beute angeln. Moritz und Kollegen filmten acht Tiere mit einer Thermo-Kamera und achteten dabei besonders auf den dünnen Mittelfinger. Dieser erhitzte sich deutlich, wenn er in Gebrauch war – und war dann bis zu sechs Grad wärmer. Die übrigen Finger zeigten diese Erwärmung nicht, schreiben die Forscher.

Steigerung der Sensibilität

Sie vermuten eine besondere Blutversorgung des Fingers. In der Biochemie gibt es eine Faustregel, nach der eine Temperaturerhöhung von rund zehn Grad Celsius die Geschwindigkeit einer biochemischen Reaktion verdoppelt. Das Aufheizen des Fingers könnte daher die Empfindlichkeit der Sensoren steigern.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN werden die Aye-Ayes derzeit als "gering gefährdet" eingestuft. Ihre Zahl hat in den vergangenen rund 25 Jahren aber um 20 bis 25 Prozent abgenommen. Die nachtaktiven Tiere kommen nur auf Madagaskar vor. Tagsüber schlafen sie unter anderem in Astgabeln. Manche Einheimische sehen die Lemuren als Vorboten schlechter Ereignisse an und töten sie daher.

Quelle: n-tv.de

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