Wissen
Mehr als hundert gestrandete Walen liegen in der Bucht Marion Bay im Süden von Tasmanien in Australien am Strand (Archivbild vom 26.10.2005).
Mehr als hundert gestrandete Walen liegen in der Bucht Marion Bay im Süden von Tasmanien in Australien am Strand (Archivbild vom 26.10.2005).(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zum Tode verurteilt: Baulärm schlägt Walen aufs Gehör

Offshore-Windparks und Schiffsverkehr: Nicht nur, dass Lärm unter Wasser die Kommunikation von Walen stört. Sie verlieren auch die Orientierung und verenden am Strand.

Blauwale können sich über hunderte Kilometer durch ihre tiefen Rufe und ihr feinsinniges Gehör verständigen. Und selbst kleinere Meeressäuger wie Schweinswale orientieren sich in den ihnen bekannten Lebensräumen per Echoortung. Doch der zunehmende Baulärm unter Wasser, den vor allem neue Offshore-Windparks mit sich bringen, könnte die empfindliche Kommunikation der Tiere stören. "Zahnwale und damit Kleinwale vertrauen viel stärker ihrem akustischen als dem optischen Sinn", sagt der Chef des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, Harald Benke. Im Wasser werde der Schall fünfmal besser geleitet als in Luft.

Schon früher sind Wale in Tasmanien gestrandet (Archivbild vom 27.12.2004).
Schon früher sind Wale in Tasmanien gestrandet (Archivbild vom 27.12.2004).(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Der rege Schiffsverkehr sorge inzwischen für ein ständiges diffuses "Grundgeräusch", das von den Meeressäugern ähnlich einem permanenten Brummen wahrgenommen werde. Dies verursache Stress, sagt Benke. Massenstrandungen wie Ende 2008 und Anfang 2009 vor der tasmanischen Küste, als 150 Wale verendeten, führen die Experten unter anderem auf Unterwasser-Lärm zurück. Mit Skepsis beobachten Walforscher deshalb den Drang der Windenergie aufs Meer. Mariner Radau und damit verbundene Druckwellen, wie sie bei Rammarbeiten oder auch bei der seismischen Suche nach Erdgas-Lagerstätten entstehen, gelten mittlerweile weltweit als eine der Hauptgefahren für die sensiblen Tiere.

Lärmmindernde Unterwasser-Bautechniken im Fokus

"Wale, deren Gehör durch Lärm gestört oder dauerhaft geschädigt wird, sind zum Tode verurteilt, weil sie sich nicht mehr orientieren können", warnt Benke. Messungen haben gezeigt, dass selbst in 80 Kilometer Entfernung von der Schallquelle die "Rammdrücke" noch über dem Hintergrundrauschen des Schiffsverkehrs liegen.

Lärmmindernde Unterwasser-Bautechniken sind auch ein Hauptthema bei der Tagung der Europäischen Gesellschaft für Walforschung, die am 22. März in Stralsund beginnt. Allein in Europa sind laut Branchenverband EWEA (European Wind Energy Association) im Vorjahr Jahr acht neue Windparks mit knapp 200 Offshore-Turbinen ans Netz gegangen. In diesem Jahr sollen 10 dazu kommen, sieben sind im Bau, weitere 52 bereits genehmigt. Knapp die Hälfte davon befindet sich nach Verbandsangaben in deutschen Gewässern.

Kaum Alternativen zum Rammen

Offshore-Windpark "Alpha Ventus" in der Nordsee noch während der Bauphase: Lärm ist nicht zu vermeiden, muss aber vermindert werden (Archivbild vom 15.07.2009).
Offshore-Windpark "Alpha Ventus" in der Nordsee noch während der Bauphase: Lärm ist nicht zu vermeiden, muss aber vermindert werden (Archivbild vom 15.07.2009).(Foto: picture alliance / dpa)

"Es hat sich herausgestellt, dass bei Rammarbeiten in Offshore-Parks -wenn die Fundamente im Meeresboden verankert werden - sehr hohe Schalldrücke unter Wasser entstehen", sagt Kristin Blasche vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Für jedes Projekt muss vorab eine Schallprognose erstellt werden. Der Grenzwert liegt bei 160 Dezibel in 750 Metern Entfernung von der Schallquelle.

Für das Rammen gibt es bisher kaum Alternativen. An neuen Methoden wird geforscht. So schlug die Universität Hannover für den Nordsee-Windpark "alpha ventus" vor Borkum den Einsatz eines sogenannten Blasenschleiers vor. Dabei werden Druckluftschläuche rund um die Unterwasser-Baustelle gelegt. Die aufsteigende Luft bildet eine akustische Barriere für Schallwellen, das Verfahren hat allerdings Grenzen: "Die Blasen sind sehr strömungsabhängig, es ist keine Rundum-Abdeckung erreichbar", erklärt Blasche. Auf der Tagung sollen deshalb andere Methoden vorgestellt werden. Dazu gehören leisere Grabetechniken wie das "Vibrationsrammen" oder "Einrütteln".

Schweinswale von Baustelle vertreiben

Schweinswale sind in die Nordsee, aber nicht in die Ostsee zurückgekehrt.
Schweinswale sind in die Nordsee, aber nicht in die Ostsee zurückgekehrt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das BSH fordert von Windpark-Bauherren, so geräuscharm wie möglich zu rammen und dabei Methoden einzusetzen, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Kurz vor Baubeginn müsse zudem immer ein "Vergrämungsgerät" ins Wasser gehängt werden, das Schweinswale durch unangenehme Klänge von der Baustelle abhalten solle, sagt Blasche.

Doch auch das birgt offenbar Risiken. Schweinswal-Experte Benke verweist auf zwei dänische Windparks. "In der Nordsee sind die Schweinswale in ihr angestammtes Revier zurückgekehrt - in der Ostsee nicht." Die Ursachen dafür seien unbekannt. Gerade die Ostsee-Population der Schweinswale, die nach letzten Erhebungen Mitte der 90er Jahre noch auf 600 Tiere geschätzt wird, gilt als besonders gefährdet.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen