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Es gibt viele Orte die dunkel sind, aber Gülpe soll der dunkelste der dunklen Orte sein.
Es gibt viele Orte die dunkel sind, aber Gülpe soll der dunkelste der dunklen Orte sein.(Foto: picture alliance / dpa)

Gülpe ist schwarz wie die Nacht: Brandenburger Ort wird erster Sternenpark

Gülpe? Nie gehört? Das könnte sich schlagartig ändern. Denn dunkler als in Gülpe geht’s fast nirgendwo - höchstens noch in Chile oder Namibia. Der kleine Ort liegt im Naturpark Westhavelland. Dort stört keine Lichtverschmutzung die Sternengucker.

Auch bei Tag ist der Ort durchaus reizvoll: ein Sperrwerk des Havelländischen Hauptkanals bei Gülpe.
Auch bei Tag ist der Ort durchaus reizvoll: ein Sperrwerk des Havelländischen Hauptkanals bei Gülpe.(Foto: dpa)

Sternengucker haben den womöglich dunkelsten Ort Deutschlands schon seit Jahren im Blick. Wollen sie die Milchstraße ohne großen Aufwand sehen, fahren sie nach Gülpe, im Naturpark Westhavelland. Und genau dieser Ort ist jetzt als Deutschlands erster Sternenpark ausgezeichnet worden. Ausschlaggebend sei das Phänomen, dass im Westhavelland in tiefer Dunkelheit die Milchstraße mit ihren unzähligen Sternen als plastisches Gebilde erlebbar sei, teilte das Umweltministerium mit.

Dieses Siegel für besonders nachtdunkle Regionen wird weltweit von der "International Dark Sky Association" in den USA vergeben. Naturpark-Chefin Kordula Isermann verspricht sich von der Auszeichnung eine weitere Aufwertung des Westhavellands. Weltweit wurden bislang 24 Sternenparks ausgezeichnet, unter anderem in Namibia und Neuseeland.

Mit bloßem Auge kann man von Gülpe aus die Milchstraße ohne Streulicht erkennen. "Bessere Bedingungen als dort gibt es nur noch im afrikanischen Namibia oder in der Höhe Chiles", meinte der Astronom Andreas Hänel vom Planetarium Osnabrück. Hänel hatte vor ein paar Jahren alles ins Rollen gebracht. Nach einem Tipp von Hobby-Astronomen maß er bereits 2009 die Himmelshelligkeit. "Also ganz genau habe ich die Leuchtdichte ermittelt und einen Wert von 21,78 gemessen", berichtete Hänel. Es gebe nicht viele Orte in Deutschland und Europa, die genauso dunkel sind. Höchstens noch in Mecklenburg-Vorpommern.

"Lichtverschmutzung" über viele Kilometer

In den meisten Gegenden Deutschlands hellen wegen der starken Besiedlung viele künstliche Lichtquellen den Nachthimmel auf. Dann spricht man tatsächlich von "Lichtverschmutzung". Restlos dunkel ist es aber auch im Naturpark Westhavelland nicht, denn der Lichtkegel des rund 80 Kilometer entfernten Berlins zeichnet sich dort am Horizont ab.

Auch von einem Betrieb aus dem benachbarten Arneburg in Sachsen-Anhalt dringt Licht herüber. Deren Betreiber sind aber bemüht, die Auswirkungen des künstlichen Lichts zu begrenzen. Auch die Gemeinden in der wenig besiedelten Region der Havelniederung zwischen dem Gülpener und dem Hohenauener See hatten sich verpflichtet, auf eine entsprechende Straßenbeleuchtung zu achten. Ihre Bemühungen waren von Erfolg gekrönt.

Die Region will bereits in Kürze erste touristische Angebote vorstellen, um weitere Besucher ins Westhavelland zu locken. So sollen spezielle Outdoor-Liegestühle aufgestellt werden und Hoteliers wollen ein spätes Frühstück für nächtliche Sternenschwärmer anbieten, die die Nacht in Gülpe durchgemacht haben - und erst beim ersten Sonnenstrahl ins Bett gehen.

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Quelle: n-tv.de

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